Die Regionalliga im Südwesten kehrt mit einer echten Enttäuschung aus der Winterpause zurück: Beim Spiel zwischen Kickers Offenbach und den Stuttgarter Kickern kam es zu einem rassistischen Zwischenfall. Darüber hinaus gab es eine rote Karte aufgrund einer Tätlichkeit. Und selbst der neue Offenbacher Sportvorstand Martin Pieckenhagen wurde – nachdem Stuttgarts-Keeper Felix Dornbusch vor der Heimkurve gefeiert hatte – nach Spielfeld in eine Rangelei verwickelt. Aber der Reihe nach.
Unmittelbar nach Spielende kam es von der Tribüne aus zu üblen rassistischen Beschimpfungen durch einzelne Zuschauer. Der Vorfall ereignete sich, als die Spieler auf dem Weg in die Kabinen waren. Die Rufe kamen von der Haupttribüne des Stadions am Bieberer Berg. Die rassistischen Beleidigungen richteten sich dabei gegen den Spieler Melkamu Frauendorf der Gäste aus Stuttgart. Einige OFC-Spieler solidarisierten sich sofort danach mit Frauendorf in den Katakomben. Alles sei umgehend gemeldet worden und werde aktuell geprüft, hieß es von den Klubs. Beide Vereine betonen gemeinsam, dass „Attribute wie Herkunft, Hautfarbe, Religion oder persönliche Lebensweise niemals eine Rolle spielen dürfen – weder auf dem Platz noch auf den Tribünen“, wie es in einer gemeinsamen Mitteilung bei der Kickers-Klubs, die noch gestern Abend veröffentlicht wurde, heißt. Fußball, so die Vereine weiter, lebe „von Vielfalt, Gemeinschaft und gegenseitigem Respekt“.
Prof. Dr. Rainer Lorz, Präsident der Stuttgarter Kickers, erklärt: „Wir sind geschockt. Diese üblen rassistischen Beleidigungen verurteilen wir auf das Schärfste. Dies hat auf keinem Fußballplatz der Welt etwas zu suchen. Melkamu Frauendorf hat die volle Unterstützung des gesamten Vereins und der Kickers Familie.“
Und auch Joachim Wagner, Präsident der Kickers Offenbach, findet klare Worte: „Wir verurteilen diesen Vorfall aufs Schärfste und finden es extrem schade, dass eine bis zwei einzelne Personen für so etwas gesorgt haben. Rassistische Beleidigungen sind durch nichts zu rechtfertigen und widersprechen den Werten unseres Vereins und des Sports insgesamt. Kickers Offenbach steht für Fairness, Respekt und Vielfalt. Wir stehen solidarisch an der Seite von Melkamu Frauendorf.“
Der Offenbacher Trainer Kristjan Glibo hatte sich bereits zuvor während der Pressekonferenz zum Vorfall geäußert. „Hier im Stadion hat Rassismus nichts verloren„, sagte er deutlich, da habe der Verein eine klare Haltung. Und die gilt natürlich auch nicht nur im Stadion.
Aber auch vorher hat’s auf dem Platz schon richtig geknallt. Nach 56 Minuten flog Daniel Dejanovic (24) nach einer Tätlichkeit vom Platz. Trainer Glbo (43) gab zu: „Es war Rot. Aber in der Situation hätte auch ein Stuttgarter Spieler Rot sehen müssen.“ Nochmal geknallt hat’s dann nach dem Spiel. Stuttgarts Torhüter Felix Dornebusch feierte vor der Offenbacher Tribüne. Das brachte Kickers-Sportchef Martin Pieckenhagen, wie erwähnt, so auf die Palme, dass er auf den Platz stürmte und den Keeper angriff. Es dauerte mehrere Minuten bis sich alle wieder beruhigt hatten.
Doch egal wie hitzig ein Aufeinandertreffen ist – Rassismus darf niemals ein Mittel der Auseinandersetzung sein. Dass Stadionbesucher*innen trotzdem in einer emotionalen Stresssituation ausgerechnet zu rassistischen Beleidigungen greifen, zeigt, wie tief verwurzelt rassistisches Denken doch noch in den Köpfen vieler Menschen ist. Das ist unendlich bitter.
Umso wichtiger ist das klare Signal von Kickers Offenbach und Stuttgarter Kickers: Gemeinsam haben sie die rassistischen Beleidigungen und Rassismus generell verurteilt. Egal, in welchem Team wir auf dem Platz spielen, bei der Verteidigung der universellen Menschenwürde müssen wir alle untrennbar zusammen stehen – so ihre vollkommen richtige Botschaft. Und sie gilt überall im Fußball. Und natürlich auch überall sonst.
