Die ehrliche, harte Platte ist wortwörtlich das Fundament eines Handballspiels – gewesen. Denn der deutsche Handball testet einen neuen Untergrund. Und der ist aus Glas, funktioniert aber wie ein Fernseher. Hat die Platte also bald ausgedient? Und wenn ja: Warum?

„Der Glasboden ist im Prinzip ein großer LED-Fernseher mit 3D-Fähigkeiten, den wir nutzen, um interaktiv zu kommunizieren und zu inszenieren“, sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, vor dem Final-Four-Turnier des DHB-Pokals in Köln, bei dem der Glasboden erstmals im deutschen Handball zum Einsatz gekommen ist.

Neu ist der Glasboden im Sport aber keineswegs: In der neuen Münchner Halle, in der die Basketballer des FC Bayern spielen, gibt es einen solchen Boden schon. Er ist allerdings, wie auch in vielen Hallen in den USA, fest verbaut. Beim Pokal-Finalturnier kam hingegen eine mobile Variante zum Einsatz: „Wir haben hier einen Glasboden, der tatsächlich erst am Donnerstag installiert wird, und dann am Sonntagabend auch schon wieder abgebaut wird. Das ist ein großer, großer logistischer Aufwand“, erklärte Bohmann. Kurz nach den Handballern nutzten nämlich schon wieder die Kölner Haie die Arena in der Dom-Stadt.

Für den selbsternannten „Super Bowl des Handballs“, sagte Bohmann, „brauchen wir so etwas. Da brauchen wir Innovationen, da brauchen wir auch neue Impulse, um Begeisterung für den Handball auszulösen. Ein Purist würde sagen, ‚Mensch, spiel doch bitte wieder auf Vinyl oder auf dem alten Parkett‘. Aber wir wollen auch neue Fans für den Handball gewinnen.“ Der Boden wurde vor allem zwischen den Spielen und bei Show-Acts eingesetzt. „Während des Spiels ist er ein ganz normaler Handballboden und projiziert auch nur das auf das Handballfeld, was sein darf: ein paar Werbeflächen und vor allem das Handballspielfeld“, sagte Bohmann: „Wir hoffen sehr, dass es das am Ende auch wert ist.“

Der ungewohnte Belag sorgte für unterschiedliche Reaktionen bei den Beteiligten. „Es ist am Anfang ein bisschen komisch, aber man gewöhnt sich schnell daran. Wenn das Spiel anfängt, vergisst man das“, sagte Kapitän Christian O’Sullivan vom SC Magdeburg. Besonders heikel: „Ich wusste gar nicht, dass wir auf so einem Boden spielen“, meinte zum Max Darj vom Meister Füchse Berlin.

Handball-Legende Stefan Kretschmar war von der neuen Technik jedenfalls begeistert: „Das war einfach wirklich Next Level von der Übertragung her. Und ich glaube, dass das für Furore sorgen wird.“ Und träumt schon daran, dass Handball zukünftig immer auf einem XXL-Fernseher gespielt wird: „Das sage ich jetzt mal ganz krass formuliert, wir schauen uns ja im Handball immer ab, was machen andere gut, was machen andere besser und versuchen es dann vielleicht im zweiten Schritt nachzumachen. Wir sind ja nicht die Ersten, die auf dem LED-Glasboden spielen. Wir könnten aber eventuell die Ersten sein, die es verpflichtend mit finanzieller Hilfe machen für die ganze Liga.“

Über die ökonomischen Herausforderungen, die diese Idee mit sich bringt, sei er sich bewusst, dennoch löst der Gedanke Begeisterung bei ihm aus: „Wenn man es hinkriegt und sagt, wir sind die erste Liga, die im Prinzip einheitlich diesen LED-Boden hat, bei allen Bundesligisten, das wäre natürlich schon ein Brett.“ Naja, eben nicht.

Fakt ist: Die deutsche Handball-Liga gehört sportlich zu den besten der Welt. Und muss doch um Aufmerksamkeit kämpfen: Nur knapp 5.000 Zuschauer*innen besuchten die Spiele in der letzten Saison im Schnitt. Immerhin ein neuer Allzeit-Rekord. Gleichzeitig haben Free-TV-Übertragungen weiter Seltenheitswert. Andererseits schauen bei den Übertragungen der Männer-Nationalmannschaft immer wieder mehr als 10 oder sogar 12 Millionen Fans zu. Das zeigt: Potenzial ist da. Und die Handball-Bundesliga versucht es mit neuen Showelementen und spektakulären Bildern zu heben. Die Aufmerksamkeitsökonomie ist spätestens jetzt auch im Spitzensport angekommen.

Sportlich setzten sich im DHB-Pokal übrigens die Füchse Berlin durch, indem sie im Finale den Bergischen HC mit 42:33 besiegten, zur Halbzeit führten sie bereits mit 22:17. Die Füchse Berlin setzten sich im Halbfinale dabei übrigens gegen den TBV Lemgo Lippe mit 39:36 durch, während der Bergische HC den favorisierten SC Magdeburg nach Siebenmeterwerfen 31:30 ausschaltete.

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Von admin