Was ist eigentlich echter Sportsgeist? Vielleicht das hier: Mit 90 Jahren leitet Werner Ziebold vom SV Weilertal immer noch Fußballspiele als ehrenamtlicher Schiedsrichter. „Man kommt unter die Leute. Man ist immer mit jungen Leuten zusammen auf dem Platz“, begründet Ziebold sein Hobby. Nur wenn es ruppig wurde, er Karten ziehen musste, mochte er das nicht so gern. Ans Aufhören hat der 90-jährige dennoch nicht gedacht, seit 60 Jahren stand er zuletzt mit Pfeife auf dem Platz. „Körperlich konnte ich das immer noch durchhalten. Ich habe gesagt, solange die Beine mitmachen“, erklärt Ziebold. Auch seine Routine dürfte ihm geholfen haben. „Der Verband ist froh, wenn sie genügend Schiedsrichter haben. Und die konnten mich immer mal anrufen, wenn es irgendwo gebrannt hat, auch mal unter der Woche“, berichtet er.

Doch jetzt geht Ziebold in Schiedsrichter-Rente. Es gehe ihm zwar immernoch gut, aber die Beine machen eben nicht mehr mit. Denn mittlerweile macht sich nicht nur das Knie bemerkbar, weil er sich früh einen Meniskusschaden zugezogen habe. „Seit Dezember habe ich leider Wasser auf der Lunge“, muss Ziebold eingestehen. Das werde zwar besser, er habe Tabletten bekommen. Dennoch haben ihm seine Ärzte dazu geraten, das laufintensive Hobby so langsam aufzugeben.

Und so kam es am vergangenen Sonntag zu seinem Abschiedsspiel. Bei der Kreisliga-Partie des SV Weilertal II gegen den SV Hartheim-Bremgarten II leitete er noch einmal eine Halbzeit, ging dann unter großem Applaus vom Feld und ließ sich ablösen. Es war sein emotionaler Abschied. „Selbst mit 90 Jahren noch auf dem Platz gestanden zu haben, ist eine schier unglaubliche Leistung“, würdigt auch Knut Kircher, der Geschäftsführer der DFB Schiri GmbH. Dass sich jemand über einen solchen Zeitraum als Schiedsrichter engagiere, erlebe man „nur ganz, ganz selten“.

Bei seinem Verein, dem SV Weilertal, sieht man Ziebold zurecht als echte Vereinslegende. Junge Spieler*innen, auch Nachwuchskicker, berichten vom großen Respekt, dem sie von einem der ältesten deutschen Schiedsrichter aller Zeiten haben. Ohne Werner Ziebold hätte so manches Spiel nicht stattfinden können, Schiedsrichter gibt es in Deutschland längst nicht genug. Und der Senior nahm dabei so manches auf sich, um auch im so hohen Alter noch Spiele pfeiffen zu können, verzichtete zum Beispiel in der Woche vor einem Einsatz komplett auf Alkohol. Nach dem Abschiedsspiel, übrigens bei heißen Temperaturen, durfte es darum ein besonders leckeres Feierabendbier gegeben. Bei dem lautete Ziebolds Fazit: „Da ich weiß, dass die Kraft nachlässt, jetzt mit 90, bin ich ganz zufrieden.“

Ganz zufrieden – aus unserer Sicht ist das für die Bewertung seines fußballerischen Lebenswerks eine ganz schöne Untertreibung.

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Von admin