Meisterlich – den Klassenerhalt des Hamburger SV, der ja tatsächlich ziemlich ungefährdet über die Bühne ging, kann man wohl auch so nennen. Meisterlich wäre damit auch die Arbeit von Merlin Polzin, der im siebten Jahr die Bundesliga-Rückkehr der Rothosen schaffte und nun – wie gesagt – sogar souveräner drin blieb als der HSV in den letzten Jahren vor dem Abstieg. Aber deswegen gleich eine Meisterfeier crashen?
Darum geht es: Montagfrüh waren sich Polzin und sein Staff auf den Weg nach Barcelona gereist, eineinhalb Tage Workation standen auf dem Programm. Ein bisschen entspannen in der katalanischen Metropole, ein bisschen Reflektion der endenden und Planen der anstehenden Bundesliga-Saison. So zumindest der Plan.
Loic Favé, Co-Trainer der Rothosen, erklärt: „Die Tage nach dem Freiburg-Spiel waren zum Genießen. Zum einen mit den Mitarbeitern und den Familien. Und dann waren wir im Staff noch zusammen unterwegs. Das ist schön, in einem anderen Setting zusammen zu sein, ein bisschen Sonne zu genießen und gut zu essen.“
Doch Lamine Yamal und seine Mitspieler vom FC Barcelona kamen dem Polzin-Plan in die Quere. Denn am Sonntagabend hatte ihr FC Barcelona durch sein 2:0 gegen Real Madrid vorzeitig den Gewinn der spanischen Meisterschaft klargemacht. Tags darauf feierten die Barca-Spieler das mit einer Bus-Tour durch Barcelonas Innenstadt und ließen sich von den Fans feiern. Die Route führte dabei direkt an dem Hotel vorbei, in dem der HSV-Stab untergebracht war. Polzin und seine Co-Trainer gingen auf den Balkon und genossen Barcas Meistersause sichtlich. Bis hier hin ein netter Zufall – aber nicht mehr.
Das ändert sich jetzt: Denn die Hamburger hatten auch privaten Kontakt zu Barcas-Trainerteam und nutzten diesen guten Draht. Polzin hospitierte 2024, im Rahmen seiner Pro-Lizenz, eine Zeit lang bei FC Barcelona und steht seither mit Cheftrainer Hansi Flick im Austausch. HSV-Assistenzcoach Richard Krohn und Barcelonas Torwart-Trainer Toni Tapalović wiederum erwarben im Vorjahr gemeinsam die A-Lizenz beim DFB, sind seitdem lose befreundet. Zudem pflegt Flicks-Co-Trainer Heiko Westermann gute Drähte zu seinem Ex-Klub HSV.
Man gratulierte also, traf sich vielleicht sogar auf ein Kaltgetränk und stichelte etwas. Denn: „Unsere Alsterrunde (nach dem Bundesliga-Aufstieg, Anm. d. Red.) war emotionaler als die Tour von denen“, berichtete Favé.
Für Polzin und Co. stand in Barcelona also doch vor allem der Spaß im Vordergrund. In den Tagen nach dem Leverkusen-Spiel werden dann noch zahlreiche Gespräche und Analysen nachgeholt. „Dann geht es darum, zu überlegen: Was von dem, was wir uns vorgenommen hatten, hat gut funktioniert, und was möchten wir anpassen?“, so der Co-Trainer weiter. Erst danach werden auch die HSV-Trainer in ihren verdienten Sommerurlaub starten. Mal schauen, welche Meisterfeier es dabei dann jeweils zu crashen geben wird.
