Manchmal schreibt der Fußball rund um einzelne Spiele ganz besondere Geschichten – absurd oder bewegend. Auf FanLeben.de rekonstruieren wir diese Geschichten und halten so die Erinnerung am Leben. Nachdem wir bislang über das Spiel Barbados und Grenada 1994, bei dem beide Mannschaft unbedingt ein Eigentor erzielen wolltendie Rückkehr von Erzgebirge Aue auf die internationale Bühneüber die tragische Geschichte der torreichste Begegnung aller Zeitenüber einen Schiedsrichter und seine Zahnprotheseüber die WM 1954 berichtet habenein kurioses Qualifikationsspiel zwischen Madagaskar und Mauritiusein Spie mit mehr als einem Ball berichtet habenein ziemlich überraschendes Toreinen Spielabbruch, von dem vor allem Rot-Sünder profitiertendie Erfindung der Strafkartendas Wetter in Kaiserslautern, darüber, wie aus einem Fußballstadion ein Foltergefängnis wurde, wie ein Fußballspiel zu einem Akt des Widerstands gegen Nazi-Deutschland wurde und eine der größten Stadion-Tragödien der Fußballgeschichte berichtet haben, geht es heute um einen Elfmeter, der Geschichte machte.

Am 3. September 2005 scheint für Usbekistan alles nach Plan zu laufen. Im Hinspiel der WM-Playoffs zur Weltmeisterschaft 2006 führt das Team in Taschkent gegen Bahrain mit 1:0. In der zweiten Halbzeit bekommt Usbekistan einen Elfmeter zugesprochen – die große Chance, den Vorsprung auszubauen. Der Schuss landet im Tor. Doch was folgt, gehört zu den ungewöhnlichsten Schiedsrichterentscheidungen der Fußballgeschichte.

Der japanische Schiedsrichter Toshimitsu Yoshida erkennt das Tor nicht an. Seine Begründung: Ein usbekischer Spieler sei zu früh in den Strafraum gelaufen. So weit, so regelkonform – doch statt den Elfmeter wiederholen zu lassen, entscheidet Yoshida auf Freistoß für Bahrain.

Bitte was?!

Eigentlich sind die Regeln eindeutig: Dringt ein Mitspieler des Schützen zu früh in den Strafraum ein und wird ein Tor erzielt, muss der Strafstoß wiederholt werden. Ein indirekter Freistoß für die verteidigende Mannschaft ist nur vorgesehen, wenn kein Tor fällt. So steht es im international gültigen Fußball-Regelwerk, dass das Internation Football Assosiation Board, kurz: IFAB, festgelegt hat – und zwar in Fußball-Regel 14: Strafstoß. Und das ist auch logisch: Ein irregulärer Treffer wäre ein unfairer Vorteil, er muss aberkannt und der Elfer in der Folge wiederholt werden. Wird bei der Strafstoß-Ausführung gegen eine Regel verstoßen und fällt – trotzdem – kein Tor, ist das Strafe genug und es kann mit Freistoß für die gegnerische Mannschaft weitergehen.

Kurzum: Schiedsrichter Yoshida erkannte zwar den Regelverstoß der usbekischen Mannschaft bei der Ausführung des Elfmeters, er legte aber die falsche Konsequenz an.

Usbekische Offizielle sprachen damals von einer „unverständlichen Entscheidung“ und einem „Fehler mit historischen Folgen“. Auch internationale Medien werteten den Vorfall als seltenes Beispiel dafür, dass nicht eine Tatsachenentscheidung, sondern eine falsche Regelauslegung ein Spiel entschied – ein entscheidender Unterschied im Fußballrecht.

Der usbekische Verband legte darum unmittelbar Protest ein – mit Erfolg. Die FIFA bestätigte, dass die Entscheidung regelwidrig war, und annullierte das gesamte Spiel. In einer Stellungnahme hieß es sinngemäß, der Schiedsrichter habe die Regeln „nicht korrekt angewendet“. Das komplette Spiel wurde also neu angesetzt und wiederholt. Eine seltende Entscheidung.

Bitter für Schiedsrichter Yoshida: Er durfte in diesem WM-Zyklus kein weiteres Spiel mehr leiten.

Bitter für Usbekistan: Beide Spiele gegen Bahrain endeten im Ergebnis unentschieden, das Heimspiel 0:0, das Auswärtsspiel 1:1 – deswegen schied man wegen der Auswärtstorregel aus.

Die Grenze der Tatsachenentscheidung. Ein Thema, das den Fußball immer wieder bestimmt.

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Von admin