Die Chicago Bulls haben sich von Jaden Ivey getrennt, nachdem dieser in einem Livestream negativ über die LGBTQIA-Bewegung gesprochen hatte. „Die Chicago Bulls haben heute bekanntgegeben, dass das Team Guard Jaden Ivey aufgrund von teamschädigendem Verhalten entlassen hat“, hieß es in der kurzen Mitteilung des NBA-Teams.

Und darum geht es: „Sie verkünden den Pride Month in der NBA“, hatte Ivey nach Angaben von mehreren US-Medien in dem ursprünglich auf seinem Instagram-Kanal veröffentlichten Livestream gesagt. „Sie verkünden ihn. Sie zeigen es der Welt. Sie sagen: Kommt zu uns für Pride, für den Pride Month, um Unrecht zu feiern. Sie verkünden es. Sie verkünden es auf den Werbetafeln. Sie verkünden es auf den Straßen. Unrecht. Wie kann es dann sein, dass jemand nicht über Gerechtigkeit sprechen kann? Wie können sie sagen, dass dieser Mann verrückt ist?“ Der von Ivey genutzte englische Begriff „unrighteousness“ kann in Bibelkontext auch als „Sündhaftigkeit“ oder „Missetat“ übersetzt werden. In dem 75-minütigen Stream hatte er zudem auch den Katholizismus als „falsche Religion“ bezeichnet, die nicht zur „Erlösung in Jesus Christus“ führen würde. Na dann.

Hintergrund: Der Pride-Monat wird im Juni begangen, angelehnt an das Jubiläum des Stonewall-Aufstands Ende des Monats 1969. Die NBA-Saison ist dann bereits in den Finals und es sind nur noch zwei Teams aktiv. Viele Mannschaften wollen aber dennoch sichtbare Zeichen setzen und veranstalten aus diesem Grund früher in der Saison sogenannte Pride Nights oder machen an einzelnen Spieltagen Aktionen, um ihre Solidarität und Unterstützung für queere Menschen zu zeigen – was Ivey nicht gefällt.

Stunden nach der Entscheidung ging Ivey erneut live und sprach in einem weiteren Stream über seinen Glauben. Die Meisterringe von Michael Jordan und LeBron James seien „am Tag des jüngsten Gerichts“ nichts wert, behauptete er darin. Und weiter: Es habe nicht an ihm gelegen, dass er entlassen worden sei, sagte er. Bulls-Trainer Billy Donovan äußerte sich vor dem 114:129 gegen die San Antonio Spurs zur Trennung von Ivey. Bei den Bulls arbeiteten Menschen „aus allen Bereichen“, sagte er. „Jeder hat seine eigenen persönlichen Erfahrungen. Aber wir müssen alle professionell sein. Es muss ein hohes Maß an Respekt geben füreinander, wir müssen einander helfen und diesen Anforderungen gerecht werden.“ Donovan sagte, er wolle die Äußerungen seines Ex-Spielers nicht explizit kommentieren. „Aber ich hoffe, es geht ihm gut.“

Ivey ist derzeit verletzt und sollte in dieser Saison nicht mehr zum Einsatz kommen. Die Bulls hatten ihn ohnehin erst am 3. Februar durch ein Tauschgeschäft mit den Detroit Pistons verpflichtet. Wegen Schmerzen stand er aber seit dem 11. Februar nicht mehr auf dem Platz. Er hat darum insgesamt nur vier Partien für Chicago absolviert. Wo es für ihn weitergehen wird, ist unklar.

Die klare Haltung der Bulls unterstreicht dabei die Bedeutung des Pride Month sowie von Pride Nights in der NBA. Hätte das Franchise die queerfeindlichen Aussagen seines Spielers ignoriert, das eigene Engagement hätte sich als Pinkwahsing, also als die Nutzung von Solidaritätsaktionen zur besseren Vermarktung eines Unternehmens, enttarnt. So aber zeigt der Klub aus Chicago, dass er tatsächlich ein sicherer und unterstützender Ort für seine queeren Fans sein will. Keine Form von Menschenfeindlichkeit darf unkommentiert stehen bleiben. Diese Haltung ist umso wichtiger in einer Zeit, in der die Rechte der LGTBQIA-Gemeinschaft in den USA jeden Tag bedroht werden – insbesondere von einer rechtsradikalen Regierung, deren Macht auch auf einen engen Schulterschluss mit radikalen Evangelikalen, denen auch Ivey anzugehören scheint, fußt.

Das Engagement der NBA-Teams für Selbstbestimmung steht im USA-Sport dabei nicht alleine da. Beim Superbowl im Februar lieferte die NFL zum Beispiel eine riesige Anti-Trump-Show, über die FanLeben.de hier berichtet hat. Aus deutscher Sicht, wo Basketball und Fußball – nun ja – etwas populärer als Football ist, stellen sich darum jetzt zwei Fragen:

Wenn es selbst NBA und NFL, die dem Trump-Regime als amerikanische Unternehmen ja unmittelbar ausgesetzt sind, es schaffen, ihm engagiert entgegen zu treten – wieso in aller Welt kriegt die FIFA das dann nicht hin?

Und vor allem: Wieso nehmen wir das hin?

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Von admin