Bis zu fünf Millionen Menschen verfolgten die Spiele des Frauenteams der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei Olympia. In der höchsten deutschen Spielklasse, der blossom-ic Deutsche Frauen Eishockey Liga (DFEL), gehen hingegen nur fünf Teams an den Start – und davon kommen auch nur vier aus Deutschland: Neben den Memmingen Indians, den Eisbären Berlin, dem ERC Ingolstadt und den Mad Dogs Mannheim spielt nämlich auch der HK Budapest in der deutschen Frauen-Liga mit. Und die Ungarn wurden hinter Memmingen sogar Hauptrunden-Zweite. Eine nachhaltige Entwicklung des deutschen Frauen-Eishockeys ist so kaum möglich.
Das Problem: In der DFEL treffen weite Fahrwege und damit verbunden hoher Zeitaufwand und immens weite Reisewege auf ein geringes Zuschauer- und Sponsoreninteresse. Viele Traditionsklubs wie die Kölner Haie treten deswegen lieber in der regional-organisierten zweiten Liga an – obwohl sie sofort in die erste Liga wechseln und dort wohl sportlich ohne Probleme bestehen könnten. Das aber begrenzt die spielerische Qualität der Liga und damit eben auch die Entwicklungsmöglichkeiten des Frauen-Eishockeys insgesamt. Die Spielerinnen haben unter diesen Voraussetzungen de Facto keine Chance, sich professionelle Strukturen zu erarbeiten. Im Gegenteil: Um unter professionellen Bedingungen ihren Sport ausüben zu können, sind viele Spielerinnen gezwungen, sich bei der Bundeswehr zu verpflichten.
Daran soll sich aber jetzt – wenn auch langsam – etwas ändern: Der Deutsche Eishockey-Bund e.V. (DEB) unterstützt die DFEL ab sofort mit 100.000 Euro pro Saison. Die Fördermittel kommen direkt den Vereinen zugute. Sowohl jenen, die bereits in der höchsten deutschen Eishockey-Frauenliga aktiv sind, als auch solchen, die den Einstieg planen. Mit der Förderung will der DEB dazu beitragen, die Ligastruktur der DFEL nachhaltig zu stärken, neue Teams ansprechen. Die Kriterien zur Auszahlung der Fördermittel werden derzeit von Leistungssportrefentin Ronja Jenike und dem Leiter des DFEL-Spielbetriebs, Jonas Schwarzfischer, ausgearbeitet.
Frank H. Lutz, Vorstandsvorsitzender des DEB, sagt: „Wir sind überzeugt, dass eine starke Ligastruktur die Grundlage für das Wachstum des Frauen-Eishockeys in Deutschland ist. Deshalb haben wir die Entscheidung getroffen, die blossom-ic DFEL dauerhaft zu fördern. Die Mittel sollen direkt den Vereinen zugutekommen, damit der Sport insgesamt wachsen kann und auch unsere Frauen-Nationalmannschaft davon profitiert. Als DEB wollen wir dabei vorangehen.“
Der Schritt entlastet teilnehmende – und potenziell teilnehmende – Mannschaften spürbar, ersetzt aber natürlich keine weitreichende Reform. Denkbar wäre darüber hinaus, dass sich die DEL- und DEL 2-Teams darauf verständigen, dass das Melden einer Frauen-Mannschaft Lizensierungsvoraussetzung wird. Und ihre Stammvereine auch Frauen-Mannschaften aufbauen sollen. Die Eishockey-Investoren der Männer müssten dann investieren. Für den Übergang wäre es zudem auch vorstellbar, die DFEL in mehrere Staffeln zu unterteilen, die in der Herbst-Staffel eine regionale Vorrunde mit geringerem Zeit- und Reiseaufwand ausspielt, bevor in der Frühlings-Staffel deutschlandweit die Meisterinnen ermittelt werden. Damit könnte man die Ausweitung der Liga mit den damit verbundenen besseren sportlichen Entwicklungsmöglichkeiten mit den begrenzten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im deutschen Eishockey in einen Ausgleich bringen – zumindest erstmal. Denn andere Sportarten zeigen: Etabliert sich eine Frauen-Liga erst einmal als ernstzunehmender sportlicher Wettbewerb, wird hier auch wirtschaftliches Arbeiten bei gleichzeitiger Professionalisierung möglich.
Jedes Jahr müssen viele junge Spielerinnen ihren Traum von sportlichen Erfolgen im Eishockey aufgeben – nur wegen der Rahmenbedingungen. Das ist ungerecht. Daran muss sich etwas ändern. Und zwar schnell – passend zum Eishockey, dem schnellsten Mannschaftssport der Welt.
