Mit der eigenen Mannschaft ins Trainingslager: Für viele Fans ist das nicht nur ein Traum, sondern alljährliche Reisepflicht. Doch als die Hertha am vergangenen Samstag ins Wintertrainingslager flog, verlief das nicht ohne Turbulenzen. Dominik Lassahn erinnert sich im RBB an eine ganz besondere Reise – und die beginnt mit gemischten Gefühlen.
Los geht es mit großer Freude: „Wir haben unser Gepäck eingecheckt, sind zum Gate gelaufen. Die Mannschaft saß in der gleichen Maschine wie wir Fans. Da haben wir uns schon gefreut, haben aber die Spieler natürlich in Ruhe gelassen.“ Doch auf die folgte rasch Ernüchterung – und die hatte es in sich: „Dann kam die Durchsage, dass die Maschine noch auf ihren Time-Slot wartet, ursprünglich war der Abflug für 14:30 Uhr geplant. Da hieß es dann schon: Es wird voraussichtlich zwei Stunden später. Draußen schneite es weiter ziemlich stark. Irgendwann kam die Ansage von Eurowings, dass der Flug storniert wird. Wir wurden alle aus dem Flugzeug geschickt, was tatsächlich auch wieder eine Stunde gedauert hat. Wir waren etwas verzweifelt, weil wir nicht wussten, wie es genau weitergeht. Wir sollten die Koffer abholen und am Eurowings-Schalter auf Anweisungen warten. Am Kofferband haben wir wieder eineinhalb Stunden gewartet und uns darauf eingestellt, dass wir nach Hause fahren müssen.“
Insgesamt rund neun Stunden warteten Lassahn und andere Hertha-Fans am Flughafen, Seite an Seite mit der Mannschaft. Die Fans standen am Gepäckband, warteten darauf ihre Koffer wiederzubekommen und richteten sich darauf ein, wieder nach Hause zu müssen. Die Hertha-Spieler hingegen warteten darauf, dass ihr Verein ihnen eine Alternative organisiert. Und das tat er: Irgendwann sickerte nämlich durch, dass es dem Hertha-Management gelungen war, kurzfristig ein Privatflugzeug zu chartern. Immerhin, dachte so mancher Fan wohl, kommt die Mannschaft noch nach Portugal. Aber dann kam es anders.
Sportdirektor Benjamin Weber, der gemeinsam mit Cheftrainer Stefan Leitl mit vielen Fans am Gepäckband ins Gespräch gekommen war, entwickelte eine Idee. Wenn man eh ein Flugzeug mieten muss, warum dann nicht alle Plätze darin besetzen? Dominik Lassahn: „Es ging dann Schlag auf Schlag. Innerhalb kurzer Zeit saßen wir auch in der Maschine. In der Charter-Maschine saß die Mannschaft dann vorne und ab Reihe 18 nur Fans. Es wurden jetzt keine Hertha-Lieder oder so gesungen. Nach acht Stunden am Flughafen waren alle fertig und einfach dankbar, dass wir noch in Portugal ankommen können.“ Die Fans seien dafür sehr dankbar gewesen – und um ein unvergessliches Erlebnis reicher.
Bleibt die Frage, wie sinnvoll die Reise insgesamt gewesen ist. Hertha-Legende Axel Kruse ist da spektisch: „Zum einen ist es natürlich ein Vorteil – tolle Bedingungen, schönes Wetter, tolle Hotels. Aber wenn Du wiederkommst, hast Du schlechtes Wetter, schlechte Platzverhältnisse, auf denen Du dann natürlich auch spielen musst.“ Dafür schweißt die gemeinsame Zeit zusammen, erst recht, wenn Fans mitreisen und eine ganz besondere Atmosphäre schaffen – ehrlicherweise liegt darum vermutlich gerade das wesentliche Argument für die Winter-Reise.
