Sportlich ist über die Europameisterschaft 2024 in den letzten Tagen viel diskutiert worden. Dabei ging es darum, ob das Heim-Turnier aus deutscher Sicht trotz des unglücklichen Viertelfinal-Aus‘ gegen Spanien – wegen eines nicht-gegebenen Handelfmeters – sportlich positiv verlaufen ist oder eben nicht – wichtig, um die Gesamtbilanz des bei der WM mindestens mal unglücklich agierenden Bundestrainer Julian Nagelsmann bewerten zu können.
Jetzt aber rückt die EM auch aus anderen Gründen wieder in den Fokus: Denn gestern wurden sowohl die DFB-Zentrale als auch zahlreiche Stadtverwaltungen bundesweit durchsucht. Hintergrund ist ein Korruptionsverdacht bei der Ticketvergabe. So soll ein damaliger Mitarbeiter der Gastgeberstadt Gelsenkirchen ohne Genehmigung ein Ticket für ein Spiel angenommen haben. Er soll das Ticket von Verantwortlichen der ausrichtenden Gesellschaft bekommen haben. Der heute 66-jährige soll bereits wegen ähnlicher Delikte aktenkundig und inzwischen nicht mehr im öffentlichen Dienst beschäftigt sein.
Außerdem sollen den Gastgeberstädten an den insgesamt zehn Spielorten demnach exklusive Vorkaufsrechte für Eintrittskarten angeboten worden sein. Teils sind diese den Angaben nach in Anspruch genommen worden. Ermittelt wird wegen des Verdachts der Vorteilsannahme und der Vorteilsgewährung. Und das gegen die Euro 2024 GmbH, eine Tochterfirma von UEFA und DFB. Die Firma hatte ihren Sitz dabei auf dem DFB-Campus in Frankfurt am Main, die UEFA wiederum war Mehrheitsgesellschafterin, sowohl UEFA als auch DFB stellten die Geschäftsführung und besetzten darüber hinaus auch gemeinsam den Aufsichtsrat. Auch gegen Aufsichtsräte wird ermittelt. Der 2014er Weltmeisterkapitän Philipp Lahm war zudem als Turnierdirektor für die Gesellschaft tätig. Bislang hatten die Beschuldigten keine Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern, wie die Ermittler ausführten. Es gelte die Unschuldsvermutung.
Immer wieder ist es in der Vergangenheit zu Korruptionsskandalen bei internationalen Fußballturnieren gekommen. Der DFB – in den vergangenen Jahren auch wegen möglicher Steuerdelikte immer wieder im Fokus der Ermittler*innen – hatte diese stets kritisiert. Allerdings soll auch die als Sommermärchen bekanntgewordene WM 2006 betroffen gewesen sein. Außerdem hatten die DFB-Delegierten in den FIFA- und UEFA-Gremien sich bisweilen gegen strenge Transparenzregel positioniert und die jeweiligen Verbandspräsidenten trotz der Vorwürfe stets mit(wieder)gewählt. Zudem traten sowohl Wolfgang Niersbach als auch Reinhard Grindel als DFB-Präsidenten wegen ähnlicher Vorwürfe zurück; ein Verfahren gegen ihren Amtsvorgänger Theo Zwanziger wegen Steuerhinterziehung im Amt des DFB-Präsidenten wurde gegen Zahlung einer Geldstrafe von 10.000€ eingestellt.
Kurzum: Fairplay neben dem Platz bleibt im Fußball weiter Thema. So wie die Schiedsrichterentscheidungen auf dem Platz. Nur mit einer noch bedeutsameren gesellschaftlichen Dimension.
