Manchmal schreibt der Fußball rund um einzelne Spiele ganz besondere Geschichten – absurd oder bewegend. Auf FanLeben.de rekonstruieren wir diese Geschichten und halten so die Erinnerung am Leben. Nachdem wir bislang über das Spiel Barbados und Grenada 1994, bei dem beide Mannschaft unbedingt ein Eigentor erzielen wolltendie Rückkehr von Erzgebirge Aue auf die internationale Bühneüber die tragische Geschichte der torreichste Begegnung aller Zeitenüber einen Schiedsrichter und seine Zahnprotheseüber die WM 1954 berichtet habenein kurioses Qualifikationsspiel zwischen Madagaskar und Mauritius, ein Spie mit mehr als einem Ball berichtet haben, ein ziemlich überraschendes Tor, einen Spielabbruch, von dem vor allem Rot-Sünder profitierten, die Erfindung der Strafkarten und den Fritz-Walter-Nebel berichtet haben, geht es heute darum, wie Arsenal London und Sheffield United am 13. Feburar 1999 im FA Cup aufeinander trafen und Fair-Play-Geschichte schrieben. Definitiv erzählenswert!

Highbury, 76. Minute. Ein FA-Cup-Duell auf Messers Schneide, 1:1. Dann bleibt Sheffield-Stürmer Lee Morris verletzt liegen. Sheffield United macht das, was man im Fußball seit jeher als stilles Abkommen kennt: Der Ball wird ins Aus gespielt, damit Morris behandelt werden kann.

Aber was danach passiert, schreibt Fußballgeschichte.

Ein Einwurf, ein Missverständnis – und ein „gültiges“ Tor, das falsch schmeckte

Arsenal will den Ball nach der Behandlung fair zurückgeben. Ray Parlour wirft ihn – wie üblich – Richtung Sheffield-Hälfte, damit der Gegner ihn kontrolliert aufnehmen kann. Doch Arsenals Neuzugang Nwankwo Kanu interpretiert die Situation anders oder ist für einen Moment unaufmerksam: Er sprintet hinterher, holt den Ball noch vor dem Aus, also läuft das Spiel witer. Knau legt den Ball daraufhin quer und Marc Overmars schiebt ins leere Tor ein. 2:1.

Regeltechnisch ist das Tor nicht zu beanstanden. Emotional ist es pures Dynamit. Sheffield-Spieler protestieren, der Unmut kocht über, Trainer Steve Bruce ist außer sich. Die Partie endet – aber die Geschichte fängt erst an.

Wenger zieht die Reißleine: „…it is not the Arsenal way.“

Nach dem Spiel muss Arse Wenger wie immer zur Pressekonferenz. Auch dort sind die Gemüter erhitzt – und alle gegen Arsenal. Aber der Coach muss sich da natürlich trotzdem erklären. Und damit, was er sagt, überrascht er alle. Wenger erklärt Kanus Rolle als Missverständnis – und formuliert den Satz, der das Ereignis bis heute trägt:

We did not want to win a game like that, it is not the Arsenal way.

Arsenal bietet in Person von Arse Wenger deswegen ein Wiederholungsspiel an. Das Ergebnis von heute solle, so der Gunners-Trainer annuliert werden und beide Mannschaften noch einmal aufeinander treffen. Auch Sheffield Trainer Bruce, der Minuten zuvor noch am liebsten den Platz räumen lassen wollte, ist sichtlich überrascht, erkennt aber auch die Dimension des Angebots – und reagiert entsprechend:

Arsenal’s offer is the right one.

Die FA sagt Ja – „unprecedented“

Die Football Association reagiert mit ungewohnter Geschwindigkeit: Das 2:1 wird – wie von Arsenal gewollt – faktisch aus den Büchern genommen, das Spiel neu angesetzt. In zeitgenössischen Berichten ist von einer „unprecedented situation die Rede.

Ein FA-Sprecher, Steve Double, lobt den Schritt öffentlich:

Everybody welcomes the sporting gesture by Arsene Wenger.

Fair Play als offizieller Spielplanpunkt – so etwas hatte der englische Fußball kaum gesehen.

Sogar FIFA schaut hin – und warnt vor einem Präzedenzfall

Die Sache bleibt nicht national. Kurz vor dem Wiederholungstermin wird diskutiert, ob eine Neuansetzung „die Autorität der Schiedsrichter“ untergraben könnte. Der damalige FIFA-Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen betont dabei explizit:

Everyone is in agreement that no law was broken…

Gleichzeitig wird die Geste als fair-play-würdig beschrieben und als moralisch schwierige Lage eingeordnet. Trotzdem würde die FIFA das Wiederholungsspiel am liebsten verhindern, um keinen Präzidenzfall zu schaffen. Wofür bitte? Einen menschlichen Fußball. Der Weltverband scheitert mit seinem vorsichtigen Protest.

Am Ende findet die Wiederholung statt – und Arsenal gewinnt erneut: 2:1.

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Von admin