Wechselt Karim Adeyemi zum FC Barcelona

Seit Monaten wird über die Zukunft von Karim Adeyemi, dessen Vertrag bei Borussia Dortmund im nächsten Sommer ausläuft, diskutiert. Der BVB soll an einer Vertragsverlängerung interessiert sein, Adeyemi auf eine Ausstiegsklausel bestanden haben, welche die sportliche Führung ihm – anders als zum Beispiel Nico Schlotterbeck – aber nicht gewähren wollte. Diese Haltung ist durchaus verständlich: Anders als Schlotterbeck war Adeyemi zuletzt nicht unumstrittener Stammspieler beim BVB, ist, auch aufgrund seines Verhaltens abseits des Platzes, nicht unumstritten. Wenn Ausstiegsklauseln die absolute Ausnahme seien sollen, dann war die Konsequenz der BVB-Entscheider hier nachvollziehbar.

Doch deswegen sondierte der Offensivspieler zuletzt offenbar selbst den Markt – und hat eine für sich spannende Alternative gefunden: Der FC Barcelona soll an Karim Adeyemi interessiert sein. Bei den Katalanen könnte Adeyemi als Offensiv-Allrounder Lamine Yamal und Raphina entlasten, während Anthony Gordon, der aus Newcastle kam, den nach Manchester zurückgekehrten Marcus Rashford ersetzt. Insbesondere Yamal gehörte in der letzten Saison zu Barcas Dauerbrennern. Barcelona sucht außerdem noch nach einem Ersatz von den Ex-Borussen Robert Lewandowski, der zu Chicago Fire in die US-amerikanische MLS wechselt. Mit Ferran Torres steht aktuell nämlich nur ein Mittelstürmer in Kader und dessen Vertrag läuft auch 2027 aus. Gehandelt wird deswegen auch Argentiniens Nationalspieler Julian Alvarez, aber selbst wenn der von Atletico Madrid nach Barcelona wechseln würde, wäre noch Platz für den flexibelen Adeyemi.

Neben dessen sportlichen Qualitäten sprechen noch zwei weitere Dinge für einen baldigen Barcelona-Wechsel Adeyemis. Zum einen vertritt ihn die Berateragentur Gestifute, bei der auch die Barca-Spieler Alejandro Balde, Marc Casadó und Lamine Yamal selbst unter Vertrag stehen. Zum anderen wird Adeyemi zu FCB-Trainer Hansi Flick eine enge Verbindung nachgesagt. Denn Flick war es, der Adeyemi 2021 zum Nationalspieler machte, er nominierte ihn auch für die Katastrophen-WM in Katar. Dass Flick-Nachfolger Julian Nagelsmann bei dieser WM auf Adeyemi verzichtete, könnte dessen Vertrauen in Flick noch einmal gestärkt haben.

Sportlich wirkt Barcelonas Interesse an Karim Adeyemi allerdings überraschend, hatte der gebürtige Münchener zuletzt doch seinen Stammplatz bei der Borussia verloren. Aber: Wenn Adeyemi auf dem Platz stand, war er auch gefährlich. Gemessen an der überschaubaren Spielzeit von 1.836 Minuten in 39 Einsätzen kann sich die Ausbeute des Linksfußes mit 16 Torbeteiligungen ja durchaus sehen lassen, denn immerhin entspricht das durchschnittlich einem Scorerpunkt alle 115 Minuten. Zwar weißt Adeyemis Spiel immer mal wieder technische Unsauberkeiten, wie eine schludrige Ballannahme, auf, aber mit seinem Tempo und seinem Willen kann er – gerade als Einwechselspieler – sofort neue Impulse in einem Spiel setzen. Er könnte eine zusätzliche Variabilität in Barcas Spiel einbringen, gerade für La Liga wäre er damit eine wertvolle Ergänzung für das Flick-Team.

Beim BVB hingegen scheint man Adeyemi keine größeren Steine in den Weg legen zu wollen. Hört man sich unter den schwarz-gelben Fans um, begegnet einem auch wenig Skepsis, ob des möglichen Abgangs. In den Zentrum-orientierten Spielstil von Nico Kovac scheint Adeyemi wenig zu passen, zumal seine Disziplin in der Arbeit gegen den Ball noch immer zu wünschen übrig lässt. Kovac setzt eher auf den kampfstarken und fleißigen Maximilian Beier, der allerdings weniger Esprit einbringt. Ein Abgang jetzt wäre bei einer marktwertgerechten Ablösesumme darum nur folgerichtig.

Nichtsdestoweniger könnte man sich über den Verlust noch ärgern. Im Champions-League-Finale gegen Real Madrid war Karim Adeyemi aufgrund seiner Schnelligkeit der auffälligste Borusse, würde es Kovac gelingen, ihn – neben Beier und Fabio Silva – in (s)ein Spielsystem zu integrieren, könnte die Dynamik der BVB-Offensive mit Adeyemi ein neues Level erreichen. Aber dafür, dass das gelingt, gibt es nach vier eher mäßigen, weil zu unkonstanten Jahren eben einfach zu wenig Anhaltspunkte.

Nicht unwahrscheinlich, dass der Stürmer genau diese Schwäche beim FC Barcelona besser in den Griff bekommen wird. Denn gerade, wenn er unter Druck stand, konnte Karim Adeyemi in der Vergangenheit seine besten Leistungen zeigen. Und mehr Druck hätte er bei den Katalanen sicher, weil er dann als Einwechselspieler vor allem in kritischeren Spielsituationen eingesetzt würde. Zumal auch das hohe Pressing, das Flick favorisiert, Adeyemis schneller Spielweise mehr liegen dürfte, als die eher tief-stehende Ordnung des Kovac-BVBs.

Schade – aber Karim Adeyemi wird damit wohl eins der größten „what if“s der jüngeren Vereinsgeschichte bleiben.

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Von admin