Josh Cavallo  ist einer der ganz wenigen Männer im Spitzen-Fußball, der sich getraut hat, seine Liebe zum eigenen Geschlecht öffentlich zu machen.

Im Oktober 2021 war das. Und Cavallos Coming-out ging – wie erwartet – um die Welt.

Doch es verfolgt ihn auch bis heute.

„Es gibt immer noch viele, viele, viele Morddrohungen, die täglich auf mich einprasseln“, sagt Josh Cavallo. Die Fussball-Welt sei ein „sehr toxischen Ort für jemanden, der offen schwul“ sei. Das ernüchternde Fazit: „Ich denke, wir sind noch sehr, sehr weit davon entfernt, akzeptiert zu werden.“

Cavallo hatte sich mit 21 Jahren geoutet. Heute wünscht er sich trotz allem, er wären diesen Schritt noch früher gegangen. Warum? „Ich hatte es satt, mich zu verstecken und nicht mein wahres Ich zu leben.“

Und dennoch: Er habe sich damals gefragt, weshalb sich im Fußball praktisch niemand oute, erinnert sich Josh Cavallo. „Wenn ich jetzt zurückblicke, dann verstehe ich es.“ Denn nicht jeder könne mit den Folgen eines Coming-outs umgehen. „Es bringt Aufmerksamkeit mit, Druck und Negativität, was sich langfristig aufs Spiel auswirken kann.“ Deshalb sei es schwierig, anderen zu sagen, sie sollten sich öffnen. „Es bringt einen Berg von Nachteilen mit sich, die die Leute, glaube ich, gar nicht erkennen.“ Er sei froh, könne er auf ein gutes Umfeld zählen.

Doch wie hat eigentlich sein damaliger Klub, Adelaide United, auf das Outing reagiert. Heute ist Josh Cavallo überzeugt: Katastrophal schlecht. Cavallo ist überzeugt, wegen seiner Homosexualität aus dem Team gedrängt worden zu sein. Auf Instagram schreibt er: „Unter der neuen Führung wurde deutlich, dass ich aus politischen Gründen nicht mehr auf dem Platz stehen durfte. Es war schwer zu akzeptieren, dass mein eigener Verein homophob war.“ Und weiter: „Ich war wütend, weil man dachte, ich würde wegen Verletzungen nicht spielen, dabei war es in Wirklichkeit die interne Homophobie, die mich auf die Bank setzte.“ Seine Leistungen im Training seien „ständig ignoriert“ worden.

Adelaide United bestreitet das. Das Franchise weise „jeglicher Andeutung, Adelaide United sei homophob, entschieden zurück„, heißt es in dem Statement: „Alle Entscheidungen bezüglich der Mannschaftsaufstellung werden ausschließlich auf sportlicher Grundlage getroffen.“

Cavalloh ist trotzdem froh, da weg zu sein. Es seien vor seinem Abschied im vergangenen Sommer zum englischen Club Peterborough Sports Entscheidungen getroffen worden von Leuten in Machtpositionen, „die meine Chancen blockiert haben, nicht wegen meines Talents, sondern wegen meiner sexuellen Orientierung“, schrieb Cavallo. „Als ich dann noch in einem Gruppenchat sah, wie sich Teamkollegen über ein Foto von mir und meinem Partner lustig machten, verschlimmerte das den Schmerz nur noch.“

Inzwischen spielt der Linksverteidiger im unterklassigen englischen Fußball. „Dieser Neuanfang in Großbritannien hat mir geholfen, wieder aufatmen zu können, und ich hoffe, ich kann die Liebe zu diesem Sport, der mir so viel bedeutet, wiederentdecken“, schreibt Cavallo, der inzwischen übrigens glücklich verlobt ist.

Immer wieder gibt es – auch im deutschen Profifußball – Initiativen, die schwule Fußballer zum Coming-out fast schon auffordern, mindestens aber ermutigen wollen. Wenn man Geschichten wie die von Josh Cavallo liest, versteht man, warum sie bislang immer verpufften. Und das Ziel sind ja auch keine groß angelegten Coming-outs, mit denen auch Heterosexuelle ihre Toleranz feiern können, sondern ein Fußball, in dem einfach jeder so sein kann, wie er ist. Immer. Einfach so.

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Von admin