Ein tschechischer Fußballtrainer hat über mehrere Jahre hinweg heimlich Spielerinnen in Umkleiden und Duschen gefilmt. Nach Auffassung eines Gerichts in seiner Heimat installierte Petr Vlachovský zwischen 2019 und 2023 eine versteckte Kamera, mit der er insgesamt 14 Fußballerinnen des Vereins 1. FC Slovácko aufnahm. Unter den Betroffenen befanden sich auch Minderjährige; die jüngste Spielerin war 17 Jahre alt. Bei den Ermittlungen wurde zudem Material mit Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern auf seinem Computer entdeckt.
Vlachovský war fast 15 Jahre im Verein tätig und betreute zudem die tschechische U19-Nationalmannschaft der Frauen. Die Aufnahmen wurden 2023 nach Ermittlungen der Behörden entdeckt. Nach Angaben der internationalen Spielergewerkschaft FIFPRO erfuhren die betroffenen Spielerinnen erst nach der Festnahme von den Vorfällen. Die Kamera soll in einem Rucksack verborgen gewesen und zumeist auf die Duschen gerichtet gewesen sein.
Im Mai 2025 wurde Vlachovský nach Abschluss der Ermittlungen dann verurteilt. Das Gericht verhängte jedoch lediglich eine einjährige Haftstrafe auf Bewährung. Außerdem erhielt er ein fünfjähriges Trainerverbot in der Tschechischen Republik. Da dieses Verbot nur national gilt, könnte er theoretisch im Ausland weiterhin als Trainer arbeiten und dürfte in Tschechien selbst bereits ab 2030 wieder eine Tätigkeit im Fußball aufnehmen.
Ebenfalls auf berechtigte Kritik stößt das: Die Verurteilung von Petr Vlachovský erfolgte ohne öffentliche Gerichtsverhandlung, sodass der Fall zunächst wenig Aufmerksamkeit bekam. Erst später berichteten Spielerinnen darüber in Medien, wodurch das Urteil breiter bekannt wurde. Auch die tschechische Spielergewerkschaft versucht seitdem internationale Aufmerksamkeit für Vlachovskýs Verbrechen zu bekommen – nicht als Selbstzweck, sondern um andere Spielerinnen weltweit vor vergleichbaren Tätern zu schützen. Denn der Fall reiht sich in eine schockierende Liste ähnlicher Vorfälle ein. In Österreich wurde zuletzt ein ehemaliger Funktionär von SC Rheindorf Altach wegen heimlicher Videoaufnahmen im Umfeld der Frauenmannschaft zu einer Bewährungsstrafe und einer Geldzahlung verurteilt. Auch er wurde nicht lebenslänglich oder international gesperrt. Außerdem soll der öffentliche Druck dazu führen, strengere Regeln zum Schutz von Frauen im Fußball durchzusetzen.
Das vergleichsweise milde Strafmaß hat dabei weltweit scharfe Kritik ausgelöst. Die tschechische Spielerinnengewerkschaft CAFH fordert gemeinsam mit der internationalen Spielergewerkschaft FIFPRO ein weltweites lebenslanges Verbot für Vlachovský, im Fußball tätig zu sein. Vertreterinnen der Gewerkschaft erklärten, der Fall sei bewusst öffentlich gemacht worden, um auf Missbrauch und unzureichende Schutzmechanismen im Sport aufmerksam zu machen. Eine Bewährungsstrafe sende das falsche Signal, und auch ein auf ein einzelnes Land beschränktes Trainerverbot reiche nicht aus. Gefordert wird daher eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Tätern, die dauerhaft aus dem Fußball ausgeschlossen werden sollen. FIFPRO prüft nach eigenen Angaben zudem rechtliche Möglichkeiten für ein internationales Verbot und verlangt bessere Schutzmaßnahmen sowie einen grenzüberschreitenden Informationsaustausch über überführte Täter.
Die FIFA als internationaler Dachverband des Fußballs hat bislang noch nicht auf diesen Fall reagiert, auch noch nicht auf eine weltweite und möglicherweise lebenslange Sperre für Vlachovský hingewirkt. Das aber sendet ein katastrophales Signal. Nämlich dieses: Der Kampf gegen Gewalt an Frauen wird in den macho-bürokratischen Strukturen des Fußballs immer noch ausgebremst. Es ist ein Skandal.
