Keine Zuschauer*innen, nur sechs Spiele im Jahr und kein Rückzug der zweiten Mannschaften aus der Regionalliga: Ja, die DFL kündigt eine eigene U21-Liga an, aber es wird wirklich nur eine light Version. FanLeben.de erklärt, was vorgesehen ist und wo die Probleme liegen.
Das DFL-Präsidium will auf der Mitgliederversammlung am 3. März die Verankerung einer Spielordnung für eine neue U21-Liga beantragen, über die die 36 Profiklubs abstimmen müssen. Der Vorschlag wurde von der sogenannten „Expertenkommission“, der unter anderem Jürgen Klopp und Sami Khedira angehören, erarbeitet. Wird der Vorschlag angenommen, soll die U21-Liga schon zur Saison 2026/27 an den Start gehen. Die Teilnahme an dem neuen Wettbewerb soll freiwillig sein. Bis zum 15. Juni hätten die Vereine demnach Zeit, sich für die erste Halbserie von August bis Dezember anzumelden. Stichtag für die zweite Halbserie wäre der 15. Januar. Die Halbserien einer Saison werden, wie es auch oft in Südamerika mit Apertura und Clausura vorkommt, separat gewertet. Im Anschluss soll ein Final-Four-Turnier der jeweils besten zwei Teams stattfinden. In einer Halbserie soll jeder Teilnehmer aber nur mindestens sechs Partien gegen unterschiedliche Gegner austragen, optional können mehr Duelle wahrgenommen werden. Um Reisekosten zu minimieren, sollen die Spiele im Umkreis von maximal 250 Kilometern stattfinden. Möglich sollen sogar neutrale Spielorte sein, wenn die Städte weiter auseinanderliegen. Zuschauer*innen sollen darüber hinaus auch nicht zugelassen werden, um die Organisation zu vereinfachen. Beim Final-Four-Turnier könnte dies jedoch anders aussehen.
Um den Vereinen größtmögliche Flexibilität zu bieten, sollen die Kader erst am Vorabend der jeweiligen Spiele gemeldet werden müssen. Damit möglichst viele Talente zum Zug kommen können, soll es bei der Zahl der Auswechslungen keine Begrenzung geben. Außerdem dürften auch vier ältere Spieler pro Verein auflaufen. So könnten sich die Talente mit gestandenen Profis messen, die wiederum etwa nach einer Verletzung in der U21-Liga Spielpraxis sammeln könnten. Der neue Wettbewerb ist dabei aber explizit nicht als Ersatz für zweite Mannschaften gedacht, sondern ein Zusatz. Die Reserven der Profivereine sollen vorerst im normalen Ligabetrieb verbleiben. Profitieren würden darum vor allem Klubs wie RB Leipzig, Bayer Leverkusen oder der VfL Wolfsburg, die nicht mehr über eine zweite Mannschaft verfügen.
Sechs Spiele pro Halbjahr – eine nachhaltige Entwicklung von Spielern und Mannschaften ist so aber natürlich trotzdem nicht möglich. Dass Fans ausgeschlossen werden sollen, hilft den Talenten dabei auch nicht, denn gerade das Spielen vor Fans, was ja eine wesentliche Veränderung zu den Nachwuchsmannschaften darstellt, kann dann ja nicht geübt werden.
Das größte Problem ist aber, dass die U21-Mannschaften nicht aus den Regionalligen in die neue Nachwuchsliga wechseln sollen. Damit bleibt das Gedränge in den Regionalligen weiterhin hoch, Aufstiege aus dem Nadelöhr zum Profifußball bleiben somit extrem schwierig. Hinzu kommt, dass Amateurmannschaften im normalen Ligabetrieb eher wenig Zuschauer*innen ansprichen – in einer Nachwuchsliga, in der es häufig die „kleine Variante“ großer Derbys oder von Prestigeduellen geben würde, wäre das gegebenenfalls anders – was für die Amateurvereine eine zusätzliche Belastung darstellt, da wichtige Einnahmen aus dem Ticketing fehlen.
Kurzum: Der Vorschlag der DFL wirkt wie ein halbgarer Start in das Vorhaben eine eigene Nachwuchsliga aufzubauen. Die Verantwortlichen können sich offenbar nicht zu einer Entscheidung für oder gegen eine U21-Liga durchringen und suchen deswegen nach einem Mittelweg. Der aber produziert eine Menge Verlierer*innen und lässt in einer möglichen Evaluation kaum Rückschlüsse darüber zu, ob eine echte U21-Liga sinnvoll wäre oder nicht. Was es stattdessen bräuchte: Eine tatsächliche und konsequente Entscheidung. Doch die wird höchstens in zwei, drei Jahren fallen, wenn dieses neue Modell erprobt ist.
