Eigentlich sollte Werder Bremen gestern gegen die TSG Hoffenheim spielen. Weserstadion, ausverkauft, mit allem drum und dran. Und mit allem drum und dran meint damit auch zehntausende Liter Bier und anderer Getränke sowie zehntausende Speisen, die dabei über die Theke gewandert wären. Klar, Getränke halten sich. Aber einige der Speisen wurden extra für das Spiel bereits frisch zubereitet. Eine Spielabsage in der Bundesliga kann neben Stress für Vereine, Spieler und Fans also auch das bedeuten: Eine riesige Lebensmittelverschwendung.
Doch beim SV Werder Bremen haben sie dafür gemeinsam mit ihrem Cateringpartner eine ziemlich sympathische Lösung gefunden. Die frisch hergestellten Speisen werden von Werder und Supreme Sports Hospitality an die Bremer Suppenengel weitergegeben. Seit 1997 versorgen die Suppenengel in der Hansestadt Bedürftige mit Essen und organisieren vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe. Mittlerweile erreicht der gemeinnützige und mildtätige Verein „Die Bremer Suppenengel e.V.“ mit speziellen Lastenfahrrädern weit über 200 Personen für eine frisch gekochte Suppe, belegte Brote, frische Salate und Kaffee. Die Weitergabe an die Bremer Suppenengel bot darum eine naheliegende und sinnvolle Möglichkeit: Die Lebensmittel können nun noch am Wochenende genutzt werden und kommen bedürftigen Menschen in Bremen zugute. Gespendet wurden vielfältige frisch zubereitete Vor-, Haupt- und Nachspeisen, darunter auch vegetarische und vegane Alternativen, sodass ein abwechslungsreiches Menü von herzhaft bis süß an die Suppenengel weitergegeben werden konnte.
Mit den Suppenengeln arbeiten Werder und der Caterer dabei schon lange zusammen – und nicht nur bei Spielausfällen in der Bundesliga. Als Dank für das Engagement der Suppenengel wird einmal im Jahr ein Neujahrsempfang für die Mitarbeitenden des Vereins sowie bedürftige Menschen aus Bremen veranstaltet. In diesem Jahr schon zum elften Mal. Letztes Jahr folgten knapp einhundert wohnungslose Personen sowie 30 Mitarbeitende der Suppenengel der Einladung. Die Werder Geschäftsführung wurde dafür für einen Tag zu Kellner*innen: Unter anderem nahmen Clemens Fritz, Anne-Kathrin Laufmann und Tarek Brauer Getränkebestellungen auf, servierten Rouladen mit Spätzle und Rotkohl und blieben an den Tischen für das eine oder andere Gespräch. „Das war eine sehr emotionale und zugleich sinnstiftende Aufgabe heute, die noch dazu richtig viel Spaß gemacht hat“, sagte Anne-Kathrin Laufmann, Geschäftsführerin Sport und Nachhaltigkeit beim SV Werder Bremen. „Ich freue mich darüber, dass wir Menschen in wirklich schwierigen Lebenssituationen heute die Möglichkeit geboten haben, mal das Stadion zu erleben, bei uns zu Gast zu sein und ihnen mit Essen, Getränken und Gesprächen einfach eine unbeschwerte Zeit ermöglicht zu haben. Man hat gesehen, dass wir als Kolleginnen und Kollegen in dieser Aufgabe richtig aufgegangen sind.“ Auch eine Stadionführung gab es.
„Die Bremer Suppenengel leisten eine enorm wichtige soziale Arbeit in Bremen. Dass es in unserer Stadt Menschen gibt, die ohne Unterstützung keine warme Mahlzeit am Tag hätten, ist einerseits ein alarmierendes Signal, auf der anderen Seite zeigt die Arbeit der Suppenengel, welch großartiges ziviles Engagement es in unserer Gesellschaft gibt“, so Hubertus Hess-Grunewald, Werder-Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender. „Dieses Zusammenkommen berührt mich sehr, weil wir alle die Dankbarkeit spüren und sehen, wie Menschen einen Tag erleben können, an dem sie ein Stück weit respektvoller und würdevoller behandelt werden, als sie es häufig in ihrem Alltag erfahren.“ Entsprechende Veranstaltungen organisieren natürlich auch andere Vereine – allen voran Frank Zander bei Hertha BSC Berlin.
Und auch über die sich verändernde Stadiongastronomie hat FanLeben.de hier bereits berichtet. Aber dass die vorbereiteten Lebensmittel für das Werder-Spiel am Wochenende trotz Spielausfalls noch sinnvoll genutzt werden konnten, ist doch einfach eine gute Nachricht. Schön, dass das geklappt hat!
