„Der eine oder andere in meinem Umfeld hat gemeint, ich sei verrückt, als es hieß, ich könnte zum FC Schalke 04 wechseln – aber verrückt bin ich definitiv nicht. Andere wiederum waren ebenso wie ich Feuer und Flamme. Ich wollte trotz mehrerer Optionen von Anfang an nur hierhin, bin mit dem Herzen dabei und stehe zu 100 Prozent hinter meiner Entscheidung. Niemand musste mich überreden oder überzeugen – ich war es, der zum FC Schalke 04 wechseln wollte und vor einiger Zeit auch den ersten Kontakt gesucht hat“, mit diesen Worten stellte sich Edin Dzeko gestern beim FC Schalke 04 vor. Und überraschte damit durchaus. Denn nicht nur, dass Dzeko bei seinem vorherigen Verein, dem AC Florenz, mehr als das dreifache verdient haben soll, selbst wenn er aufgrund seiner sporadischen Einsatzzeiten in Italien einen Wechsel proaktiv forciert hätte, schien es nicht für wenige Fußballfans so, als dass es logischere Stationen gegeben hätte: Allen voran den französischen Erstliga-Klub FC Paris, der teilweise zum Red-Bull-Kosmos, über den FanLeben.de hier berichtet hat, gehört, bei dem er auch eine bessere Aussicht auf Spielzeit gehabt und ziemlich sicher mehr verdient hätte. Edin Dzeko zu Schalke 04? Noch vor 48 Stunden haben das viele Fußball-Fans als nostalgische Spinnerei abgetan.

Wieso es trotzdem passiert ist? Der Stürmer selbst erklärt es so: „Aus meiner Zeit beim VfL Wolfsburg weiß ich, was Schalke bedeutet: geiler Verein, geile Fans, geiles Stadion. Nun freue ich mich, selbst ein Teil des Clubs zu sein.“ Und weiter: „Ich habe mich in den vergangenen Tagen und Wochen häufig mit Nikola Katic und Miron Muslic ausgetauscht. Miron ist noch ein junger Trainer, der gezeigt hat, was er kann. Er gibt der Mannschaft viel Energie. Dazu hatte ich mehrfach Kontakt zu Sead Kolasinac, der mir ebenfalls nur Positives berichtet hat. Der Austausch mit Frank Baumann hat mich ebenfalls in meiner Entscheidung bestärkt, auch Nationaltrainer Sergej Barbarez und sein Assistent Zlatan Bajramovic, der ebenfalls eine Schalker Vergangenheit hat, haben sehr positiv über den Verein gesprochen. Einige meiner bisherigen Mitspieler in Florenz habe ich ebenfalls eingeweiht. Robin Gosens meinte direkt, dass ich unbedingt zu Schalke wechseln müsse. Das sei einfach ein geiler Club!“ Koasinac sei zudem einer der ersten gewesen, der sich ein Dzeko-Trikot im Schalke-Shop bestellt hat. Edin Dzeko, so viel steht mit dem Wechsel jedenfalls fest, hat auch mit bald 40 Jahren noch sportliche Ambitionen: Deutscher Meister ist er, Bundesliga-Torschützenkönig auch, die Bundesliga-Rückkehr mit einem bedeutenden Traditionsverein fehlt ihm noch in der Vita und wäre ein echtes Ausrufezeichen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Dzeko gerade im Falle des sportlichen Erfolges, ein Top-Verdiener bei den Knappen werden kann: Jedes Tor, das er schießt, soll extra vergütet werden, wenn der Aufstieg, wonach es aktuell durchaus aussieht, gelingt, wartet zudem eine Millionen-Prämie.

Und für die schuftet er seit seiner Ankunft in Gelsenkirchen. „Hinter mir liegen ereignisreiche Stunden: Medizincheck, Vertragsunterzeichnung, einige Medienproduktionen, das erste Kennenlernen mit der Mannschaft, eine individuelle Trainingseinheit, dazu jetzt diese Pressekonferenz. Ich bin ein bisschen müde, aber gleichzeitig auch glücklich, dass ich jetzt auf Schalke bin und wir ab morgen gemeinsam loslegen können.“ Und schon am Sonntag gegen Kaiserslautern könnte der Torjäger dann in der 2. Bundesliga debütieren: „Eine Kadernominierung ist möglich, aber endgültig haben wir noch nicht darüber gesprochen. Ich werde am Freitag das erste Mal mit der Mannschaft trainieren, danach werden der Coach und ich uns besprechen. Es geht nicht um mich, sondern darum, was das Beste für Schalke ist. Ich glaube, dass ich keine Anlaufzeit benötige. Ich habe schon viel gesehen und erlebt in meiner Karriere, kenne verschiedene Spielstile und Systeme. Fit fühle ich mich auf jeden Fall.“ Gerade auch Trainer Muslic soll vom Dzeko-Transfer und seiner Erfahrung profitieren. Mit Dzeko bekommt der junge Trainer den erfahrensten Spieler der 2. Bundesliga und damit einen weiteren wertvollen Reflexionspartner für Mannschaftsführung, Spielgestaltung und alles drum herum.

Edin Dzeko blickt unter anderem auf 279 Spiele in der italienischen Serie A (107 Tore) für Inter, die AS Rom und eben Florenz, 130 Spiele in der englischen Premier League (50 Tore) für Manchester City, 111 Bundesliga-Spiele (60 Tore) für den VfL Wolfsburg und 71 Spiele in der Süper Lig (35 Tore) zurück. Hinzu kommen 75 Champions League Spiele mit 29 Toren und 51 Europa League Spiele mit 24 Toren. Dabei wichtig: Dzeko ist nicht nur Vollstrecker – gerade in der Champions League (15 Mal) und der Europa League (11 Mal) überzeugte er auch als Vorlagengeber. Zuletzt spielte er bis Sommer bei Fenerbahçe Istanbul sogar häufig als 10er. Krasser wird es in der 2. Liga nicht.

Im Sommer hatte Edin Dzeko wohl auch Mega-Offerten aus der Fußball-Wüste – er entschied sich noch einmal für eine Top fünf Liga. Und auch wenn es in Florenz nicht passte: Dass er sich nun wieder für ein spannendes Fußballprojekt mit Traditionsvereinsnostalgie und gegen Retortenklubs oder Oligarchen-Kohle entschieden hat, ist einfach eine richtig starke Geschichte. Hoffen wir, dass sie – vielleicht ja mit dem Königsblauen-Aufstieg, möglichst viele Nachahmer inspiriert.

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Von admin