Fußball bedeutet, „nicht nur auf dem Spielfeld, sondern in allen Bereichen des Lebens Verantwortung zu übernehmen, einen Mehrwert für die Gesellschaft zu schaffen und eine Quelle der Hoffnung für die Zukunft zu sein“. Klingt ein bisschen wie ein Ausschnitt aus einem FanLeben.de-Kommentar, der die FIFA oder Multi-Club-Investoren kritisiert. Es ist aber die Einleitung der aktuellen Pressemitteilung von Fenerbahçe Istanbul.
Und die hat es in sich: Der türkische Verein kündigt darin, eine weitreichende Reform der eigenen Transferstrategie an. Erarbeitet hat sie Devin Özek – auch wenn es bei ihr gar nicht in erster Linie um die Kaderplanung für das Spiel auf dem Rasen geht. Sondern eben die soziale Verantwortung, die Fenerbahçe, das als eine der bekanntesten Marken die Gesellschaft in der Türkei prägt und als Verein Millionen Menschen konkret bewegt, hat. Oder – wie es der Verein formuliert: „So wie Fenerbahçe in den Herzen von Millionen lebt, werden wir weiterhin Fenerbahçe im Leben jener Kinder sein, die ihre Zukunft mit Hoffnung aufbauen.“
In der Ankündigung heißt es dann konkret: „Ab sofort werden bei der Profimannschaft 1 % der Spielergehälter einem Förderprogramm zugeführt, das darauf abzielt, das Leben benachteiligter Kinder zu berühren und zu ihrer Bildung, Entwicklung und Zukunft beizutragen.“
Und weiter: „Transferverhandlungen mit neuen Spielern, die dieses Prinzip sozialer Verantwortung nicht mittragen und nicht bereit sind, einen Teil ihres Gehalts beizusteuern, werden nicht weiterverfolgt.“ Heißt: Will ein potenzieller neuer Spieler seine Reichweite als Fenerbahçe-Spieler nicht auch nutzen, um gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben, darf er nicht für Fenerbahçe spielen.
Nach Gesprächen mit den zuständigen Institutionen und Organisationen soll dieses Programm „nicht lediglich als Kampagne, sondern als dauerhaftes und nachhaltiges Modell sozialer Verantwortung umgesetzt werden, das die Werte von Fenerbahçe widerspiegelt“. Es soll damit „Teil der Tradition“ des Vereins werden.
Das sind große Worte. Es gibt weltweit nicht viele Vereine, die selbst-auferlegte Regeln in ihrer Transferstrategie als Teil ihrer Identität begreifen. Das bekannteste Beispiel ist sicher Atletic Bilbao, das nur baskische Spieler*innen unter Vertrag nimmt. Es wird spannend sein zu beobachten, wie radikal Fenerbahçe seinen Vorsatz umsetzt. Ob wirklich alle Spieler auf 1% ihres ausgehandelten Gehalts verzichten oder ob manche internationale Topstars vielleicht 1% extra angeboten bekommen, um ihr Nein am Spendenprogramm zu umgehen.
Die Deutlichkeit der Erklärung lässt daran glauben, dass der Verein es ernst meint. Und so oder so setzt er damit ein deutliches Zeichen, ein wertvolles Zeichen. Das letzte Wort in diesem Artikel hat darum auch Fenerbahçes Pressemitteilung: „So wie in der Vergangenheit wird Fenerbahçe Erfolg weiterhin nicht nur an Trophäen messen, sondern auch an dem Wert, den der Klub menschlichem Leben hinzufügt.“
