Die deutsche Torhüterin Rafaela Borggräfe ist beim FC Liverpool für sechs Spiele gesperrt worden. Die ehemalige Torfrau des SC Freiburg wurde vom englischen Verband FA wegen rassistischer Äußerungen aus dem Verkehr gezogen, schreibt der Guardian. Fünf der sechs Spiele hat die 25-Jährige bereits abgesessen. Borggräfe soll als Teil ihrer Strafe auch zur Teilnahme an einem „Erziehungsprogramm“ verpflichtet worden sein – auf einen Einspruch verzichtete die bis dahin angehende Nationalspielerin wohl.
Das Besondere: Es war der FC Liverpool selbst, der eine Prüfung des Vorfalls bei der FA beantragte. Borggräfe soll sich bei einem internen Fotoshooting rassistisch über die Hautfarbe einer anderen Person geäußert haben. Der FC Liverpool hätte den Vorfall also auch vertuschen können, entschied sich aber bewusst dafür, ihn erst intern aufzuklären und dann sogar an die FA weiterzuleiten. Weil sie Rassismus konsequent bekämpfen wollen – auch wenn es „Rückschläge“ für die eigenen sportlichen Ambitionen bedeutet. Das verdient Respekt.
Gareth Taylor, Trainer der Liverpool-Frauen, erklärt: „Wir haben eine kleine Aktualisierung der Situation, da der Fußballverband nun seine gründliche Untersuchung abgeschlossen hat. Er hat die Spielerin mit einer Sperre von sechs Spielen belegt.“ Mannschaft und Verein hätten „angemessen“ auf den Vorfall reagiert. „Ich muss sagen, dass sich die Sache ein wenig hingezogen hat. Ich denke, das war für alle Beteiligten frustrierend, insbesondere für Rafa.“ Die Spielerin selbst hat sich bislang nicht öffentlich geäußert.
Aber genau das muss noch folgen. Denn klar sollte auch sein: Solange Rafaela Borggräfe ihr Verhalten nicht erklärt und aufarbeitet, solange sie sich nicht glaubwürdig von rassistischen Denkmustern distanziert und sich entschuligt, darf eine weitere Nominierung für die Nationalmannschaft kein Thema sein.
Das Vorgehen des FC Liverpool sollte jedenfalls Schule machen: Rassismus benennen und konsequent ahnden. Damit der Fußball immer mehr zum Safespace für alle anderen wird.
