Die FIFA hat sich in dieser Woche mit Reformen im Frauen-Fußball beschäfigt. Eine Expert*innengruppe um die FIFA-Direktorin für Frauen-Fußball Jill Ellis hat dabei organisationspolitische Reformen erarbeitet: Ab diesem Sommer müssen demnach alle Teams, die an FIFA-Frauenwettbewerben teilnehmen, sicherstellen, dass mindestens eine Frau als Chef- oder Co-Trainerin in der Verantwortung ist, dass mindestens ein Mitglied des medizinischen Stabs weiblich ist und dass mindestens zwei der auf der Mannschaftsbank sitzenden Offiziellen Frauen sind. Dies gilt für alle Jugend- und Erwachsenenturniere sowie Nationalteam- und Klubwettbewerbe.

Die Regelung, die vom FIFA-Rat bei einer Sitzung am Donnerstag, 19. März, dann auch verabschiedet wurde, kommt erstmals bei der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft im September in Polen zur Anwendung, danach auch bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft und dem FIFA-Meisterpokal der Frauen, die ebenfalls in diesem Jahr stattfinden. Die Regelung gilt auch für die grösste Frauensportveranstaltung der Welt, der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft, die 2027 in Brasilien ausgetragen wird, teilte die FIFA selbst im Anschluss mit.

Der DFB erfüllt die neuen Anforderungen dabei schon heute. Zwar trainiert Christian Wück die A-Nationalmannschaft. Mit Maren Meinert und Saskia Bartusiak gehören jedoch zwei Assistenztrainerinnen zu seinem Stab. Auch die weiteren Auswahlmannschaften erfüllen die Bedingungen. Mit Michael Urbansky trainiert allerdings auch die älteste Nachwuchsmannschaft ein Mann. Die weiteren Nachwuchsmannschaften werden hingegen unter anderem von Kerstin Garnefrekes und Melanie Behringer verantwortet.

Jill Ellis, die als Cheftrainerin unter anderem mit der US-Nationalmannschaft selbst zwei Mal Weltmeisterin geworden ist, zeigte sich zufrieden und erklärte ihre Reforminitiative dabei so: „Es gibt schlicht nicht genug Trainerinnen. Wir müssen mehr unternehmen, um klare Perspektiven zu schaffen, mehr Chancen zu bieten und die Sichtbarkeit von Frauen an der Seitenlinie zu verbessern.“ Das ist in der Tat bitter nötigt, denn trotz des weltweiten Wachstums des Frauenfussballs werden Trainerposten nach wie vor überwiegend von Männern besetzt. Bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023 waren so zum Beispiel erst zwölf der insgesamt 32 Cheftrainer*innen Frauen.

Die FIFA setzt darum auch auf Mentoring- und Ausbildungsprogramme sowie die finanzielle Förderung ihrer Mitgliedsverbände beim Ausbau der Strukturen im Frauenfußball, heißt es vom Weltverband. Konkret habe die FIFA seit 2021 m Rahmen ihres Stipendienprogramms 795 Trainerinnen in 73 FIFA-Mitgliedsverbänden unterstützt und ihnen so Zugang zu Weiterbildungen und Karrierechancen verschafft.

„Wenn sich junge Frauen für den Trainerberuf entscheiden, müssen sie erkennen, welche Perspektiven möglich sind“, findet auch die Trainerin von Werder Bremen, Fritzy Kromp. „Diese ganz großen Vorbilder gibt es leider immer noch zu wenig.“ In der Bundesliga stehen mit Eva-Maria Virsinger (TSG Hoffenheim), Fritzy Kromp (Werder Bremen), Heleen Jaques (SGS Essen), Britta Carlson (1. FC Köln), Ailien Poese (1. FC Union Berlin) und Liese Brancao (Hamburger SV) aktuell sechs Cheftrainerinnen an der Seitenlinie, ihnen gegenüber stehen acht Männer – unter anderem der FC Bayern und der VfL Wolfsburg, die sich Meisterschaften und Pokalsiege seit Jahren aufteilen, werden dabei nach wie vor von Männern trainiert. Dennoch ist die Tendenz positiv.

Kromp sieht bei strukturellen Veränderungen darum auch vor allem die Nationalmannschaften in der Pflicht: „Vor allem Nationalverbände besitzen in diesem Zusammenhang eine enorme Vorbildfunktion und haben damit auch eine besondere Verantwortung, fraun in entsprechende Rollen zu bringen und dadurch sichtbar zu machen. Diese Regelung ist dafür sehr bedeutend und aus meiner Sicht der nächste logische Schritt.“

Eine sinnvolle Initiative der FIFA – das ist zumindest mal erwähnenswert.

Unser Newsletter: 1x die Woche exklusive Inhalte kostenlos in Dein Postfach holen:

Von admin