„Eine deutsche Maschine im Mosul Club“: Mit diesen Worten gab der Mosul SC aus der Iraq Stars League die Verpflichtung des 30 Jahre alten deutschen Innenverteidigers Robert Bauer bekannt. Zuletzt stand der ehemalige DFB-Juniorennationalspieler und 89-fache Bundesligaprofi beim thailändischen Rekordmeister Buriram United unter Vertrag.
Mosul SC beschrieb den Neuzugang als „qualitativ hochwertig, der die Ambitionen des Managements widerspiegelt“. Außerdem hieß es in der Klubmitteilung: „Es ist ein Schritt, der darauf abzielt, das Team zu stärken und das Wettbewerbsniveau bei den kommenden Herausforderungen zu erhöhen. Bauer gilt als eine wichtige Verstärkung aufgrund seiner professionellen Erfahrung und starken Präsenz auf dem Spielfeld, und sein Transfer ist mit großen Hoffnungen verbunden, dass er ein einflussreicher Spieler wird und zu den Zielen des Teams und seiner Fans beiträgt.“
Bauer selbst wird in der Klubmitteilung nicht zitiert, aber er festigt mit diesem Welchel weiter seinen Ruf als reisefreudiger Fußballprofi. Denn nachdem er in Deutschland beim Karlsruher SC, Werder Bremen, dem FC Ingolstadt und 1. FC Nürnberg aktiv war, zog es ihn in der Vergangenheit bereits nach Russland, Belgien, Saudi-Arabien, Aserbaidschan und zuletzt Thailand. Beim Aufsteiger und Liga-16. im Irak ist er nun mit einem Marktwert von 450.000 Euro geteilt wertvollster Spieler im Kader.
Aber bei weitem auch nicht der einzige internationale Legionär. Mit Ebenezer Ofori steht sogar noch ein weiterer Ex-Bundesliga-Profi (VfB Stuttgart) in Mosul unter Vertrag. Auch zwei Spieler aus den Niederlanden und Schweden, sowie einige Spieler aus afrikanischen Ländern kicken für Mosul. Jeder dritte Spieler des Klubs ist ein Legionär. Das sieht in der gesamten Iraq Stars League nur unwesentlich anders aus: Liga-weit liegt die Ausländerquote nämlich bei etwas über 28%. Dabei dominieren Spieler aus afrikanischen Ländern, aber unter anderem auch Franzosen und Belgier stehen hier unter Vertrag. Was reizt sie an der Iraq Starts League?
Die höchste irakische Spielklasse hat sich in den vergangenen Jahren in mehrfacher Hinsicht messbar weiterentwickelt. 2023 wurde die Liga als „Iraq Stars League“ neu strukturiert und organisatorisch aufgewertet. Damit einher gingen eine stärkere zentrale Vermarktung, neue Sponsoringmodelle sowie eine professionellere mediale Präsentation. Parallel dazu wurden in den letzten Jahren größere Stadion- und Infrastrukturprojekte umgesetzt oder modernisiert, unter anderem in Bagdad und Basra. Diese Investitionen haben die Rahmenbedingungen für den Spielbetrieb sichtbar verbessert und internationale Spiele wieder regelmäßiger ermöglicht.
Auch sportlich ist eine erhöhte internationale Präsenz festzustellen. Irakische Vereine treten wieder kontinuierlicher in asiatischen Wettbewerben an, was der Liga zusätzliche Sichtbarkeit verschafft. Diese internationale Bühne ist ein Faktor, der für ausländische Spieler attraktiv ist. Hinzu kommen finanzielle Aspekte: Erstligaklubs im Irak zahlen in den letzten Jahren wettbewerbsfähige, teils deutlich überdurchschnittliche Gehälter im Vergleich zu einigen osteuropäischen oder südosteuropäischen Ligen anbieten. Auch weil der Fußball als wesentlich für den staatlichen Wiederaufbau eingestuft und entsprechend politisch gefördert wird. Dazu gehören unter anderem auch vergünstigte steuerliche Rahmenbedingungen wie Nettovergütung für ausländische Profis, was die Liga im internationalen Vergleich zusätzlich attraktiv macht.
Doch auch der heimische Nachwuchs entwickelt sich gut. Talent ist ohnehin viel vorhanden. Die Investitionen in die Fußballinfrastruktur, die der Staat eben auch aus dem Grund vornimmt, dass er Fußball als verbindendes Element für den staatlichen Wiederaufbau identifiziert hat, garantiert nun, dass die Spieler sich endlich auch ideal entwickeln können. Gefördert auch von internationalen Trainern, die zusätzliche Expertise mit ins Land bringen. Das zeigt zum Beispiel auch der Wechsel von Haydeer Abdulkareem, der gerade erst zu Cristiano Ronaldos Al-Nassr gewechselt ist.
Die politischen Rahmenbedingungen sind aber natürlich trotzdem weiter differenziert zu betrachten. Der Irak bleibt politisch fragil und von institutionellen Spannungen sowie wiederkehrenden Protestbewegungen geprägt. Gleichwohl hat sich die Sicherheitslage im Vergleich zu den Jahren des intensiven Konflikts – insbesondere während der territorialen Kontrolle des sogenannten „Islamischen Staates“ – deutlich stabilisiert. Diese relative Verbesserung hat dazu beigetragen, dass nationale Sportveranstaltungen sowie internationale Begegnungen wieder verlässlich durchgeführt werden können. Auch das ist ja wesentlich für die Ligaentwicklung.
Kurzum: Für Fußballer ist der Irak gerade ein attraktives Land. Weil es wirtschaftlich gute Rahmenbedingungen gibt. Und Fußballspiele mit großer gesellschaftlicher Relevant. FanLeben.de wünscht Robert Bauer darum viel Spaß bei dieser sicher einzigartigen Erfahrung!
