„Ich denke, die Herausforderung besteht auch darin, mich in die Lage eines Anfängers zu versetzen, was mir sehr gefällt“, mit diesen Worten meldete sich Diego, ehemaliger Bundesliga-Star von Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg, auf der sportlichen Bühne zurück. Aber nicht als Fußball, der ehemalige Spielmacher läuft jetzt Ironmen. „Schwimmtechniken, Strategien sowohl für das Radfahren als auch für das Laufen. All das macht mich noch interessierter und neugieriger, es zu versuchen. Und auch, um meine Mentalität als Sportler weiterhin unter Beweis zu stellen.“
Aber schauen wir erst einmal zurück auf Diegos Spielerkarriere: Mit Santos FC wurde er 2002 brasilianischer Meister. Während seiner Zeit bei Werder Bremen gewann er 2009 den DFB-Pokal. Mit Atlético Madrid gewann er 2012 die UEFA Europa League. Seine erfolgreichste Phase an Titeln erlebte er später bei Flamengo Rio de Janiero: Dort gewann er 2019 sowohl die Copa Libertadores als auch erneut die brasilianische Meisterschaft, außerdem 2020 und 2021 den Supercopa do Brasil, 2019, 2020 und 2021 die Staatsmeisterschaft Campeonato Carioca sowie 2022 den Copa do Brasil und erneut die Copa Libertadores, die südamerikanische Campios League. Mit der brasilianischen Nationalmannschaft gewann Diego außerdem 2004 die Copa América und 2005 den FIFA Confederations Cup. Insgesamt absolvierte er 34 Länderspiele für die brasilianische Nationalmannschaft und erzielte dabei vier Tore. Allein in der Bundesliga kam er zudem auf beeindruckende 106 Torbeteiligungen in 161 Spielen.
Diego, der immerhin schon unter Felix Magath schwitzte, hat sich mit 40 Jahren nun also noch mal für eine neue sportliche Karriere entschieden. Wie kam es bitte dazu? „Ich habe einen Freund, der einen kompletten Ironman absolviert hat“, erzählte Diego weiter. „Er hat mir von dieser Herausforderung erzählt, von der Strategie, die dafür erforderlich ist, vom Training. Das hat mich gereizt, und seitdem, mit den letzten fünf Jahren meiner Karriere noch vor mir, habe ich angefangen, darüber nachzudenken, eines Tages auch selbst an diesem Wettkampf teilzunehmen.“
Und das mit Erfolg: Konkret hat Diego so den Ironman 70.3 in Rio de Janeiro absolviert, der aus einem Kilometer Schwimmen (die Distanz wurde aufgrund der Meeresbedingungen gegenüber den ursprünglichen 1,9 Kilometern verkürzt), 90 Kilometern Radfahren und 21,1 Kilometern Laufen bestand. Ein verkürzter Ironman also, die Distanzen eines kompletten Ironman wären hingegen 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen (also die Distanz eines Marathons). Aber hey: In dieser Sportart ist der ehemalige Fußballprofi ja auch noch ein Talent. Und klein schlechtes: Nach drei Monaten intensiver Vorbereitung, die er auf seinem Instagram-Profil dokumentierte, beendete er den Wettkampf mit einer Gesamtzeit von 4 Stunden und 47 Minuten. Der Weltrekord wird von Marten van Riel mit einer Zeit von 3:26:06 gehalten, den dieser 2022 in Dubai aufgestellt hat.
Diego, der – gerade als junger – Fußballer oft aneckte, etwa als er trotz eines Verbots seines damaligen Vereins Werder Bremen 2008 an den olympischen Spielen in Peking teilnahm oder 2012 das Mannschaftshotels des VfL Wolfsburg verließ, weil ihn Trainer Magath für den folgenden Spieltag nicht für die Startaufstellung nominierte, begeistert seine Fans dabei heute. Früher mit Dribblings, jetzt als Influencer. Mehr als sechs Millionen Fans bei Instagram, ein eigener Podcast und auch zu seinem Abschiedsspiel von der Fußball-Bühne kamen über 42.000 Fans in Bremer Weserstadion.
Mit seiner Familie, Diego ist seit 2010 mit seiner Frau verheiratet, obwohl er sie 2008 mit Sarah Connor betrogen hat, hat drei Kinder, lebt er heute wieder in Brasilien, in der Nähe von Sao Paulo, in einer eher ländlichen Gegend. Dort unterstützt er zudem soziale Projekte, die Kindern und Jugendlichen bessere Chancen ermöglichen sollen. Diese Initiativen konzentrieren sich unter anderem auf Bildungsangebote und Sportprogramme, die Jugendlichen Perspektiven geben und sie von Armut oder Kriminalität fernhalten können. Besonders durch Fußball sollen Gemeinschaft, Teamgeist und persönliche Entwicklung gefördert werden.
Diego zeigt sich so als wandelbar. Denn der ältere Fußballer Diego galt auch in seinen Vereinen als verlässlicher Führungsspieler und hielt schon während seiner Spielerkarriere regelmäßig Vorträge, in denen er über Disziplin, mentale Stärke und Verantwortung sprach. Dabei betonte er häufig, dass sportlicher Erfolg nicht nur von Talent abhängt, sondern auch von Charakter, harter Arbeit und Bildung. Vor allem jungen Fußballer*innen wollte er vermitteln, dass Profisportler eine Vorbildfunktion haben und ihre Bekanntheit nutzen sollten, um positive Werte zu fördern. Heute nutzt er auch seine immense Reichweite immer wieder um sich für Charity-Projekte einzusetzen.
Allerdings signalisierte Diego bei der Präsidentschaftswahl 2018 seine Unterstützung für den später wegen eines versuchten Staatsstreichs zu mehr als 27 Jahren Gefängnis verurteilten Jair Bolsonaro. Allerdings: Als dieser sich 2022 der Wiederwahl stellte, positionierte sich Diego nicht mehr für ihn.
Ob er in den Fußball zurückkehrt? Das hat Diego nie ausgeschlossen. Aber auch nie aktiv angestrebt. Viele Fans würde es freuen und es wäre spannend zu sehen, wie ein Trainer Diego seine Mannschaft spielen lassen oder ein Vereinsvorstand Diego seinen Klub führen würde.
Aber erst einmal scheint Diego auch so angekommen zu sein in seinem Leben. Vor allem aber hat man als Fan das Gefühl, ihn über all die Jahre Schritt für Schritt beim Ankommen und Erwachsen werden begleitet zu haben. Das ist darum vermutlich auch, was seine Faszination bis heute ausmacht. Auch weit über seine Spielerkarriere hinaus.
