„Ich weiss, dass viele heimlich schwule Männer in der Hockeywelt vom Erfolg von ‚Heated Rivalry‘ hart getroffen werden“, erzählt der ehemalige Eishockeyspieler Jesse Kortuem. „Ich hätte nie gedacht, dass etwas so Positives und Liebevolles aus einem so maskulinen Sport entstehen könnte. Ich habe in den vergangenen Wochen darum gekämpft, diese Emotionen in Worte zu fassen, aus Angst vor den Auswirkungen auf die Teamdynamik.“ Das kanadische Seriendrama ‚Heated Rivalry‘ erzählt die Geschichte von zwei jungen Hockeyspielern in der National Hockey League (NHL): Rivalen auf dem Eis, Liebende im Privaten. Die fiktiven Charaktere Shane Hollander und Ilya Rozanov verbindet über zehn Jahre mehr als nur eine Leidenschaft für den Sport. Öffentlich machen sie ihre Liebe jedoch nie.

Jesse Kortuem zwingt die Serie dazu, sich mit seiner eigenen Vergangenheit zu beschäftigen: „Lange Zeit empfand ich die Eisfläche nicht als einen Ort, an dem ich ganz ich selbst sein konnte. Ich hatte das Gefühl, dass ich viel zu lange Teile meiner Persönlichkeit verbergen musste“, schreibt er auf Facebook. „Ich fragte mich, wie ich schwul sein und trotzdem einen maskulinen Sport ausüben konnte.“ Und weiter: „Ich weiss, dass viele heimlich schwule Männer in der Hockeywelt vom Erfolg von ‚Heated Rivalry‘ hart getroffen werden“, berichtet Kortuem. „Ich hätte nie gedacht, dass etwas so Positives und Liebevolles aus einem so maskulinen Sport entstehen könnte. Ich habe in den vergangenen Wochen darum gekämpft, diese Emotionen in Worte zu fassen, aus Angst vor den Auswirkungen auf die Teamdynamik.“

Jesse Kortuem, der zwar schon länger in queeren Hockes-Netzwerken aktiv ist, fasst daraufhin einen Entschluss: Er outet sich. Öffentlich. „Ich verbrachte jede Woche mit Jungs, die ich respektierte, im Umkleideraum, aber ich fühlte mich immer noch nicht sicher genug, um ihnen zu sagen, wer ich wirklich war“, blickt Kortuem zurück. Die Reaktionen jetzt aber seien positiv gewesen. In den Kommentaren danken Mütter von jungen Spielern Kortuem, dass er sich für einen inklusiveren Sport einsetzt. Im männlichen Spitzensport – insbesondere auch im Eishockey – ist Homosexualität ein Tabuthema. Die Akzeptanz fehlt, die Sorge vor sozialem Ausschluss ist gross. Auch Kortuem berichtet davon.

Jesse Kortuem war in seiner Karriere unterklassig aktiv. Und – ähnlich wie im Fußball – gibt es auch noch keinen schwulen Eishockeyprofi, der seine sexuelle Orientierung öffentlich gemacht hat. Eishockey-Fan Kortuem will darum jetzt Vorbild oder eher Mutmacher sein: „Ich möchte zu den Sportlern da draussen sprechen, die sich noch nicht geoutet haben oder darum kämpfen, ihren Weg zu finden“, so Kortuem. „Ich möchte, dass ihr wisst, dass es Hoffnung gibt und ihr nicht allein seid. Es gibt ein Leben und tiefes Glück, das auf eurem Weg auf euch wartet. Ihr werdet das durchstehen, und alles wird gut.“ Leider muss der letzte Halbsatz nicht immer stimmen, wie das Beispiel von Fußballer Josh Cavalloh zeigt, über den FanLeben.de hier berichtet hat.

Trotzdem hat Jesse Kortuem mit seinem Handeln natürlich Recht: Ein aufgeschlossen(er)es Umfeld beginnt mit Sichtbarkeit. Mit Menschen, die voran gehen. Einer Community, deren Liebe lauter ist als jeder Hass. Und manchmal auch mit einer Serie – Sichtbarkeit eben.

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Von admin