Halle und Leipzig trennen gerade einmal 45 Kilometer, mit dem Auto etwas mehr als eine halbe Stunde. Die ligahöchsten Fußballvereine der beiden Städte, der Hallesche FC und RB Leipzig, aber trennen seit vergangenen Samstag Welten. Auf seiner Mitgliederversammlung beschlossen die HFC-Mitglieder nämlich ein generelles Kontaktverbot zu den Leipzigern. Der entsprechende Antrag zur bewussten Abgrenzung gegenüber RB war beim Viertligisten aus Sachsen-Anhalt am Sonntag „unter großem Applaus“ beschlossen worden, heißt es dazu im Protokoll der Mitgliederversammlung. Dieser beinhaltet unter anderem den Verzicht auf sportliche Kooperationen wie Testspiele, Einladungsturniere oder gemeinsame Trainingseinheiten. Ziel ist es, die eigenständige Identität des Halleschen FC klar zu bewahren.
Dass die vom österreichischen Konzern Red Bull gegründeten finanzierten „roten Bullen“ bei Traditionsvereine des Ostens unbeliebt sind, ist nicht neu. Immerhin verdrängt RB mit seinem Engagement die Leipziger Traditionsvereine Lokomotive, als VfB Leipzig immerhin erster deutscher Fußballmeister, sowie Chemie. Ein generelles Kontaktverbot über die Pflichtspiele hinaus ist in dieser Direktheit bislang dennoch noch nicht bekannt. Insbesondere im Jugendbereich kommt es immer wieder zu Kooperationen, da die finanziell oft klammen Traditionsvereine hier auf Unterstützung angewiesen sind.
Bisher hatte es darum auch zwischen dem Halleschen FC und RB Leipzig durchaus Verbindungen gegeben. Unter anderem wechselten etwa die Spieler Fabrice Hartmann, Joscha Wosz, Felix Beiersdorf und Torhüter Tim Schreiber über die Landesgrenze oder wurden ausgeliehen, wovon der HFC profitierte. Noch vor ein paar Wochen fragten die Hallenser sogar bei den Leipzigern an, ob man die beheizbaren Plätze in Leipzig zum Training nutzen könne, weil die eigenen Rasenflächen bei Temperaturen unter null Grad nicht bespielbar waren. RB stimmte der Anfrage zu.
Dennoch ist die Entscheidung spannend. Die zugrunde liegende Frage lautet: Ist RB Leipzig ein „normaler“ Fußballklub oder schadet das Red-Bull-Modell strukturell dem deutschen Fußball? Wenn man findet, dass RB schlecht ist für den Fußball in Deutschland, ist es richtig, den Klub auch strukturell zu boykottieren anstatt an seiner Normalisierung mitzuwirken. Auch wenn das für einen selbst Herausforderungen bedeutet. Insofern kann die Entscheidung der HFC-Mitglieder durchaus beispielhaft sein.
