Der Ukrainer Wladislaw Heraskewytsch ist im Streit um seinen Helm durch den Weltverband vom olympischen Skeleton-Wettbewerb ausgeschlossen worden. Der Kopfschutz zeigt Bilder von 24 ukranischen Athlet*innen, die bei russischen Angriffen ums Leben gekommen sind. Das Internationalen Olympischen Komitee (IOC) hatte untersagt, den Helm bei den Winterspielen in Mailand und Cortina im Wettkampf zu tragen. Heraskewytsch aber habe sich „geweigert hat, die Richtlinien des IOC zur Meinungsäußerung von Athleten einzuhalten“, erklärte das IOC. Man habe zudem „mit Bedauern beschlossen“, ihm die Akkreditierung für die laufenden Winterspiele „zu entziehen“.

Die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry sprach im ZDF unter Tränen über die Entscheidung. „Leider haben wir keine Lösung gefunden. Ich wollte ihm wirklich im Rennen sehen. Es war ein sehr emotionaler Morgen“,sagte Coventry. „Ich habe versucht, mit ihm und seinem Vater als Athletin zu sprechen, nicht als Präsidentin. Wir haben diese Regeln, um zu versuchen, fair zu sein und den Athleten beides zu ermöglichen: ihre Meinung zu sagen und aber auch sicher zu sein. Es ist eine wahnsinnig schwierige Situation für uns alle.“

Dem widerspricht der Sportler eindeutig. Heraskewytsch hatte darauf beharrt, den Helm wie schon im Training auch im Wettkampf zu tragen. Ein Angebot seitens des IOC, alternativ ein schwarzes Armband zu verwenden, lehnte er ab. „Es gibt wichtigere Dinge als eine Medallie“, erklärte der Sportler. „Und das Gedanken an die im Krieg ermordeten ukrainischen Sportler*innen ist wichtiger.“ Und weiter: „Ich glaube weiterhin, dass der Helm keine Regeln verletzt, weil er keine politische Propaganda beinhaltet.“. Er überlege nun, vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS zu ziehen, „um für unser Recht zu kämpfen.“

Heraskewytsch hatte Unterstützung vom Präsident Wolodymyr Selenskyj und weiteren ukrainischen Politikern bekommen. Auch Athletinnen aus der Ukraine und der deutsche Rodel-Olympiasieger Felix Loch kritisierten das Verbot durch das IOC.

Die Entscheidung nährt die Diskussion, ob das neue IOC weiterhin sehr eindeutig pro-russische Entscheidungen treffe. Zwar dürfen Sportler*innen aus Russland in Italien nur unter neutraler Flagge, also ohne russische Fahne oder Nationalhymne, an den Start gehen. Als Voraussetzung für den Olympia-Start dürfen diese Athlet*innen darüber hinaus in keiner Verbindung zum Militär stehen oder den Krieg in der Ukraine unterstützen, beispielsweise in den sozialen Medien. Doch gegen mindestens vier der 13 auf diese Weise zugelassenen Sportler*innen gibt es den Vorwurf, dass sie den Angriffskrieg eben doch unterstützen. Namentlich handelt es sich um den Eiskunstläufer Pjotr Gumennik, die Langläufer Saweli Korostelew und Darja Neprjajewa sowie die Eisschnellläuferin Xenia Korschowa. Was wirft man ihnen vor? Laut dem Bericht soll Gumennik unter anderem an Events in besetzten Gebieten teilgenommen haben und für Familien russischer Soldaten aufgetreten sein. Korostelew soll auf Social Media putin- und militärfreundliche Inhalte gelikt haben, bei Korschowa sollen es sogar ganz konkret kriegsbefürwortende Posts gewesen sein. Neprjajewa soll 2022 zudem an einem Trainingslager auf der annektierten Krim teilgenommen haben. Morinari Watanabe, der als Präsident des Weltturnverbandes für die Auswahl der Sportler verantwortlich gewesen ist, soll seinerseits selbst persönliche Beziehungen zu russischen Eliten unterhalten.

Die Ukraine kämpft um Aufmerksamkeit und Anerkennung. Es wird ihr immer schwerer gemacht.

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Von admin