Es war ein 1:1 – und zwar eines, das Fußball-Deutschland aufmischte. Denn mit diesem Unentschieden besiegelte die südkoreanische Fußballnationalmannschaft der Frauen das Aus des deutschen Teams bei der letzten Weltmeisterschaft. Und das hatte Folgen: Unter anderem verlor die damalige Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ihren Job.
In Südkorea hingegen blieb dieser beachtliche Erfolg weitgehend unbeachtet.
Schon damals war die Diskriminierung des südkoreanischen Nationalteams im eigenen Land allgegenwärtig. Die WM-Teilnahme wurde in der Öffentlichkeit mit wenigen Ausnahmen ignoriert, der Fokus galt eher der Saisonvorbereitung der Männer, Transfers, ersten Testspielen, so etwas halt.
Aber die Benachteiligung der südkoreanischen Fußball-Frauen ist nicht nur ein gesellschaftliches Thema. Die Spielerinnen werden auch von ihrem Fall diskriminiert. So geht es jedenfalls aus einem Schreiben der Korea Pro-Footballer’s Association (KPFA) vom 26. September 2025 an die Korea Football Association (KFA) hervor, das am vergangenen Dienstag veröffentlicht wurde. In diesem kritisierten die Spielerinnen ihren Verband und warfen ihm schlechte Bedingungen bei Länderspielen und Trainingslagern vor. Im Statement hieß es, die Fußballerinnen müssten „klare und unbestreitbare Unterschiede“ zu den Männerteams erdulden.
Konkret, so schreiben die Spielerinnen in der Erklärung, geht es zum Beispiel um Reisen zu Länderspielen, die teilweise von den Spielerinnen selbst finanziert werden müssen und kaum im Sinne einer angemessenen Regeneration sein sollen, oder „unangemessene“ Unterkünfte. Das sei beim Männerteam undenkbar, heißt es. „Wir haben auch keine eigenen Trainingsanlagen und müssen die Trainingsplätze der Männer-Nationalmannschaft nutzen, wenn diese keine Termine hat“, äußerten die Spielerinnen weiter in der Erklärung. In Einzelfällen hätten sie zudem die Kleidung der männlichen Jugendnationalmannschaft wiederverwenden und sich auf der Flughafentoilette umziehen müssen, um die ausgegebenen Kleidungsstücke zurückzugeben.
Zu lange hätten die Spielerinnen geschwiegen, schreiben sie jetzt. Jetzt wollen sie Konsequenzen erzwingen. Konkret geht es um einen Spielboykott bei der Asienmeisterschaft, die vom 1. bis 21. März in Australien stattfinden wird. Im Schreiben heißt es: „Es geht um die Gesundheit und Sicherheit der Spielerinnen, die Verbesserung ihrer Leistungsfähigkeit und darüber hinaus um die grundlegende Achtung und die Rechte der Nationalspielerinnen. Die Schaffung eines Umfelds, in dem die Nationalspielerinnen ihre besten Leistungen erbringen können, ist keine Option, sondern eine Mindestvoraussetzung.“
Bis zum 17. Oktober hatte die KFA Zeit, öffentlich Stellung zu beziehen. Ein Sprecher des Verbandes sagte kürzlich der Nachrichtenagentur AFP, man prüfe allerdings immer noch mögliche „schrittweise Verbesserungen“ und diskutiere intern über Lösungen. Den Spielerinnen zufolge ist nach einer ersten offiziellen Stellungnahme aber kein weiteres Statement gefolgt, der gewünschte Austausch habe auch nicht stattgefunden. Die Frist ist also verstrichen – der Boykott wird konkret.
Für den Verband kommt das zur Unzeit. Denn sportlich gehört Südkorea trotz der massiven strukturellen Probleme beim Frauenfußball weiterhin zur erweiterten internationalen Spitze. In der aktuellen FIFA-Weltrangliste belegt das Team Platz 21 und zählt damit auch zu den besten Mannschaften Asiens. Bei der letzten Austragung des Asien-Cups 2022 erreichten die Südkoreanerinnen das Finale, in dem sie sich dann allerdings China geschlagen geben mussten.
Fest steht: Die Entscheidung der Spielerinnen ihre Benachteiligungen öffentlich zu machen ist mutig. Und der angedrohte Turnierboykott wäre nur konsequent. Denn wenn weltweit-anerkannte Spitzensportlerinnen auf dem Klo ausgetragene Jungs-Kleidung anziehen und ihre Trainingslager selbst finanzieren müssten, wäre das wirklich eine Sauerei. Hoffen wir darum, dass ihr Protest wirkt. Und Schule macht, wo immer notwendig.
