Seit Jahren tauchen für Heimspiele des FC St. Pauli bei Viagogo Tickets zu massiv überhöhten Preisen auf – zum oft Fünffachen des regulären Preises. Zugleich gehen Fans, die solche Karten erwerben, ein erhebliches Risiko ein: Der FC St. Pauli akzeptiert über Viagogo gekaufte Tickets nicht. In der Praxis führt dies regelmäßig dazu, dass Fans am Einlass abgewiesen werden. Das ist richtig ärgerlich – vor allem für die Fans, die aus Verzweiflung, beziehungsweise dem großen Wunsch, wenigstens einmal live am Millerntor dabei zu sein, die absurden und unverschämten Viagogo-Preise zahlen.

Viagogo ist dabei eigentlich eine Wiederverkaufsplattform. Wer ein Ticket für ein Fußballspiel hat, aber doch nicht hin kann, so die Idee, kann es dort an einen anderen Fan weiterverkaufen. In der Praxis aber werden dort vor allem Tickets von Fans verkauft, die nie vorhatten, selbst ins Stadion zu gehen, sondern die ihr begehrtes Ticket einfach als Spekulationsobjekt verstehen und von vorneherein nur planen, mit dem Weiterverkauf Gewinn zu machen. Kapitalismus extrem. Viagogo stellt solchen Fußball-Spekulant*innen die eigene Plattform zur Verfügung und verdient daran kräftig mit, denn auf die Gewinne, die beim Weiterverkauf erzielt werden, erhebt Viagogo selbstverständlich eine Gebühr.

Und genau gegen diese Praxis wehren sich Fußballvereine in Deutschland seit langen – nicht nur der FC St. Pauli. Sie sagen: Tickets sind keine Spekulationsobjekte, die Ticketpreise wohl überlegt. Auch Bundesligatickets werden immer teurer, doch sie sollen immerhin noch für eine möglichst große Fangruppe irgendwie bezahlbar sein. Deswegen werden sie ja zum Beispiel auch nicht versteigert, obwohl damit ohne großen Mehraufwand höhere Umsätze für die Bundesligavereine möglich wären. Dass nun Zwischenhändler*innen die Gewinne abgreifen, auf welche die Vereine verzichten, wollen sie deswegen nicht akzeptieren und sperren Tickets, von denen sie – oft über eigens beauftragte Anwaltskanzleien – darüber Kenntnis erlagen, dass sie auf Plattformen wie Viagogo angeboten wurden. Dafür schließen sie in ihren AGB den kommerziellen Weiterverkauf von Tickets aus. Ticketbesitzer*innen, die dagegen verstoßen werden oft zu erheblichen Summen abgemahnt (von den gerade erwähnten Anwaltskanzleien). Wer ein Ticket hat und nicht hin kann, darf es meist maximal zum Selbstkostenpreis weitergeben, oft auf vom Verein eigens organisierten Zweitmärkten. Bei Heimspielen des FC St. Pauli gibt es zudem Clearing-Stellen, an denen betroffene Fans informiert und beraten werden.

Viagogo will von diesem Konflikt – zumindest in seiner offiziellen Kommunikation und in seiner Werbung – nichts wissen – im Gegenteil: Die Plattform wirbt noch immer damit, Bundesliga-Tickets anzubieten. Der FC St. Pauli sieht darin eine Irreführung seiner Fans und klagte: Um Verbraucher*innen künftig besser vor Fehlannahmen und finanziellen Schäden zu schützen, reichte der FC St. Pauli Klage vor dem Landgericht Hamburg ein. Ziel war eine klare Verpflichtung für Viagogo, transparent über die tatsächliche Nichtgültigkeit der angebotenen Tickets zu informieren. Auch der FC Union Berlin hat bereits ein vergleichbares Verfahren vor dem Landgericht Berlin geführt.

Das Landgericht Hamburg folgte der Argumentation des FC St. Pauli: Viele Käufer*innen wüssten nicht, dass es sich bei Viagogo um ein nicht autorisiertes Angebot handelt – zumal Tickets dort oft bereits erscheinen, bevor die Vereine überhaupt in den Verkauf gehen. Die Richter*innen stellten fest, dass Menschen beim Kauf über Viagogo einem „erheblichen Risiko“ ausgesetzt sind: Trotz hoher Preise könne der Einlass verweigert werden, ohne dass ihnen dies vorher ausreichend klar sei. „Uns geht es darum, unsere Fans vor überhöhten Preisen, intransparenten Angeboten und Enttäuschungen am Stadion zu schützen. Der heutige Entscheid ist ein wichtiger Schritt zu mehr Verbraucherschutz und Fairness“, erklärt Vereinssprecher Patrick Gensing.

Und das mit Recht! Fußball-Tickets dürfen kein Spekulationsobjekt sein. Im Gegenteil: Damit der Fußball Menschen zusammen bringen kann, müssen Ticketpreise reguliert werden. So, dass eben auch in Zukunft möglichst viele Fans sich ein Ticket leisten können.

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Von admin