Übermorgen ist es soweit: Die paralympischen Winterspiele beginnen! Nur für Deutschland nicht. Denn die Sportler*innen aus Deutschland werden die Eröffnungsfeier boykottieren. Dabei solidarisiert sich der Deutsche Behindertensportverband (DBS) mit der Ukraine: Weil Sportler aus Russland und Belarus unter ihrer eigenen Flagge bei den Paralympics einlaufen und später auch an den Start gehen dürfen, bleibt das deutsche Team der Eröffnung fern.
„Vor diesem Hintergrund haben wir gemeinsam beschlossen, dass Team Deutschland Paralympics nicht am Einmarsch der Nationen im Rahmen der Eröffnungsfeier in Verona teilnehmen wird“, schreibt der DBS in einer Pressemitteilung. Die Entscheidung diene „sowohl der Konzentration auf die bevorstehenden Wettkämpfe als auch dem Anliegen, die solidarische Haltung gegenüber der ukrainischen Delegation respektvoll zum Ausdruck zu bringen.“ Und weiter: „Angesichts der aktuellen Entwicklungen ist es umso wichtiger, den Kern der Paralympischen Idee zu bewahren: faire Wettkämpfe in einem friedlichen Umfeld, in dem Athletinnen und Athleten aus aller Welt ihre Leistungen und persönlichen Geschichten präsentieren können. Paralympische Athletinnen und Athleten stehen für Mut, Entschlossenheit und die Bewältigung von Herausforderungen – und sie inspirieren Menschen weltweit. Gerade in herausfordernden Zeiten bleibt es unsere gemeinsame Aufgabe, die Paralympischen Werte sichtbar zu leben und die Integrität des Sports entschlossen zu schützen.“
Die Entscheidung des DBS kommt dabei überraschend. Eigentlich wollte man die Eröffnung nicht boykottieren, zumindest war dies noch in der letzten Woche die offizielle Haltung des Verbandes. Man wollte nämlich den Fokus „auf die sportlichen Wettkämpfe legen„, so DBS-Präsident Hans Jörg-Michels damals. Doch seitdem hat es offenbar noch einmal viele Gespräche gegeben, wohl auch unter Eindruck der aktuellen weltpolitischen Entwicklungen und gemeinsam mit den Sportler*innen. Daraus folgte jetzt die Kehrtwende, eine mit Haltung.
Bleicht die Frage, warum Russland und Belarus jetzt – anders als bei den olympischen Winterspielen – unter eigener Flagge an den Start gehen dürfen. Die Generalversammlung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) hatte im September 2025 mehrheitlich für die Aufhebung der Suspendierung der kriegsführenden Länder gestimmt. Während ja auch beim IOC die Ukraine-Solidarität zuletzt bröckelte, worüber FanLeben.de hier, hier und hier berichtet hatte.
Das IPC geht dabei aber noch weiter – und schreckt selbst vor politischen Botschaften, die eindeutig als pro-russisch interpretiert werden müssen nicht zurück: Denn es hat die ursprünglich vorgesehene Team-Kleidung der Ukrainer*innen verboten. Der Grund: Auf den Anzügen war eine Landkarte der Ukraine zu sehen einschließlich Krim und der momentan von Russland besetzten Gebieten. Der Chef des Ukrainischen Paralympischen Komitees Walerij Suschkewytsch kritisierte, dass das bisherige Outfit („sehr schön, sehr symbolisch“) hastig habe gewechselt werden müssen. „Wir haben es gerade noch geschafft, eine neue Uniform fertig zu stellen“, so Suschkewytsch.
Unterstützung für die deutschen Sportler*innen und die Entscheidung des DBS kommt hingegen aus der Bundesregierung: Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) sagte ihr Teilnahme an der Eröffnungsfeier ab. Ihr Fokus liege gleichwohl auf den Leistungen der deutschen Sportlerinnen und Sportler. „Sie stehen für Leistungswillen, Fairness und Zusammenhalt – und sie repräsentieren unser Land mit großem Einsatz und Haltung“, so Schenderlein. Mit ihrem geplanten Besuch von Para-Wettkämpfen während der Spiele wolle sie ihre Wertschätzung dafür zum Ausdruck bringen.
