Dominik Wüst und Halil Ibrahim Yilmaz sind die Leistungsträger des FC Eddersheim in der laufenden Spielzeit. Der Regionalliga-erfahrene Wüst stand in der laufenden Saison in 17 von 18 Hessenliga-Partien auf dem Feld und traf dreimal. Yilmaz – ebenfalls bereits viertklassig aktiv – war mit sagenhaften 23 Toren in 15 Spielen nicht nur Eddersheims herausstechender Torgarant, sondern gleichzeitig deutschlandweit der zweitbeste Fünftliga-Goalgetter. Und auch für ihre Mannschaft lief es bis zur Winterpause mehr als ordentlich: Zwar mit zehn Punkten, aber auch mit zwei Spielen Rückstand auf Spitzenreiter Eintracht Frankfurt II liegt der 1931 gegründete Verein aktuell nämlich auf Platz zwei der Hessenliga.

Doch für Wüst und Yilmaz geht es in Eddersheim nicht mehr weiter. Der Grund: Die Icon League. Sowohl Wüst als auch Yilmaz spielen regelmäßig bei der privaten Hallenfußball-Runde mit. Der FCE befürchtete nach der Winterpause weitere Terminkollisionen und forderte von den beiden Spielern eine „klare Positionierung zugunsten unseres Vereins“. Doch diese blieb aus, stattdessen würden Wüst und Yilmaz die Icon League auch weiterhin als wichtigen Bestandteil ihrer fußballerischen Aktivitäten einstufen, weswegen es zur plötzlichen Trennung kam. Kein Einzelfall: Im letzten Jahr trennte sich unter anderem der Siegburger SV im Winter von allen Spielern, die auch in der Icon League beziehungsweise der von Mats Hummels und Lukas Podolski gegründeten Baller League spielen wollten. Andere Vereine, wie der aktuelle Spitzenreiter der Oberliga Westenfalen, die SG Wattenscheid 09, dulden es, wenn ihre Spieler auch in solchen Privat-Formaten mitkicken.

Gegen das Doppel-Engagement spricht aus Vereinssicht, dass es zu Terminkollessionen kommen kann. Auch im Falle von Verletzungen würden die Vereine trotzdem weiter Gehalt beziehungsweise Aufwandsentschädigung zahlen müssen. Hallentuniere wie die Icon League steigern das Verletzungsrisiko, unabhängig von Lohnkosten verschlechtert das natürlich die Planbarkeit in der Kaderzusammenstellung. Andererseits spricht die Icon League eine Zielgruppe an, die sich sonst weniger für Amateurfußball interessiert. In Wattenscheid profitiert man davon, dass Baller-League-Spieler Berkan Firat wie auch der inzwischen fort gewechselte Influecer Felix Casalino eigene Fans mit ins Stadion bringen.

Die Icon League wurde im November 2023 angekündigt. Der erste Spieltag war am 1. September 2024 in der Lanxess Arena in Köln, ab dem 2. Spieltag fanden die regulären Spieltage inklusive der Play-ins montags im Castello Düsseldorf statt. Das Finale der Icon League fand am 15. Dezember 2024 im SAP Garden in München statt. Die Spiele werden live auf Twitch und Pluto TV und ab Season 3 auch auf Sport1 übertragen. Die Spiele werden im 5 gegen 5 mit Bande und ohne Abseits gespielt. Während der Spiele sollen zufällig gezogene Effekte das Spielgeschehen beeinflussen. Ein Unterschied zu anderen Fußball-Indoor-Ligen ist die Größe des Spielfeldes, welche 22 × 45 Meter beträgt und für mehr Schnelligkeit im Spiel sorgen soll. Ein weiterer Aspekt, der den kleineren Mannschaften zugutekommt, ist eine kürzere Spielzeit. Ein Spiel in der Icon League dauert 2 Mal 12 Minuten. Investoren der Icon League sind unter andem Toni Kroos, Influecer Elias Nehrlich, Frühstücksfernsehen-Moderatorin Marlene Lufen und andere Kapitalgeber.

Die Icon League ist ein Event. Die Oberliga ist Spielbetrieb. Es kann nicht im Interesse des Fußballs sein, wenn der gemeinnützige und demokratisch-organisierte Spielbetrieb hinter einem Investment-Format zurückstecken muss. Die Entscheidung des FC Eddersheim ist darum konsequent. Das andere Amateurvereins anders entscheiden ist aber auch nachvollziehbar, denn Reichweite ist ein hohes Gut, sogar überlebenswichtig, aber für reine Amateurvereine immer schwerer zu bekommen, das Sonntagsnachmittagspublikum wird älter, Nachwuchs fehlt. Hier setzt Elias Nehlrich an und sagt, er wolle mit der Icon League junge Menschen für den Fußball begeistern und hofft, dass nicht nur Wattescheid 09 von einem Firat-Effekt profitiert. Ob es den aber wirklich gibt? Das muss zunächst mal jeder Verein für sich selbst überprüfen.

Solange wird die Icon League genauso wie die Baller League den Amateurfußball weiter spalten. Irgendwann aber wird der Aushandlungsprozess zu Ende sein. Und dann ist zu hoffen, dass sich alle Vereine auf ein einheitliches Vorgehen einigen.

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Von admin