Tennisbälle auf dem Rasen. Ein nur zu bekanntes Bild aus der Bundesliga wiederholte sich für viele Fans des VfB Stuttgarts beim Europa League Spiel gestern Abend bei Celtic Glasgow. Die Celtic-Fans erzwangen auf diese Weise gestern eine knapp fünfminütige Spielunterbrechung gleich zu Beginn des Spiels.
Hintergrund der Proteste: Die Celtic-Fans sind mächtig sauer auf ihre Vereinsführung. Der konkrete Anlass für die jüngsten Aktionen ist laut mehreren übereinstimmenden Berichten die Wahrnehmung, dass Celtic trotz sportlicher Dominanz in Schottland zu wenig konsequent „aus einer Position der Stärke“ investiert, wie es in einer Erklärung der Fans hieß, und strategisch zu wenig tut, um in Europa voranzukommen – sowohl in der Transferpolitik („spend more/spend bette“) als auch bei clubinternen Prioritäten.
Celtic, das ist wichtig zu wissen, ist dabei ein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen und eben kein klassischer Fußballverein, wie wir sie aus Deutschland kennen. Großaktionäre wie Dermot Desmond bestimmen, nicht die Fans. Und so steht aus Dermot Desmond im Fokus der Fankritik. Desmond, so die Fans, zahle sich immer wieder satte Dividenden aus, Celtic müsse sogar Überschüsse erwirtschaften, aber nicht um Sicherheiten aufzubauen oder strategische Investitionen ins Umfeld tätigen zu können, sondern um die Kapitalinteressen des Eigentümers zu befriedigen. Das aber gehe zu Lasten der sportlichen Entwicklung. Celtic liegt heute auch nur noch auf Platz drei der Tabelle, drei Punkte hinter Heart of Midlothian, zwei hinter den Rangers. Allerdings hat Celtic auch ein Spiel weniger absolviert.
Die Tennisball-Aktionen sind dabei ein bewusstes Protestmittel, um, wie ja auch geschehen, eine TV-wirksame Spielunterbrechung zu erzwingen und den Druck auf die Klubspitze zu erhöhen. Sky Sports beschreibt das explizit als Protest „at the club’s owners“ beziehungsweise gegen die Führung. Kein neues Thema, wie eine ähnliche Fanerklärung aus dem Oktober 2025 dokumentiert: Eine Fan-Gruppe namens Celtic Fans Collective bewarb damals die Kampagne „Not Another Penny“, die unter anderem Boykotte von Merchandising, Stadiontouren und Club-Events sowie Verzicht auf Konsum im Stadion propagierte, auch hier werden in der zugehörigen Berichterstattung als Motive das häufig frühe Scheitern in Europa und Kritik an einer als rückständig empfundenen Transferstrategie genannt.
Bei den Verantwortlichen stoßen die Celtic-Fans mit ihrem drastischen Protest dabei auf taube Ohren. Martin O’Neill, Celtic-Trainer, der gestern sein 1.000 Spiel als Profi-Trainer feierte, erklärte nach der Partie, welche die grün-weißen übrigens mit 1:4 verloren: „Irgendwann wird Celtic eine europäische Spitzenmannschaft sein. Das liegt aber in der Zukunft. Im Moment tragen wir andere Kämpfe aus.“ Bei der Entwicklung des Klubs würden die Fan-Proteste dabei aber nicht helfen: „Wer das für eine gute Idee hält, sollte sich mal am Kopf untersuchen lassen“, polterte er auf der Pressekonferenz: „Das steht außer Frage. Das sendet völlig falsche Signale aus. Wir spielen gegen Stuttgart. Das Spiel ist schon schwer genug.“ Sportliche Entwicklung, so die Botschaft, würde auf dem Platz entschieden, nicht auf den Rängen. Naja.
Der Celtic Park habe in seinen Augen durch die Proteste zudem an Magie verloren. „Das Problem ist, dass dieser Ort vor einigen Jahren einmal unglaublich einschüchternd war. Ich war dabei, als Mannschaften wie Juventus Angst hatten, hierher zu kommen. Als Spitzenmannschaften Angst hatten. So etwas ist überhaupt nicht hilfreich.“ Ein Team wie der VfB komme so „zu diesem wunderbaren Fußballverein und findet dort viele interne Streitigkeiten und Gegenstände auf dem Spielfeld vor. Das macht für mich keinen Sinn“, so O’Neill, der anfügte: „Wenn ich ein Spieler von Stuttgart wäre, würde ich mich in diesem Umfeld ziemlich wohl fühlen, wenn das der Fall wäre.“
Tennisball-Proteste sind dabei ein wiederkehrendes Protest-Mittel der Celtic-Fans. Zuletzt 2021 wurde damit gegen geplante Verschärfungen in der Sicherheitspolitik des Klubs protestiert.
Das Problem der Celtic-Fans ist also ziemlich offensichtlich: Fehlende Mitbestimmungsrechte bei wichtigen Klub-Entscheidungen. Aber noch richten sich die Fan-Proteste nur gegen einzelne Klub-Entscheidungen, nicht gegen die Eigentümerstruktur als solche. Mal schauen, wie lange noch.
