Zeit für eine neue Serie auf FanLeben.de: Ex-Profis im Amateurfußball! Denn Anfang machte hier Mehmet Ekici. Es folgten Marcel Halstenberg, Julian Schieber, Ibrahima Traore und Kevin Großkreutz, während Ömer Toprak den umgekehrten Weg ging. Es ging bereits darum, wie Andreas Görlitz sogar in der Politik aktiv geworden ist, Almut Schult eine neue Position gefunden hat, Daniel Didavi als Hobby-Trainer durchstartet. Außerdem berichteten wir über Nicolas Höflers Rückkehr auf die Freiburger-Fußball-Schulbank und Ronaldinhos Comemacht in Italiens dritter Liga. Heute geht weiter – mit Kevin Volland!
Nein, einfach war das vergangene Jahr für Kevin Volland keineswegs. Erst seine umjubelte Rückkehr zu seinem Jugendverein 1860 München, mit dem er eigentlich um den Zweitliga-Aufstieg spielen wollte. Dann eine sportlich enttäuschende Saison, die schlussendlich sogar mit dem Zwangsabstieg endete. Eigentlich hätte der Stürmer, der in seiner Karriere auch für die TSG Hoffenheim, Bayer Leverkusen, die AS Monaco und den 1. FC Union Berlin spielte, Grund genug, jetzt erstmal eine Auszeit vom Fußball generell zu forcieren. Aber die Worte des sechsfachen deutschen Nationalspielers selbst lassen durchblicken, dass er die Dinge differenzierter sieht: „Auch wenn wir einen schlechten Fußball gespielt und die Erwartungen nicht erfüllt haben, fand ich es ein cooles Jahr. Aber in den letzten Wochen der vergangenen Saison, als wir nach dem Cottbus-Spiel total den Faden verloren hatten und es gar nicht mehr lief, sind auf die Mannschaft und mich sehr viele negative Dinge eingeprasselt.“ Und weiter: „Der Zwangsabstieg kam ja für uns Spieler sehr abrupt, wie aus dem Nichts. Wir konnten es nicht glauben.“
Also nutzte Volland die Zeit zu reflektieren, was ihm trotz allem Freude bereitet hatte in den vergangenen Monate: „Ich habe schon ein sehr intensives Jahr hinter mir. Ich musste am Anfang auch mal darauf hinweisen, dass ich wegen des Sports da bin und nicht wegen jedem Sponsorentermin. Das war phasenweise schon sehr viel.“ Und folgerte daraus, wie es für ihn in Zukunft weiter gehen soll: „Wenn man dann über die letzten Wochen so viel mitbekommt, alles ungewiss ist und dein Bauchgefühl dir sagt, dass auch der Spaß verloren geht, dann wird es zäh und hat für niemanden einen Mehrwert.“ An den Löwen hängt er zwar weiter, aber weiter kicken will er woanders.
Und zwar im Amateurfußball, in seinem Heimatdorf. In der kommenden Saison wird Volland wieder das Trikot des FC Tahlhofen tragen. Der Bezirksligist freut sich dabei schon gewaltig auf den Rückkehrer: „Kevin, du hast deine ersten Schritte im Fußball bei uns gemacht und bist von hier aus diesen beeindruckenden Weg gegangen. Wir sind unglaublich stolz auf alles, was du erreicht hast – und noch stolzer darauf, dass du trotz der Entfernung immer ein großer Teil unserer Vereinsfamilie geblieben bist.“ Und weiter: „Mit deiner Erfahrung, deinem außergewöhnlichen Talent und vor allem deinem Charakter wirst du unsere Mannschaft bereichern und weiterentwickeln.“
Kevin Volland will den Spaß am Fußball wiederfinden – nach diesem turbulenten Jahr durchaus verständlich. Und einen Hehl daraus gemacht, dass er sich nach einer Rückkehr nach Hause sehnt, hat er auch nie. Mit etwas mehr Distanz wird er aber natürlich auch 1860 weiterverfolgen: „Ich glaube, es wäre wichtig, dass da jetzt nachhaltige Strukturen aufgebaut werden“, sagt er. Und lässt die Fans aufhorchen: Denn dann könnte sich Volland auch eine Rückkehr nach Giesing vorstellen – nur halt nicht als Spieler, sondern als Funktionär.
