Es ist eine Zeit voller Umbrüche im deutschen Frauenfußball. Birte Brüggemann zum Beispiel, Leiterin des Frauenfußballs bei Werder Bremen, hat ihren Verein nach fast zwei Jahrzehnten um ihre Ablösung gebeten. Sie verlässt Werder bereits in wenigen Tagen – und das als echte Vereinslegende: Denn Brüggemann übernahm die Leitung der Abteilung schon 2007, also direkt dann, als Werder den Frauenfußball-Bereich neu gründete. Die erste Frauen-Mannschaft startete damals in der Verbandsliga Bremen. 2025 erreichte Werder Bremen dann erstmals das DFB-Pokal-Endspiel. Kein Ende der Erfolgsgeschichte: Aktuell kämpft das Team nämlich um den Einzug in die Champions League, während die Männer weiter um den Klassenerhalt in der Bundesliga bangen müssen.

Laut Geschäftsführer Clemens Fritz habe Brüggemann selbst den Anstoß zur Trennung gegeben. In der Club-Mitteilung wird Fritz zitiert: „Auch wenn es uns nicht leichtfiel, haben wir Birtes Wunsch respektiert und akzeptiert und sind gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, die Verantwortung im Frauen- und Mädchenfußball frühzeitig in neue Hände zu legen.“ Wie Fritz weiter mitteilte, wolle der Verein die Strukturen im Frauenfußball in den kommenden Jahren weiter professionalisieren. Brüggemann sagte: „Den Frauenfußball bei Werder über fast zwei Jahrzehnte leiten zu dürfen, war für mich stets eine Herzensangelegenheit und nicht einfach nur ein Job.“ Und weiter: „Mit dem Aufbau, der Stabilisierung und der Etablierung ist der Frauenfußball unter meiner Führung eine kontinuierliche Erfolgsgeschichte gewesen.“ Für sie sei jetzt der richtige Zeitpunkt erreicht, „ein gut bestelltes Feld für die nächste Phase der Weiterentwicklung in andere Hände zu übergeben“. Wie es für sie weiter geht ist noch unklar.

Möglich aber, dass auch Birte Brüggemann bereits konkrete Pläne für ihren nächsten Schritt hat. So wie Ralf Kellermann, der langjährige Hauptverantwortliche des Frauenfußballs beim VfL Wolfsburg: Als Trainer des VfL Wolfsburg gewann Kellermann zweimal die Champions League, dreimal die Deutsche Meisterschaft und viermal den DFB-Pokal. 2014 wurde er als FIFA-Welttrainer des Jahres im Frauenfußball ausgezeichnet. In seiner Zeit als Sportdirektor folgten noch vier Meisterschaften und sieben Pokalsiege. Gleichzeitg gelang es Kellermann immer wieder das Potenzial von heutigen Weltklasse-Spielerinnen früh zu erkennen und sie zu seinem Klub in die Autostadt zu lotsen. Auch er kündigte seinen Rücktritt vor ein paar Tagen an, wenn auch erst zum Saisonende. Gestern dann wurde bekannt, dass er gleichwohl bereits eine neue Herausforderung gefunden hat: Ab Sommer arbeitet er als Sportdirektor der BVB-Frauen, die aktuell zweitplatzierte in der drittklassigen Regionalliga sind und unbedingt schnellstmöglich in die Bundesliga aufsteigen möchten.

„Mit Ralf Kellermann gewinnen wir einen absoluten Fachmann für uns, der den Frauenfußball bei Borussia Dortmund mit seiner Expertise und seiner Erfahrung auf ein neues Level heben wird. Ralf zählt zu den Besten und hat das über viele Jahre bereits in verschiedenen Positionen bewiesen. Seine Verpflichtung ist ein klares Zeichen, dass wir auch im Frauenfußball maximal ambitioniert in die Zukunft blicken“, freut sich BVB-Geschäftsführerin Carsten Cramer. Und Svenja Schlenker, die den Frauenfußball am Borsigplatz verantwortet ergänzt: „Die Vita von Ralf Kellermann ist gespickt mit außergewöhnlichen Erfolgen – sowohl als Trainer als auch als Sportdirektor. Er war unsere absolute Wunschlösung für den Posten des Sportdirektors, weil er nicht nur ein extrem großes Netzwerk, sondern auch ein sehr gutes Gespür für Kaderzusammenstellung und -entwicklung besitzt. Ralf wird unsere sportliche Ausrichtung in den kommenden Jahren mitprägen und weiterentwickeln. Wir sind sehr stolz, dass er sich für den BVB entschieden hat.“ Aber auch Kellermann selbst ist begeistert: „Borussia Dortmund ist genau die Herausforderung, auf die ich eine große Lust verspüre. Der Wille vom BVB, den Frauenfußball weiter ambitioniert zu fördern und zu stärken, hat mich direkt beeindruckt. In den vergangenen Jahren ist hier bereits eine hervorragende Basis gelegt worden. Ich freue mich, bei einem so großen, traditionsreichen Verein etwas aufbauen und strategisch mitgestalten zu können.“

Mario Basler bekommt von all dem vermutlich kaum etwas mit. Der Ex-Nationalspieler teilt ja immer wieder großspurig mit, sich nicht für Frauenfußball zu interessieren. Der Hamburger SV hat sich zuletzt in diese „Diskussion“ eingeschaltet und Basler ins Volksparkstadion zu einem Spiel der HSV-Frauen gegen Werder Bremen eingeladen. Und auch zwei Hamburger Männerfußballer haben sich positioniert: Otto Stange und Leonardo Posadas besuchten das letzte Heimspiel und trugen dabei ein T-Shirt mit der Aufschrift „Watch all Womans Games“. Und zum Weltfrauentag zeigten die Fans der Männer-Mannschaft von Greuther Fürth ein Banner auf dem Stand: „Frauenrechte statt Blumensträuße: Schluss mit Symbolpolitik“. Es bewegt sich also etwas.

Aber auch noch einen dritten Umbruch könnte es geben: Alexandra Popp, seit vielen Jahren das Aushängeschild des deutschen Frauenfußballs, könnte Ralf Kellermann aus Wolfsburg nach Dortmund folgen, heißt es. Dafür spricht: Popp ist inzwischen 34 Jahre alt und seit Kindheitstagen großer BVB-Fan. Immer wieder hatte sie angekündigt, ihre Spielerinnenkarriere irgendwann in schwarz-gelb ausklingen lassen zu wollen. Es wäre der nächste große Umbruch. Es ist halt extrem viel los im deutschen Frauenfußball.

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Von admin