Es ist die logische Entscheidung. „Manuel Baum hat im Herbst 2025 in einer schwierigen Phase gemeinsam mit dem Trainerteam den Turnaround geschafft. Mit einer starken Rückrunde haben wir zudem die drittbeste Bundesliga-Platzierung der FCA-Geschichte erreicht. Wir sind überzeugt, dass wir in dieser Konstellation eine sehr gute Basis für eine gemeinsame erfolgreiche Zukunft haben“, sagt der Sportdirektor des FC Augsburg, Benjamin Weber. Und begründet damit, was keinen Fußballfan wirklich überraschen wird: Aus dem Interims- wird ein Cheftrainer. Manuel Baum bleibt auch in der kommenden Spielzeit für die Fuggerstädter verantwortlich.

Geplant war das freilich nicht. Eigentlich hatte Manuel Baum, der im letzten Sommer als Funktionär nach Augsburg zurückgekehrt war, vor, auch in Zukunft hinter den Kulissen zu wirken: „Auch wenn die Planungen bei meiner Rückkehr als Leiter Entwicklung und Innovation andere waren, so hat mir die tägliche Arbeit mit der Mannschaft, dem Staff und Trainerteam in den vergangenen Monaten so viel Spaß gemacht, dass ich den eingeschlagenen Weg im Team gerne fortsetzen möchte. Daher freue mich auf die kommenden Aufgaben nach der Sommerpause.“ Schon 2014 war Baum erstmals und ebenfalls in administrativer Rolle gekommen, seinerzeit als Nachwuchs-Cheftrainer. 2016 wurde er dann erst für zwei Wochen Interimstrainer, bevor er anschließend bis April 2019 schon einmal Chefcoach bei den Schwaben war. Es folgten ein Engagement als U20-Bundestrainer, eine missglückte Station als Trainer von Schalke 04 und eine Anstellung wieder als Nachwuchs-Cheftrainer bei RB Leipzig. Seit seiner erneuten Amtsübernahme beim FC Augsburg als Nachfolger des nach 12 Bundesliga-Spielen freigestellten Sandro Wagner stehen neun Siegen und sechs Remis und sieben Niederlagen zu Buche. Jetzt erhält Baum einen Vertrag bis Sommer 2028.

Geschäftsführer Michael Ströll, den FanLeben.de hier übrigens ausführlich vorgestellt hat, freut sich: „Nachdem wir in unseren Gesprächen festgestellt haben, dass Manuel für die Aufgabe als Cheftrainer weiterhin zur Verfügung steht und diesen Schritt gerne gehen möchte, war uns klar, dass wir dies umsetzen möchten.“ Und weiter: „Manuel hat in den letzten Monaten als Cheftrainer auf allen Ebenen einen sehr guten Job gemacht, weswegen wir uns sehr freuen, dass der Weg auf dieser Position gemeinsam weitergeht.“

Die Wahl von Baum ist dabei ironischerweise sogar die noch konsequenter Umsetzung des Weges, den der FC Augsburg ursprünglich mit der Verpflichtung Sandro Wagners einschlagen wollte. Denn nach 15 Bundesliga-Jahren sollte der FCA den nächsten Schritt gehen, auch neben dem Platz. Vor der letzten Saison entließ der Klub auf Initiative von Geschäftsführer Ströll darum Trainer Jess Thorup und Sportdirektor Marinko Jurendic – trotz respektabler sportlicher Bilanz, der FC Augsburg steckte letzte Saison immerhin gar nicht wirklich im Abstiegskampf. Eine Entscheidung, die nicht überall auf Verständnis stieß. Kritiker bemängeln die hohe Fluktuation auf der Trainerbank während seiner Amtszeit. Ströll aber bleibt bei seinem Kurs.

Sandro Wagner sollte dabei auch die neue sportliche Ausrichtung beim FCA verkörpern, die Ströll und Reuer vor zweieinhalb Jahren verabredet hatten: Mehr Nachwuchs, mehr eigene Identität, mehr Bodenständigkeit. Bis dahin hatte es kaum ein Spieler aus dem Nachwuchs der Fuggerstädter in die Bundesliga geschafft, mit Mert Kömür ist erstmals ein Eigengewächs Stammspieler. Mit Tobias Jäger, Noahkai Banks und Mahmut Küçükşahin wurden drei weitere Talente fest für die Bundesliga eingeplant, einige weitere stehen auf dem Sprung. Auch das Durchschnittsalter der Neuzugänge betrug vor der Saison nur 24 Jahre. Insbesondere Kömur wusste in dieser Spielzeit auch zu überzeugen und entwickelte sich trotz namenhafter Konkurrenz zum deutschen U21-Nationalspieler.

Doch der Weg mit Wagner scheiterte: Acht Niederlagen gab es in den zwölf Bundesliga-Spielen unter Wagner, gegen den zu dieser Zeit noch ziemlich planlosen VfL Bochum schied man zudem früh im DFB-Pokal aus. Die öffentliche Wirkung die Wagner erzeugte brachte zudem weitere Unruhe in den Klub. Gleichzeitig soll der vormalige Assistent von Bundestrainer Julian Nagelsmann nach innen nicht ausgestrahlt haben, das Runder selbst herumreißen zu können. Baum wiederum steht weitaus mehr als Wagner für Konstanz, wirkt unaufgeregter und ist eng im Umfeld des FC Augsburg verwurzelt. Er ist erfahren im Umgang mit Jugendspielern, kann ihr Potenzial erkennen und entwickeln. Seine Mannschaften spielen vielleicht etwas unspektakulärer, aber effektiv und trotzdem ansehnlich. Baum ist darum eigentlich der logische nächste Entwicklungsschritt für den FC Augsburg.

Manchmal will man im Fußball zu viel auf einmal. Das geht nie gut aus. Entscheidend ist dann, sich auf seine Stärken und den Weg, den man eigentlich gehen will, zurückzubesinnen. Wenn das gelingt, kehrt auch der Erfolg zurück. Beim FC Augsburg scheinen sie das begriffen zu haben.

Unser Newsletter: 1x die Woche exklusive Inhalte kostenlos in Dein Postfach holen:

Von admin