Donald Trump findet, Hunter Hess, 27, Ski-Freestyler im US-Team bei den Olympischen Winterspielen, sei ein Looser. Kein Wunder: Hess hatte die politischen Entwicklungen in den USA unter Trump zuletzt immer wieder kritisiert. Und mit Kritik hat es der US-Präsident bekanntlich nicht so.

Dabei ist Hunter Hess beim besten Willen kein Radikaler. Stattdessen hat Hess bereits vor einigen Tagen in einem Instagram-Post  geschrieben, er „liebe sein Land“. Vieles sei sogar „großartig“, aber es gebe auch immer Dinge, „die besser sein könnten“, schreibt Hess weiter. Großartig sei dabei vor allem auch, „dass wir das Recht und die Freiheit haben, auf diese Dinge hinzuweisen.“ Vor den Spielen hatte er aber auch gesagt, er habe gemischte Gefühle, für sein Land zu starten. „Nur weil ich die Flagge trage, heißt das nicht, dass ich alles repräsentiere, was in den USA vor sich geht.“

Trump schrieb daraufhin auf Truth Social, Hess sei ein „echter Loser“. Es sei „schwer, jemanden wie ihn anzufeuern.“

Dass zuletzt so viel über ihn diskutiert wurde, habe ihn zwar belastet, aber auch angespornt, sagte Hess. „Ich habe so hart dafür gearbeitet, hier zu sein. Ich habe mein ganzes Leben geopfert, um diesen Moment zu erleben“, sagte er. „Ich werde mich von solchen Kontroversen nicht aufhalten lassen. Ich liebe die Vereinigten Staaten von Amerika. Das kann ich gar nicht oft genug sagen.“ Er hatte den Eindruck, das schon oft genug deutlich gemacht zu haben. „Aber anscheinend haben die Leute das nicht so verstanden. Ich bin so glücklich, hier zu sein, so glücklich, das Team USA zu vertreten.“

Nach seinem Finaleinzug gestern, zeigte der Sportler deswegen dann auch noch eine Geste, mit der er Bezug auf die Trump-Kritik an seiner Person nahm: Nach seinem ersten Lauf in der olympischen Halfpipe formte der US-amerikanische Sportler ein „L“ vor seiner Stirn, das Zeichen für „Looser“. Seine Erklärung: „Anscheinend bin ich ein Loser“, sagte Hess später – allerdings nachdem er sich sportlich einen Finalplatz bei den Olympischen Winterspielen gesichert hatte. Wer hier der Looser ist, ist also noch nicht geklärt.

Was aber offensichtlich ist, ist, dass sportliche Großereignisse immer auch eine politische Komponente haben. Auch wenn das IOC dies für die Olympischen Spiele immer wieder verneint. So wurde der ukrainische Bob-Fahrer Wladislaw Heraskewytsch von den Spielen ausgeschlossen, weil er einen Helm tragen wollte, der die Gesichter ukrainischer Sportler*innen zeigt, die im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ermordet worden sind, wie FanLeben.de hier berichtete. Russische Sportler*innen, die in Verbindung zum Angriffskrieg ihrer Regierung stehen, dürfen wiederum an den Spielen teilnehmen, wie FanLeben.de hier berichtete. Und obwohl der Sport doch in erster Linie Menschen zusammenbringen soll, gibt es auch im Jahr 2026 noch eine Disziplin, bei der Frauen ausgeschlossen sind, wie FanLeben.de hier berichtete.

All das zeigt: Unpolitische Spiele sind nicht möglich. Möglich ist aber auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen – oder zumindest Meinungsvielfalt zuzulassen. Hunter Hess ist ein politischer Athlet. Aber seine Haltung – für Meinungsfreiheit, für Rechtstaatlichkeit und ür Demokratie – ist eng mit dem olympischen Gedanken verbunden. Das IOC tut gut daran, auf seinen Fall zu schauen. Und stolz darauf zu sein, dass Olympia auch Vielfalt repräsentieren kann.

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Von admin