Für den FC Southampton geht es gerade um die Rückkehr in die Premier League – aber das nicht nur auf dem Rasen. Vor dem Finale der Aufstiegs-Playoffs droht den Saints der Ausschluss aus der Finalserie. Der Grund: Unsportliches Verhalten. Was steckt dahinter?
Im Halbfinale der Aufstiegs-Playoffs traf der FC Southampton auf FC Middlesbrough. Die Halbfinals werden in Hin- und Rückspiel ausgetragen. Soweit, so normal. Jetzt aber kommt der Twist: Wenige Tage vor dem Hinspiel hatte Middlesbrough einen Mitarbeiter aus dem Analyse-Team der Saints dabei erwischt, wie dieser – hinter einem Baum versteckt – heimlich das Boro-Training mit dem Smartphone gefilmt hatte. Spionage! Und die ist strengstens verboten: Die EFL-Regularien sagen nämlich klar, dass es „jedem Verein untersagt ist, das Training eines anderen Vereins innerhalb von 72 Stunden vor einem geplanten Spiel zwischen den beiden Vereinen zu beobachten oder zu versuchen, dieses zu beobachten“.
Middlesbrough, das im Halbfinale gegen Southampton ausschied, machte den Fall öffentlich. Jetzt wird er am 19. Mai vor einem EFL-Sportgericht verhandelt. Dass die Aktion ein Nachspiel haben wird, gilt dabei als unumgänglich. Die Frage ist nur, welches Strafmaß die Saints erwartet. Boro hat hier klare Vorstellungen. Und da es Middlesbrough nicht gestattet wurde, an der von der EFL einberufenen Anhörung teilzunehmen, stellte der sportliche Halbfinal-Verlierer in einem Statement am Freitag klare Forderungen.
Zunächst bedauerte der Klub die Entscheidung, von der Anhörung ausgeschlossen zu sein, „da wir von den zur Prüfung stehenden Sachverhalten unmittelbar betroffen sind und über relevante Sachbeweise hinsichtlich der fraglichen Ereignisse und ihrer Auswirkungen auf den Wettbewerb verfügen“. Dann wurde er richtig deutlich: „Das beanstandete Verhalten, nämlich die Beobachtung und Aufzeichnung unserer Trainingseinheit im Vorfeld eines so bedeutenden Spiels, trifft den Kern der sportlichen Integrität und des fairen Wettbewerbs. Unter diesen Umständen ist die einzig angemessene Reaktion eine sportliche Sanktion, die den FC Southampton daran hindern würde, am Play-off-Finale der EFL Championship teilzunehmen“. Man erhoffe sich „weiterhin, dass die EFL als Regulierungsbehörde eine solche Sanktion vor der Disziplinarkommission durchsetzen wird, um die Integrität des Spiels zu schützen, alle Mitgliedsvereine zu schützen und jegliche zukünftigen Versuche zu unterbinden, sich einen unfairen und unrechtmäßigen Vorteil im Streben nach dem Aufstieg in die Premier League zu verschaffen“.
Aber ist der Ausschluss des FC Southampton in Anbetracht dieses Vorwurfes tatsächlich ralistisch? In einem Statement der EFL klingt zumindest vieles danach. Sie schreibt über die Untersuchung: Dass diese unter Umständen „zu Änderungen am Spielplan führen kann“. Und weiter: „Die EFL verfügt über eine Reihe von Notfallplänen für den Fall, dass diese erforderlich werden sollten, wozu auch die Berücksichtigung eines etwaigen Berufungsverfahrens gehört, falls dies notwendig sein sollte.“
Das Finale um den Premier-League-Aufstieg gilt als „Riches Game in Football“, weil dem Gewinner TV-Mehreinnahmen in Höhe von über einhundert Millionen Pfund winken. Die könnte der FC Southampton jetzt also verpassen – wegen einer Handykamera. Ungerecht wäre es nicht. Ungewöhnlich hingegen schon. Und ein Sieg für den Sportsgeist. Irgendwie bodenständig.
