Kennedy Okpala gehört in dieser Saison zu den besten Offensivspielern der dritten Liga. Der Stürmer lief in dieser Saison bereits in 18 Spielen für den SV Waldhof Mannheim auf, schoss dabei sieben Tore und bereitete drei weitere vor. Damit ist Okpala, der auch als Rechtsaußen eingesetzt wurde, an rund einem Drittel der Mannheimer Tore direkt beteiligt. Jetzt wechselt Kennedy Okpala, der schon in der Jugend für die Waldhöfer kickte, eine Liga höher zum SC Paderborn. Eigentlich, auch wenn Mannheim damit im Abstiegskampf seinen wichtigsten Offensivspieler verliert, trotzdem eine Erfolgsgeschichte für Spieler und Ex-Klub, der sich damit immerhin für zukünftige Talente attraktiver macht. Aber um den Wechsel gibt es richtig Krach. Und der geht so.

Als Kennedy Okpala zuletzt seinen Vertrag mit dem SV Waldhof Mannheim verlängerte, bestand er auf eine Ausstiegsklausel. Darüber, dass es die tatsächlich gibt, besteht auch zwischen allen Parteien Einigkeit. Da hört es mit der Einigkeit aber auch schon auf. Uneinig sind sich Mannheim und Okpala nämlich zunächst mal darüber, ob die Ausstiegsklausel auch im Winter gezogen werden darf oder lediglich Sommerwechsel ermöglicht. Und in der Folge darüber, ob Okpala jetzt gegen die festgelegte Ablösesumme zum SC Paderborn wechseln darf. Das bestreitet Mannheim nämlich und verweigerte in der Folge den Transfer. Womit wir beim dritten Streitpunkt wären: Kennedy Okpala hat deswegen nämlich seinen Vertrag bei seinem Ausbildungsverein einseitig und fristlos gekündigt, würde damit jetzt also ablösefrei wechseln. Was stimmt denn nun?

Beginnen wir mit Okpalas Version. Und fangen da mit den Zeitpunkten an, an denen die Ausstiegsklausel aktiv werden kann. Die Gültigkeit der Klausel in der laufenden Transferperiode wurde laut der Aussage von Spielerberater Markus Peter zu keiner Zeit ansatzweise in Zweifel gezogen. „Sie ergibt sich nicht nur aus dem Wortlaut, sondern wurde auch von mehreren Teilnehmern an den Vertragsverhandlungen nochmals ausdrücklich bestätigt“, betont der Okpala-Berater. Man habe dem SV Waldhof sogar frühzeitig signalsiert, dass Kennedy Okpala auf jeden Fall einen Winter-Wechsel anstrebe. „Sowohl Kenny als auch ich wurden mehrfach gebeten, dem Verein mitzuteilen, wenn die Entscheidung gefallen ist, die vertraglich verankerte Ausstiegsklausel im Winter zu aktivieren, damit man frühzeitig für Ersatz sorgen könne“, betont Peter. Auch der Sportrechtler und Okpalas weiterer Berater Horst Kletke sagt: „Es stimmt, wir haben gekündigt, weil Waldhof Mannheim die eigenen vertraglichen Pflichten nicht eingehalten hat.“ Über die Abwicklung des Transfers sagt er: „Da ist genau festgelegt, was, wann, wie zu passieren hat. Das ist alles eingelöst worden – einschließlich dessen, was Paderborn zu tun hat.“

Ende November habe man Mannheim vor dem Wechsel nach Paderborn informiert.  „Wäre Waldhof Mannheim dann seinen vertraglichen Verpflichtungen nachgekommen, einerseits den Transfervertrag mit dem SCP zu unterzeichnen und andererseits das Arbeitsverhältnis mit Kenny zu beenden, wäre die fristlose Kündigung niemals ausgesprochen worden“, sagt Peter. Kletke habe daraufhin den Waldhof schriftlich aufgefordert, dies zu tun und schließlich mit der Abmahnung Mannheim nochmals die Gelegenheit gegeben, die erforderlichen Erklärungen abzugeben. „Dies hat der Waldhof vertragswidrig nicht getan, sodass Kenny berechtigt und gezwungen war, darauf mit der fristlosen Kündigung zu reagieren, um seine vom Waldhof rechtswidrig vorenthaltenen Rechte zu wahren“, sagt Peter abschließend.

Der SC Paderborn sieht sich deswegen ebenfalls im Recht. Zur Verpflichtung des Stürmers sagt Sportgeschäftsführer Sebastian Lange: „Er passt hervorragend zum Paderborner Weg.“ Mit seinem neuen Klub reiste er bereits ins Trainingslager.

Der SV Waldhof Mannheim widerspricht all dem bislang nur in einer kurzen Mitteilung auf der klubeigenen Homepage. Dort heißt es: „Der SV Waldhof Mannheim 07 hat mit Verwunderung die heutige Pressemitteilung des SC Paderborn bezüglich des Wechsels von Kennedy Okpala zur Kenntnis genommen. Kennedy Okpala hat seinen laufenden Vertrag zum Jahresende gekündigt und ist heute nicht zum Training erschienen. Ein solches Verhalten wird vom SV Waldhof Mannheim 07 nicht toleriert. Kennedy Okpala ist weiterhin Spieler des SV Waldhof.“

Was nun stimmt? Das wird ein Gericht entscheiden müssen. Fest steht: Verliert der SV Waldhof den anstehenden Rechtsstreit und hat die fristlose Kündigung bestand, erhält er gar keine Ablösesumme für seinen wohl wertvollsten Spieler. Gewinnt er, könnte die Ablösesumme frei verhandelt werden. Auch eine außergerichtliche Einigung oder ein Verein wären möglich.

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Von admin