Wie weit „gut gemeint“ und „gut gemacht“ auseinander liegen können, beweist dieser Tage die AS Rom. Und zwar bei einer Versteigerung getragener Spieler*innenkleidung für einen wohltätigen Zweck. Die Aktion ist dabei grundsätzlich nicht neu: Man habe schon in der Vergangenheit immer wieder matchworn Klamotten versteigern lassen, um damit Benefiz-Erlöse einzunehmen, teilte die Roma mit. „Das hier war nun eine besondere Auktion, da sie anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November stattfand, ein Thema, das in Italien leider sehr aktuell ist“, heißt es nun über eine Versteigerung aus dem Januar.
Eigentlich also eine richtig gute Idee: Aufmerksamkeit für ein wichtiges Thema und Erlöse für Initiativen, die von Gewalt betroffenen Frauen Schutz bieten. Doch die Umsetzung – naja. Denn die „Giallorossi“ versteigerten nicht nur die Trikots ihrer Spielerinnen, sondern auch deren getragene Hosen. Stolze 565 Euro brachte dabei zum Beispiel die Hose von Alayah Pilgrim ein. Problematisch ist das, weil auf die Hosen der Roma-Spielerinnen massiv mehr Geld geboten wurde als auf getragene Trikots, die ebenfalls versteigert wurden. Offensichtlich wurde hier eine Aktion gegen Gewalt an Frauen dazu missbraucht um Spielerinnen zu sexualisieren. Und damit sind wir beim eingangs erwähnten Gap.
Selbstscham bei der Roma also? Mitnichten, wie der Serie-A-Club mitteilt: „Alle Kleidungsstücke werden vor der Auktion gewaschen und desinfiziert. Viele Vereine versteigern Trikots und Kleidung ihrer Teams, das ist sehr üblich“, melden die „Giallorossi“. Und das ist eigentlich auch richtig – aber mit einer wichtigen Einschränkung: Zumeist sind es nur die matchworn Trikots, die als besondere Erinnerungsstücke versteigert werden. Selbst die AS Rom selbst geht normalerweise so vor: Denn bei der selben Auktion wurden auch Männer-Trikots versteigert, auf Männer-Hosen aber konnte nicht geboten werden. Es ist also unstrittig, dass der Klub seine Spielerinnen hier mutwillig dieser Sexualisierung ausgesetzt hat.
Die Diskrepanz zwischen den Erlösen der Trikots und jenen der Hosen erklären sich auf Social Media viele mit sexuellen Motiven von Männern mit entsprechenden Fetischen. Auch aus dem Spielerinnenlager der Roma-Frauen gibt es entsprechende Kommentare. Der Klub will das nicht kommentieren – und seinen Fehler auch nicht korrigieren: Pilgrims Hose sei mittlerweile an einen anonymen Käufer aus den USA versteigert worden, heißt es lediglich noch aus der italienischen Hauptstadt. Na dann.
Der professionelle Frauenfußball in Italien hat dabei übrigens noch keine besonders lange Geschichte. Zwar gibt es seit schon seit den 1960er Jahren einen organisierten Ligabetrieb, aber erst seit 2015 ist es Profiklubs der Männer möglich, eigene Frauenfußballabteilungen zu gründen oder – wie zum Beispiel in Deutschland üblich – mit bisher eigenständigen Frauenfußballvereinen zu fusionieren beziehungsweise Frauen- und Männerfußball in einem Klub anzubieten. Bis dahin musste Männer- und Frauenfußball organisatorisch also streng getrennt, Frauenklubs eigenständig gewachsen sein, was die Entwicklung im Frauenfußball lähmte. Die Frauenabteilung beim AS Rom gibt es darum auch erst seit 2018. Die Roma entwickelte sich hier jedoch sehr schnell zu einer der führenden Mannschaften des Landes. Bereits 2021 gewann das Team erstmals die Coppa Italia, später folgten der Supercup 2022/23 sowie die italienischen Meisterschaften 2023 und 2024. Besonders prestigetechnisch war zudem ein Champions-League-Spiel gegen Barcelona 2023 im Olympiastadion von Rom, das mit über 39.000 Zuschauern einen italienischen Rekord im Frauenfußball aufstellte. Auch von den Roma-Männern gab es dafür Anerkennung: Unter anderem Vereinslegende Daniele De Rossi gratulierte den Spielerinnen nach einem Titel und lobte ihre Leistungen öffentlich; sinngemäß betonte er, der Erfolg der Frauen sei „ein großer Stolz für die Roma-Familie“.
Nur echten Respekt, den erfahren die Frauen immer noch nicht überall.
