Der Abstieg der Fußball-Männer von Fortuna Düsseldorf in die 3. Liga hat weitreichende Folgen. Zahlreiche Mitarbeiter*innen abseits des Platzes wurden betriebsbedingt gekündigt, die Abschiedsbotschaft des langjährigen Social-Media-Admins der Fortuna rührte viele Fans in den sozialen Netzwerken. Und auch insgesamt stieß der radikale Stellenabbau im Verein auf deutliche Kritik: Denn damit zahlen leidenschaftliche Fortunen, die in den letzten Monaten engagiert gearbeitet haben, den Preis für das sportliche Versagen der – sehr gut bezahlten – Profifußballer. Das ist natürlich ungerecht.

Doch nicht nur bei seinen Mitarbeiter*innen setzte Fortuna Düsseldorf den Rotstift an. Auch eine ganze Vereinsabteilung wurde abgestoßen: In Zukunft wird beim Verein aus der NRW-Landeshauptstadt kein Amputierten-Fußball mehr gespielt. Die finanzielle und strukturelle Unterstützung des Teams wird eingestellt. Und das, obwohl die Amputierten-Fußballer*innen von Fortuna Düsseldorf sogar erstklassig sind. Mehr noch: Die Mannschaft war sogar bereits Düsseldorfs Sportteam des Jahres, zu ihr gehörten auch mehrere deutsche Nationalspieler, darunter Jamie Knowles, Jonas Lappe, Marco Reinecke, Benito Salazar, Majed Sajid und Angelo Trosino. Die deutsche Nationalmannschaft ist für die im November in Mexiko stattfindende Weltmeisterschaft qualifiziert. Der Trainer der Düsseldorfer Mannschaft, Claudiusz Dittrich, ist auch Nationaltrainer. Fortuna Düsseldorf spart also nicht nur am Staff neben dem Platz, sondern auch an der Inklusion. Das erzeugt ein trübes Bild für den Verein.

Denn der Amputierte-Fußball ist eine dynamische und leistungsorientierte Variante des Fußballs für Menschen mit Arm- oder Beinamputationen oder ähnlichen Beeinträchtigungen. Gespielt wird ohne Prothesen: Feldspieler mit Beinamputation oder von Geburt an verkürzten Beinen bewegen sich mit Unterarmgehstützen fort, Torhüter haben eine Armamputation oder eine ähnliche Beeinträchtigung. Der Sport wird nach international einheitlichen Regeln ausgetragen und zeichnet sich durch hohe Intensität, Technik und Teamgeist aus. In Deutschland wird der Amputierte-Fußball von der Deutschen Amputierten-Fußball-Liga (DAFL) organisiert, die sowohl den Ligabetrieb als auch die Nationalmannschaft verantwortet. Ziel ist es, Menschen mit Amputation eine sportliche Perspektive zu bieten und gleichzeitig Inklusion, Leistungsbereitschaft und gesellschaftliche Teilhabe durch Fußball sichtbar zu machen.

Und für die Amputierten-Fußballmannschaft, die ehemals Teil von Fortuna Düsseldorf war, gibt es dabei immerhin eine gute Nachricht: Denn die Abteilung kann geschlossen den Verein wechseln und so weiter in der Bundesliga spielen. Konkret erweitert der KFC Uerdingen 05 sein sportliches Engagement und steigt mit sofortiger Wirkung zur Saison 2026 in den Amputierten-Fußball ein. „Wir sind stolz darauf, mit unserer neuen Mannschaft in den Inklusionssport einzusteigen und direkt mit mehreren deutschen Nationalspielern in der Bundesliga zu spielen“, sagt Sebastian Schmidt, Geschäftsführer des KFC Uerdingen 05: „Wir haben uns sehr schnell und aus voller Überzeugung in nur wenigen Stunden für Diesen Schritt entschieden, denn ansonsten hätte eine sehr begabte Mannschaft nicht in der Bundesliga spielen können. Finanziell ist der Spielbetrieb für diese Saison durch Garantien von Privatpersonen gesichert: wir suchen zudem aktiv nach Partnern, die unsere Amputierten-Mannschaft unterstützen.“ Dieses Tempo ist in der Tat beeindruckend.

Auch die Liga begrüßt den Einstieg ausdrücklich: „Wir freuen uns sehr, dass sich mit dem KFC Uerdingen ein Traditionsverein bei uns engagiert, diese für den Amputiertenfußball wichtige Mannschaft bei sich integriert und damit den Spielbetrieb der Liga bereichert“, erklärt Christian Heintz, Geschäftsführer der Deutschen Amputierten-Fußball-Liga: „Der spontane, schnelle und flexible Einstieg der Uerdingen ist schlicht sensationell und zeigt, wie fortschrittlich der Verein aufgestellt ist.“ Ein gewaltiges Lob.

Täte auch Fortuna Düsseldorf gut, sich zeitnah wieder so eines zu verdienen…

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Von admin