Bleibt Rudi Völler Sportdirektor beim Deutschen Fußball Bund? Für den Fall, dass er Bundestrainer wird, würde Jürgen Klopp das auf jeden Fall begrüßen: „Wenn es so kommen sollte, wäre es ja total hilfreich, jemanden dazuhaben, der die Abläufe kennt. Rudi mit seiner Fußball-Erfahrung, aber vor allem auch mit seiner langjährigen Arbeit im Verband. Während ich ja, wenn ich es werden würde, keinerlei Erfahrung habe. Ich habe weder Nationalmannschaft gespielt noch irgendwann mal eine trainiert“, erklärte der aktuell heißeste DFB-Kandidat in seinem aktuellen (Neben-)Job als WM-Experte bei Magenta. Klopp will also jemanden dabei haben, der den DFB, aber vor allem die Abläufe rund um eine Nationalmannschaft kennt. Beim DFB arbeiten mehr als tausend Beschäftigte, die wenigsten neueingestellt. Und Vielleicht-Klopp-Vorgänger Julian Nagelsmann hatte zuletzt noch die gute Organisation der Abläufe rund um die Nationalmannschaft gelobt, das Teammanagement scheint also eigentlich zu stimmen.

Warum will Klopp Völler also wirklich?

Fest steht, dass sich zuletzt viele für dessen Verbleib eingesetzt hatten. Zuforderst DFB-Vize Hans-Joachim Watzke, der Völler nach der WM-Schlappe 2022 überhaupt erst für den Job als Sportdirektoren ins Spiel brachte und auch mit Klopp gut befreundet ist. Aber auch Oliver Mintzlaff, als Red-Bull-Chef für Klopps Wechselfreigabe in Richtung DFB verantwortlich, soll positiv auf den Amtsinhaber eingewirkt haben.

Mit Erfolg übrigens: „Entscheidend ist der sportliche Erfolg, dem muss ich mich auch stellen“, erklärte Völler gestern nämlich: „Für mich ging es darum: Macht es noch Sinn? Bin ich noch gewollt?“ Seine Antwort: „Ich mache weiter.“ Mindestens bis zur Europameisterschaft 2028, so lange läuft sein Vertrag nämlich ohnehin noch, vielleicht aber auch darüber hinaus. Er habe sich schließlich schon häufiger vorgenommen, abzutreten, „und mich dann immer wieder umstimmen lassen“.

Für Völler spricht sein immenser Erfahrungsschatz im deutschen Fußball und die außergewöhnliche Sympathie, die ihm deutschlandweit von Fußballfans entgegenschlägt – gerade neben einem noch jungen Bundestrainer, der vor allem mit seiner Art immer wieder aneckte, waren diese Eigenschaften sicher Gold wert. Aber Klopp muss doch eine entsprechende Euphorie aus sich aus erwecken können. Und Völlers Stallgeruch könnte, so sehr der mächtige Watkze doch vertraute Gesichter schätzt, bei den notwendigen Reformen eher hinderlich sein.

Im deutschen Fußball gehört alles auf den Prüfstand – findet übrigens auch Jürgen Klopp: „Wenn man dann liest, dass darüber nachgedacht wird, ob Rudi Völler mit mir kann im Fall des Falles, fand ich schon, dass es mal gut ist, dass wir mal miteinander direkt sprechen. Und da habe ich ihm gesagt: Also an mir würde es nicht scheitern“, so der bald Bundestrainer. Der verspricht, trotz personeller Konstanz kaum einen Stein auf den anderen lassen zu vollen: „Ich war lange bei Vereinen und mir war nie nur die erste Mannschaft wichtig. Das eine ist das nächste Spiel, das andere ist die Zukunft der kompletten Nummer. Um etwas zu verändern, muss man erst mal wissen, was wirklich passiert.“ Durchgriff auf die U-Mannschaften könnte der Neu-Bundestrainer dabei unter anderem über den amtierenden DFB-Nachwuchsdirektor nehmen: Hannes Wolf gilt als langjähriger Klopp-Vertrauter, denn Klopp war es, der Wolf, damals Spielertrainer beim ASC Dortmund, als Nachwuchscoach zum BVB holte. Und auch auf der Position des DFB-Sportgeschäftsführers steht zum Jahresende eine Veränderung an, da Andreas Retting angekündigt hat, „aus persönlichen Gründen“ seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Als Nachfolgekandidat hier gilt Per Mertesacker, dessen Vertrag als Akademieleiter beim FC Arsenal gerade ausgelaufen ist, der jetzt eine kurze Verschnaufpause einlegt, sich aber grundsätzlich vorstellen kann, eine Position beim DFB zu übernehmen – und über den Watzke sagt, dass über seinen Namen „sicher schon gesprochen“ wurde.

Zumal sich der Sportdirektor selbst zuletzt auch erstmals (und sehr vorsichtig) kritisch über Nagelsmann geäußert hatte: „Ich habe schnell gemerkt, dass diese Diskussion, durch die Nominierung, durch Aufstellung, durch ein paar unglückliche Aussagen von Julian, dass dann die Stimmung nicht richtig gut rüberkam. Das habe ich schon verstanden, habe ich auch mitbekommen.“ Die Bilder des Bundestrainer und seiner Frau auf dem Fahrrad etwa seien hinderlich gewesen. Gleichzeitig ordnet Völler ein: „Aber deswegen haben wir nicht drei Elfmeter verschossen im Spiel gegen Paraguay. Oder der Schiri hätte auch das Tor geben können von Jonathan Tah, das hat damit auch nichts zu tun.“ Vielleicht also ist Nagelsmann ein besserer Klub- als Nationaltrainer, wertvolle Erkenntnis.

Der Völler-Verbleib beim DFB ist sicher kein Innovationstreiber. Doch Völler kann Druck aus öffentlichen Debatten nehmen, Klopp auch gegenüber den eher konservativen DFB-Entscheidern stärken und ihm so mehr Handlungs- und Hausmacht geben. Das kann funktionieren – ist aber nicht die mutigste Lösung.

Klopp stand zuletzt immer wieder selbst mal in der Kritik. Gleichzeitig verspricht er mehr Euphorie als jeder andere Bundestrainer-Kandidat. Vielleicht ist der Völler-Airbag gerade deswegen kein so ganz schlechtes Konstrukt.

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Von admin