Wenn man sich mit der Frage von Eigentumsrechten im Fußball beschäftigt, dann ist die Organisation der belgischen Vereine tatsächlich ziemlich spannend: Denn in Belgien wurden – wie fast überall in Europa – Fußballmannschaften als Vereine gegründet. Und anders als in England, worüber FanLeben.de zuletzt hier berichtet hat, wurden die Vereine auch nicht in Kapitalgesellschaften umgewandelt, sie existieren also bis heute. Allerdings wurden wie zum Beispiel in Deutschland Kapitalgesellschaften neben den Vereinen gegründet. Ziemlich paradox: Denn wenn der gesamte Sport sowie alle Markenrechte in einer Kapitalgesellschaft liegen und diese an Investoren verkauft wird, bleibt für den Verein ja kaum noch etwas zu tun. Meistens existieren sie nur noch fürs Prestige, für Steuervorteile oder Stiftungen weiter. Weil die Kapitalgesellschaften wurden ja trotzdem an Investoren verkauft und die Macht der Vereine und ihrer Mitglieder wird in Belgien nicht durch eine 50+1-Regel gesichert. Hinzu kommt: Die Vereine haben in Belgien anders als in Deutschland kaum passive Mitglieder: Beim KV Mechelen, der lange weiter als Verein am Spielbetrieb teilnahm, bestand die Mitgliederversammlung zuletzt zum Beispiel gerade mal aus zwanzig Mitgliedern. Fan-Demokratie in Belgien? Sucht man vergebens.
Ein Beispiel ist dafür auch der KRC Genk, der 1988 durch eine Fusion des FC Winterslag mit THOR Waterschei entstand. Woher man den Vorgängerverein vielleicht kennt: Während der Saison 1982/83 wurde das Spiel zwischen Standard Lüttich und Waterschei durch Bestechungsgelder des damaligen Lüttich-Trainers Raymond Goethals manipuliert – Standard Lüttich gewann dadurch die Meisterschaft. Winterschlag und Waterschei waren beide Fahrstuhlmannschaften zwischen der ersten und zweiten belgischen Liga. Durch die Fusion entstand ein Topverein, der immerhin vier belgische Meisterschaften gewinnen konnte. Kontrolliert wurde der KRC durch die Generalversammlung des Vereins: In ihr besaßen lediglich 50 Mitglieder das Stimmrecht.
Und diese beschlossen zum Jahreswechseln nun auch die Gründung einer Aktiengesellschaft. Das Ziel: Investoren finden. Was jetzt gelungen ist. Und wie!
Denn niemand geringeres als Thibaut Courtois wird Anteilseigner bei seinem Jugendklub KRC Genk. Wie der Verein aus der Jupiler Pro League mitteilte, tätigt der Torwart von Real Madrid über seine Investmentfirma Nxtplay eine Minderheitsbeteiligung. „Die Tatsache, dass ausgerechnet Thibaut der erste Partner ist, macht diesen Schritt historisch“, erklärte der Verein in einer Mitteilung. Diese strukturelle Veränderung soll es dem Verein ermöglichen, sich auf dem internationalen Markt stärker zu positionieren. Auch Courtois freute sich: „Ich habe mein ganzes Leben lang Exzellenz verfolgt. Beim KRC Genk fühle ich dasselbe Feuer und denselben Ehrgeiz. Diese Investition fühlt sich wirklich an wie nach Hause kommen. Mit diesem Engagement möchte ich dem Verein helfen, weiter zu wachsen und seine sportlichen Ambitionen zu stärken. Von Limburg bis an die Spitze Europas.“ Genk war in der zurückliegenden Saison Siebter in der heimischen Liga geworden. In der Europa League war man im Achtelfinale am SC Freiburg gescheitert.
Besonders auffällig: Für Torwart Courtois ist es nicht das erste Fußball-Invest. Der 34-Jährige ist nämlich auch Besitzer des CD Extremadura und hält Anteile am FC Le Mans. Extremadura ist ein spanischer Viertligist, Le Mans spielt in der zweiten französischen Liga. Damit hat der belgische Nationaltorwart, der von 1999 bis 2012 beim KRC Genk ausgebildet wurde, ein eigenes Multi-Club-Konstrukt geschaffen. Etwas, das seinen Einstieg in Belgien, bei den dortigen Fans vermutlich noch kontroverser machen dürfte.
