Heute Abend beginnt der 31. Spieltag der Fußball-Bundesliga mit einem Gastspiel von Union Berlin bei RB Leipzig. Klar, dass das Spiel emotional aufgeladen ist. Immerhin gibt sich Union gern als progressiver Kult-Klub aus Ostberlin. Und Leipzig ist als Marketinginstrument eines österreichischen Getränkeherstellers ein passendes Feindbild.

Entsprechend versahen die Eisernen ihre Spieltagsankündigung auch mit einer kleinen Spitze gegenüber den Leipzigern. Neben den Hinweisen für die Stadionbesuchern hieß es: „Also an Leipzig selbst liegt’s ja nicht – schon ne schöne Stadt…“ Trotzdem freue man sich nur bedingt auf die Auswärtsreise.

Dann aber antwortete RB Leipzig: RB teilte vier Bilder von Unions Cheftrainerin Marie-Louise Eta an der Seite des ehemaligen Leipzig. Trainers Marco Rose sowie den Ex-Profis Emil Forsberg (jetzt beim Partnerklub New York Red Bulls) und Dominik Szoboszlai (jetzt beim FC Liverpool). Dazu schrieb der Champions-League-Anwärter: „Eure Cheftrainerin fand nicht nur die Stadt ganz schön…“ Oh man.

Der Großteil der Fans kritisierte in der Kommentarspalte den eindeutig sexistischen Konter. Dies wiesen die Leipziger entschieden zurück: „Sexismus hat bei RB Leipzig keinen Millimeter Platz. Wir freuen uns sehr auf die Rückkehr von Marie-Louise Eta, die 2022 bei RB Leipzig hospitiert und ihre Zeit im Klub anschließend in einer Foto-Collage auf Social Media dokumentiert hat.“ Am Neujahrstag 2023 hatte Eta auf ihrem Kanal einen Jahresrückblick mit jener Collage geteilt. „Diese Collage haben wir nun erneut – mit einem Verweis auf ihre schöne Zeit in Leipzig und als Reaktion auf einen vorherigen Union-Post – veröffentlicht“, begründet RB weiter. Zudem schrieb die Leipziger, dass man diverse Führungspositionen von Frauen besetzt habe. Andererseits: Als Trainer der Leipziger U-20-Frauenmannschaft arbeitet ausgerechnet Etas Mann Benjamin.

Und natürlich kann man die Reaktion seitens RB auch so interpretieren. Aber es ist doch komplett unglaubwürdig, dass ein mehrköpfiges Social-Media-Team nicht gesehen hat, dass man in dem Beitrag auch Sexismus erkennen könnte.

Und genau hier liegt das Problem: Solange das Spiel mit sexistischen Botschaften noch als legitim betrachtet wird, werden wir echte Gleichberechtigung nicht erreichen, wird Marie-Louise Eta nicht einfach als Cheftrainerin bewertet, sondern nur als erste Frau in diesem Job gesehen.

Hinzu kommt, dass trotz aller noch so ausgefeilter Erklärungen gilt: Wer Sexismus als Spielball der eigenen Unternehmenskommunikation nutzt, ist ganz einfach auch Sexist.

Dass es auch anders geht, bewies übrigens ausgerechnet RB-Trainer Ole Werner. Denn nachdem im Dezember 2022, während der Weltmeisterschaft in Katar, die damalige Co-Trainerin der weiblichen U-17-Nationalmannschaft im Trainerteam von Werder Bremen hospitierte, fand der Coach in der Spielvorbereitung nur lobende Worte über seine Kollegin: „Sie ist sehr clever und schlau und eine sehr gute Trainerin“, stellte Werner beispielsweise klar. Dass Eta als erste Frau überhaupt in der Bundesliga auftaucht, überrascht Werner dabei aufgrund ihres Werdegangs nicht: „Wahrscheinlich ist das einfach nur folgerichtig, wenn man ihren Weg in den letzten Jahren verfolgt hat. Ich freue mich, dass sie ihre Chance bekommen hat und wünsche ihr viel Glück – nur nicht am Freitag.“ Geht doch.

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Von admin