Es hat etwas von einem Krimi: Ein Mitarbeiter des 1. FC Kaiserslautern hat eine geheime Trainingseinheit des Karlsruher SC beobachtet. Heimlich, verdeckt, vielleicht durch eine Zeitung, in die er zwei Löcher hineingeschnitten hatte. Denn so gut kann der Mann in Spionage dann doch nicht sein.
Weil die Sache viel auf. Und zwar sofort. KSC-Trainer Christian Eichner berichtete in der Pressekonferenz vor dem Spiel zwischen beiden Mannschaften, einen Lauterer Spion beim Abschlusstraining seines Teams ausgemacht zu haben.
Und FCK-Trainer Thorsten Lieberknecht? Der bestätigte den Vorfall: „Gestern kam einer meiner Mitarbeiter auf mich zu, der Infos aus dem innersten Zirkel des KSC hatte, die uns vielleicht helfen könnten“, verriet der 52-Jährige nämlich.
Stolz über den gelungen Coup im CIA-Style? Mitnichten. Diese Geschichte ist keine eines sympathischen Kriminellen, sie handelt von Sportsgeist. Denn Lieberknecht fuhr ohne zu zögern fort, dass er besagten Mitarbeiter daraufhin „erstmal zusammengefaltet“ habe, „weil ich das hochgradig asozial auch meinem Trainerkollegen Christian Eichner gegenüber finde. Wenn das bei mir passieren würde, dass aus dem inneren Zirkel Informationen herauskommen, ich weiß nicht, was ich tun würde. Dieser Mitarbeiter weiß, dass er mit so etwas nicht mehr zu mir kommen braucht.“ Die mithin gewonnenen Erkenntnisse würden nicht genutzt.
Und das ist durchaus erwähnenswert. Denn wenn heute Mittag im natürlich ausverkauften Fritz-Walter-Stadion angepfiffen wird, wird der Betze mal wieder brennen, die Fans wären schließlich auch ohne diese kuriose Vorgeschichte heiß auf das Spiel – und das nicht nur, weil es ein tabellarisches Nachbarschaftsduell wird, es ist auch das Südwestderby; gerade mal knapp 90 Kilometer trennen Karlsruhe und Kaiserslautern voneinander.
Gerade das macht es so bemerkenswert, dass Lieberknecht der Versuchung widerstand, möglicherweise reizvolle Details aus der Spielvorbereitung des KSC exklusiv zu erfahren.
So geht Fair Play.
