Schätzfrage: Wann wurde die Abseitsregel eingeführt?

Vielleicht zur ersten Fußballweltmeister 1930, als es nochmal dringender wurde, ein international einheitliches und vor allem möglichst faires Regelwerk einzuführen?

Oder zur WM 1954, als man schon etwas mehr Erfahrungswissen hatte (und Rahn aus dem Hintergrund schießen musste, weil der Stürmer vorne drin im Abseits gestanden hätte)?

Oder kam die Regel vielleicht erst in den frühen 1970er Jahren in den Fußball, als der Fußball sich zunehmend für große Sponsoren öffnete und das Spiel deswegen noch einmal mehr professionalisiert werden musste?

Alles falsch.

Die Grundregel des Abseits entstand bereits zu den Anfängen des reglementierten Fußballs in der frühen zweiten Häfte 19. Jahrhundert in England – genauer gesagt im Jahr 1863. Zu dieser Zeit waren ansonsten noch nicht einmal die Größe der Tore oder der Spielfelder festgelegt und selbst die Anzahl der Spieler schwankte noch. Die Begründung war, dass es unfair ist, hinter dem Rücken des Gegners ein Tor zu erzielen. Die erste Abseitsregel sollte dabei auch verhindern, dass sich ein angreifender Feldspieler in der Nähe des gegnerischen Tors platziert, auf den Ball wartet und ihn dann mühelos abstaubt. Mit der ersten offiziellen Abseitsregel, also der von 1863, waren deswegen auch nur Pässe nach hinten erlaubt. Sidefact: Die Abseits-Regel entstammt dem Rugby, das bis zur Spaltung zwischen Rugby- und Football-Association ja auch Vorgängersport des Fußballs war. Im Rugby ist heute noch der Vorwärtspass verboten.

Aber seitdem ist die Regel ständig im Wandel – ja bis heute. FIFA-Chef Gianni Infantino setzt sich zum Beispiel aktuell für eine Änderung der Abseits-Regel ein, die vom ehemaligen Arsenal-Trainer und heutigen FIFA-Direktoren für Fußballentwicklung Arse Wenger entwickelt wurde. Zu der kommen wir gleich. Erst einmal weiter mit der Entwicklung des Abseits‘: Von 1866 bis 1925 war es kein Abseits, wenn mindestens drei verteidigende Spieler zwischen der Torlinie und dem Angreifer positioniert waren. Seit 1907 ist Abseits in der eigenen Spielfeldhälfte nicht mehr möglich. Bei Abstoß und Eckstoß gab es damals zudem auch kein Abseits, bei einem Einwurf dagegen schon. Erst 1920 wurde auch für den Einwurf die Abseitsregel aufgehoben. Die bis heute letzte große Regeländerung folgte dann weitere 70 Jahre später: Seit 1990 ist „gleiche Höhe“ kein Abseits mehr.

Heute ist Abseits in Regel 11 des internationalen Fußball-Regelwerks so erklärt: Ein Spieler befindet sich in einer Abseitsstellung, wenn er der gegnerischen Torlinie näher ist als der Ball und der gegnerischen Torlinie näher ist als der vorletzte Gegenspieler und sich außerdem in der gegnerischen Spielfeldhälfte befindet. Wichtig: Verlässt ein verteidigender Spieler den Platz ohne Zustimmung des Schiedsrichters, zählt er als auf der eigenen Torlinie oder der Seitenlinie stehend. Mit dieser Regelung soll verhindert werden, dass ein Verteidiger den Platz absichtlich verlässt, um einen gegnerischen Spieler ins Abseits zu stellen. Eine gelbe Karte gibts dafür oben drauf.

Ein etabliertes System – eigentlich. Was haben jetzt also Infantino und Wenger vor? „Wie können wir das Spiel offensiver und attraktiver machen“, diese Leitfrage habe die Diskussion bestimmt, sagt der FIFA-Präsident. Vielleicht werde es darum in Zukunft so sein, dass der Stürmer vor dem Verteidiger sein müsse, um Abseits zu stehen, meint Infantino. Bereits vor mehr als fünf Jahren hatte der Franzose Wenger in seiner Funktion als FIFA-Direktor diesen Vorschlag unterbreitet.

Regel-technisch hieße das: Ein Spieler würde dann nicht mehr im Abseits stehen, wenn sich noch ein Körperteil, mit dem ein Tor erzielt werden kann, auf gleicher Höhe mit dem vorletzten gegnerischen Spieler befindet. Bislang steht ein Spieler ja im Abseits, wenn nur eines dieser Körperteile näher am Tor ist als der vorletzte Gegner. Der Weltverband bat die Regelhüter des International Football Association Board Ifab damals, dies testen zu dürfen. Die Corona-Pandemie hatte die angestrebten Tests jedoch seither verhindert. Das nächste Ifab-Treffen findet nun aber am 20. Januar in London statt.

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Von admin