Meistens geht es beim Giro d’Italia um die schnellsten Rennzeiten – manchmal aber geht es um mehr. Um einen rot-lackierten Fingernagel zum Beispiel. Den trägt aktuell der Däne Jonas Vingegaard und zieht damit bei den Rennen viel Aufmerksamkeit auf sich. Der Hintergrund aber ist ernst.

„Wir wollen die Situation von Kindern in Dänemark verbessern“, erklärte Vingegaard, übrigens auch Topfavorit auf den Giro-Sieg, nämlich. „Jedes sechste Kind in Dänemark wird von seinen Eltern psychisch oder physisch misshandelt. Wir wollen dagegen ankämpfen. Jedes Kind hat es verdient, sich zu Hause wohlzufühlen.“ Neben Vingegaard selbst starteten auch seine Visma-Teamkollegen Victor Campenaerts, Wilco Kelderman, Timo Kielich, Sepp Kuss, Bart Lemmen, Davide Piganzoli und Tim Rex mit lackiertem Fingernagel.

Damit werben die Radsportler um Unterstützung und Spenden für Börns Vilkars. Börn Vilkars wurde in den 1970er-Jahren in Dänemark gegründete und engagiert sich seither in vielen verschiedenen Aktionen und Programmen gegen Gewalt gegen Kinder.

Der rot-lackierte Fingernagel ist dabei schon seit zehn Jahren das Zeichen für den Kampf gegen Kindesmissbrauch. Und das kam so: Nach dem Tod ihres Vaters kam ein kambodschanischen Mädchen namens Thea in ein Waisenhaus – ein Ort, an dem sie eigentlich sicher sein sollte. Aber Thea erlebte in dem Waisenhaus täglich sexuelle und körperliche Gewalt. Erst die Organisation YGAP konnte Thea aus dieser Hölle retten. Kurz darauf traf sie Elliot Costello, den YGAP-Leiter. Die beiden spielten zusammen. Als ihr Treffen endete, malte Thea ihm ein Herz auf die Handfläche und lackierte seine Fingernägel.

Nach Studien von YGAP wird weltweit eines von fünf Kindern vor seinem 18. Geburtstag sexuell missbraucht oder geschlagen – darum soll auch symbolisch ein Fingernagel lackiert werden. Die Aktion soll Aufmerksamkeit erzeugen und jede*n von uns für die Dimension des Themas sensibilisieren.

Aber auch sportlich läuft es für Jonas Vingegaard bei der Italien-Rundfahrt bislang gut. Zwar ist der Giro noch lange nicht in seiner entscheidenden Phase angekommen, in den drei bisherigen, kaum bergigen Etappen konnten bislang vor allem die Sprinter glänzen, doch Vingegaard liegt bereits auf Platz 19 im Gesamtklassment. Klingt unspektakulär, aber damit ist er nahezu zeitgleich mit dem sechstplatzierten Schweizer Jan Christen und nur zehn Sekunden hinter dem aktuell führenden Thomas Silva aus Uruguay unterwegs. Und nur darum geht es für die Berg-Experten wie Vingegaard bislang. Bester Deutscher ist aktuell übrigens Florian Stork auf Position zwei. Heute ist Ruhetag, morgen steht noch eine flache Etappe an, erst Mittwoch dann beim ersten Bergtest wird es für Vingegaard unsere Konkurrenten richtig ernst. Dann gilt es, auch sportlich eine gute Figur zu machen.

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Von admin