Markus Söder muss heute ganz stark sein: Denn sein FC Bayern ist ganz schön woke.
Und das gerade klimapolitisch.
Denn beim FC Bayern war Luis Diaz im letzten Jahr nicht der einzige Top-Zugang. Auch neu beim Rekordmeister: Die Heizung unter dem Rasen. Jahrelang wurde das satte Grün nämlich mit Gas warmgehalten, ein reichlich energieintensives Verfahren, das in Zeiten steigender Preise und wachsendem Klimadrucks kaum mehr zu rechtfertigen ist. Deshalb wurde die gesamte Rasenheizung auf Luft-Wasser-Wärmepumpen umgestellt. Allein im ersten Betriebsjahr konnten somit rund 750.000 Kilowattstunden eingespart werden. Langfristig soll die gesamte Wärmeversorgung ohne fossile Energieträger auskommen. Das Ziel: energietechnisch autark werden.
Parallel dazu wurde auch die Warmwasserversorgung neu organisiert. Die Umstellung auf dezentrale Warmwasserbereitung brachte wiederum eine Einsparung von mehr als 2.000 Kilowattstunden pro Tag allein in den Sommermonaten.
Auch die Deaktivierung der Lufttrockner in den Fassaden-Folienkissen brachte mehr als 47.000 Kilowattstunden Einsparung pro Jahr. Präzise Steuerungssysteme sorgen zudem dafür, dass nur genutzte Räume beheizt werden. Kühlsysteme nutzen bei niedrigen Außentemperaturen verstärkt die natürliche Frischluftzufuhr.
Für die Fans sogar sichtbar ist der flächendeckende Umstieg auf LED-Technologie. Die Stromkosten für die Außenhülle allein sanken damit um etwa 60 Prozent. Noch subtiler ist das LED-System für die Rasenpflege: Es erlaubt, Licht und Wärme separat zu steuern. Die Pflanzen bekommen dadurch genau das Spektrum, das sie brauchen, ohne unnötige Wärmeentwicklung. Auch das spart Strom- und Energiekosten. Ladestellen für E-Autos gibt es hingegen noch nicht. Sie würden – insbesondere an Spieltagen – die Stromkapazitäten rund um das Stadion übersteigen.
Auf den Dächern des Gästeparkhauses und der sogenannten Vorkontrolle Süd liefern Photovoltaikanlagen mit rund 1,3 Megawattpeak bereits einen relevanten Teil des täglichen Grundstrombedarfs der Arena. Hinzugekauft wird darüber hinaus lediglich Ökostrom.
Ein ebenso wichtiger wie großer Bereich, was Einsparungen und Optimierungen angeht, sind Wasser, Müll und Gastronomie. Der Gesamtwasserverbrauch der Arena lag zuletzt bei 85.472 Kubikmetern pro Jahr, davon 15.635 für die Gastronomie und 5368 für die benötigte Rasenberegnung. Beim Abfall fallen zwischen zehn und fünfzehn Tonnen pro Spiel an. Diese werden allerdings konsequent getrennt, sowohl vor Ort als auch beim Entsorger – immerhin. In der energietechnisch ebenfalls nicht zu unterschätzenden Gastronomie setzt die Arena gemeinsam mit dem Partner DO & CO auf regionale Lieferketten. Kurze Transportwege senken den CO₂-Ausstoß.
Dass all diese Maßnahmen nicht bloß PR-Aktivismus sind, belegt die Zertifizierung nach dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS, seit 2006, kurz nach der Eröffnung der Arena. EMAS verpflichtet nicht nur zur Bestandsaufnahme, sondern zur kontinuierlichen Verbesserung. Auch die DFL schreibt ihren Klubs inzwischen Nachhaltigkeitsstandards vor, verankert in Satzung und Lizenzierungsordnung.
Natürlich ist die Allianz Arena trotzdem kein Naturschutzgebiet. Aber die Umrüstungen des zweitgrößten deutschen Fußballstadions machen deutlich, dass der Weg zur Klimaneutralität gelingen kann. Und sie machen ihn sichtbar, was Fans empowern kann.
Vielleicht ist das doch gar nicht woke, sondern einfach verantwortungsbewusst. Und vielleicht musste Markus Söder beim Lesen dieses Textes doch gar nicht stark sein, sondern konnte sich einfach freuen. Wenn ja: Dann zurecht.
