In Argeninien gibt es einen schwulen Profifußballer: Ignacio Lago (23), genannt Nacho, lebt seit rund einem Jahr offen mit seinem Freund – allerdings ohne, dass das bislang groß jemanden interessiert hätte. Dabei ist seine Homosexualität eigentlich kein Geheimnis. Schon im Jahr 2025 gab Nacho nämlich einen lokalen Radiosender ein Interview. Darin wird er mit Videobotschaften von Angehörigen überrascht – darunter auch eine seines Partners.
„Hey, Gordo!“, beginnt dieser. „Ich hoffe, dir hat die Überraschung gefallen! Ich weiß, dass deine Großeltern eine sehr wichtige Stütze in deinem Leben sind. Alles, was ich tun kann, ist, dir zu gratulieren und dir zu danken, dass du ein so großartiger Mensch bist. Du bist so professionell. Ich weiß, wie viel Einsatz du zeigst, ich weiß, dass du einen Traum hast, und ich liebe dich sehr. Ich schicke dir einen dicken Kuss und danke dir, dass du die Farben meiner Stadt verteidigst.“
Lago zeigte sich in der Aufnahme bewegt. Er erklärte, er würde seine Großmutter gerne umarmen, und scherzte über seinen Großvater, der sehr „anspruchsvoll“ sei. Zugleich wird deutlich, dass sein Partner die Videobotschaften organisiert hatte. „Ich weiß nicht, wie ich das nicht bemerkt habe“, sagte Lago und ergänzte, dass sie zusammenleben. „Das ist typisch für ihn. Er ist sehr aufmerksam und zeigt seine Zuneigung auf eine ganz besondere Weise.“ Über seine Beziehung selbst erklärte der Fußballer darin weiter: „Es ist eine irrationale Liebe. Wir leben das so, genau wie beim Fußball. Wir sind besessen, und wir versuchen, das auszudrücken, was wir fühlen.“
Die Resonanz auf das Interview bleibt aus. Obwohl es ein Softouting ist und schwule Fußballer weltweit eine Seltenheit. Lago steht beim Zweitligisten Club Atlético Colón unter Vertrag, der zu den größten Vereinen in der Region Santa Fe zählt. Lago spielt dabei bereits rund eineinhalb Jahre für Colón. Zuvor war er vom Erstligisten Talleres ausgeliehen worden, im Januar 2025 folgte die feste Verpflichtung – während er sich von einem Kreuzbandriss erholte. In der aktuellen Saison gehört Lago zu den Leistungsträgern seines Teams. In sieben Ligaspielen erzielte er bislang drei Tore und bereitete einen weiteren Treffer vor. Medienberichten zufolge steht eine Vertragsverlängerung bis zum Ende der kommenden Saison im Raum. Aber erst nach seinem Treffer zum 3:0-Endstand im Heimspiel gegen San Miguel am Wochenende interessierten sich viele Fans plötzlich verstärkt für ihn. Dabei stoßen sie, mit einem Jahr Verzug, auch auf das Radiointerview.
In Südamerika hat es bislang keinen offen homosexuellen aktiven Profi im Männerfußball gegeben. Weltweit ist die Zahl ebenfalls gering. Aus Südamerika zählen dazu unter anderem die Brasilianer Emerson Ferretti und Richarlyson, die sich allerdings erst nach ihrer Karriere äußerten. Zwei Torhüter aus unteren Ligen – Messi aus Brasilien und Nicolás Fernández aus Argentinien – bekannten sich während ihrer aktiven Zeit. In Argentinien selbst sind bislang nur wenige offen homosexuelle Sportler in großen Teamsportarten bekannt, darunter der Basketballspieler Sebastián Vega und der Hockey-Olympiateilnehmer Nico Keenan. Wie also würden die Fans auf das Nacho-Outing, das ja gar kein richtiges Outing gewesen ist, reagieren?
Ein Fan schrieb in sozialen Netzwerken: „Er spielt seit drei Jahren für Colón. Wir wussten es eigentlich alle. Abgesehen davon, dass er ein großartiger Mensch ist, war er immer der beste Spieler im Team.“ Auch große argentinische Medien griffen das Thema auf, besprachen es positiv. Und vielleicht ist gerade das die wichtigste Botschaft dieses Textes: Dass man keine große Nummer aus etwas machen sollte, dass doch eigentlich einfach selbstverständlich sein sollte.
