„Ich werde bald in meiner 20. Saison am Stück beim FCH sein, was mein mutmaßlich letztes Jahr als Trainer in Heidenheim ist“, sagte Heidenheims Trainer Frank Schmidt vor dem Bundesliga-Kellerduell mit dem FC St. Pauli heute ab 15:30 Uhr. Und weiter: „In der Vergangenheit habe ich meinen Vertrag immer frühzeitig langfristig verlängert. So habe ich mich jetzt aber nicht gefühlt. Es wäre nicht fair von mir gewesen, das Angebot anzunehmen und mir persönlich Sicherheit zu verschaffen.“

Heidenheims Weg unter Schmidt führte ab 2007 aus der damals viertklassigen Oberliga bis zum Bundesliga-Aufstieg 2023. In 741 Partien unter seiner Leitung kommt er auf einen Punkteschnitt von 1,6. Was gerade in Anbetracht des Immer-Wieder-Aufsteigens ziemlich beeindruckend ist. Doch in dieser Saison läuft es sportlich nicht: Schmidts FCH würde im Falle einer Niederlage gegen St. Pauli als erster Absteiger dieser Bundesliga-Saison feststehen. Ein vorzeitiger Abschied schon in diesem Sommer kommt aber aufgrund der Verdienste weder für Schmidt noch für die Vereinsführung infrage.

„Natürlich habe ich auch mal darüber nachgedacht, aufzuhören. Wenn die sportlichen Ergebnisse fehlen, wäre es komisch, sich nicht selbst zu hinterfragen. Wenn die Unterstützung aber vorhanden ist, bin ich keiner, der wegläuft. Weder im Erfolgsfall – was ich hätte tun können, um den nächsten Schritt zu gehen – noch in der aktuellen Situation“, führte Schmidt aus. „Ich habe den Antrieb, kommende Saison in meinem 20. und letzten Vertragsjahr etwas Gutes zu schaffen – was auch immer das dann sein mag.“ Vor seiner Zeit als Trainer spielte Schmidt bereits seit 2003 auf der Ostalb.

Warum also jetzt das Ende dieser Rekord-Ära im deutschen Profifußball? Er habe sich schon vor langer Zeit vorgenommen, nicht bis zum Rentenalter auf der Trainerbank sitzen zu wollen. „Ich hatte die vergangenen knapp 20 Jahre kaum Pausen, der Job ist ein Hamsterrad, das kaum Möglichkeiten bietet, mal auszubrechen. Und das habe ich in meinem Leben noch mal vor“, erklärt Schmidt. Womit ausgerechnet das immer schneller werdende Fußballgeschäft der Grund für den Rücktritt eines Trainers ist, der viele Fans immer noch an die gute, alte Zeit erinnert. Überraschend aber kommt die Entscheidung nicht. Schon in einer Dokumentation, die vor gut 15 Jahren erschien, verriet er, dass seine Frau nicht glücklich gewesen sei, dass er nach dem Ende seiner Spielerkarriere gleich als Trainer weitergemacht habe.

Doch der Trainer Frank Schmidt ist weit mehr als ein Denkmal für beständigere Zeiten im Fußball. Über Jahre erarbeitete er sich einen Ruf als brillianter Taktiker, vor allem im In-Game-Coaching hat er dabei seine Stärken. Insofern irgendwie auch passend, dass er jetzt mitten im seinem eigenen Leben nochmal eingreift und sich aufmacht, etwas Neues zu entdecken.

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Von admin