Munis Weg mit 1.000 Sponsoren und einem Investoren

Immer wieder geraten besondere Vereine in tiefe Krisen, stürzen ab und die Fußballwelt fragt sich: Wie konnte es dazu kommen? In Deutschland geht es vielen Traditionsvereinen so. Doch darüber wird an vielen Stellen schon ausführlich diskutiert. Hier auf FanLeben.de schauen wir deswegen ins Ausland und widmen uns in detaillierten Recherchen der bitteren Realität von Vereinen, die wir im internationalen Fußball heute vermissen. Im ersten Teil der Serie ging es um Vitesse Arnheimim zweiten Teil folgte Bursasporim dritten der FC Malaga, im vierten Wacker Innsbruck, im fünften Sheffield Wednesdayim sechsten die Western City Wanderers, im siebten die Bolten Wanderersim achten beschäftigten wir uns mit Manchester Unitedim neunten ging es um einen Verein, der nur aufgrund eines schlimmen Unfalls Teil dieser Rubrik wurde: Chapecoenseim zehnten ging es dann um Lukas Podolskis Investitionen bei Gornik Zabrzeim elften ging es darum, wie Fans den ältesten Fußballvereins Bulgariens zurückkauftenim zwölften ging es um die Rückkehr von Coventry in die Premier Leage, im 13. verabschiedeten wir uns von einem der bedeutensten Vereine des Frauenfußballs, im 14. um Leichester City, im 15. um zwei Klubs aus Bukarest und Belgrad und im 16. um Girondis Bordeaux. Heute schauen wir nach Peru. Los geht’s!

Der Fußballklub Deportivo Municipal aus Peru hat ein außergewöhnliches Fußballtrikot vorgestellt, das mit 1.000 einzelnen Sponsorenlogos bedeckt ist. Der Hintergrund: Angesichts einer drohenden Insolvenz un fehlenden Großsponsoren entwickelte der in Lima beheimatete Klub eine Crowdfunding-Kampagne, um dringend benötigte Mittel für den Spielbetrieb der Saison einzunehmen.

Rund 60 US-Dollar – umgerechnet 200 Soles – mussten die größtenteils lokalen Unternehmen für ihren Platz auf der Brust bezahlen. Die Kampagne war dabei extrem erfolgreich: Innerhalb von gerade einmal drei Monaten waren alle 1.000 Sponsorenplätze verkauft. Damit nahm Deportivo Municipal genügend Geld ein, um den Spielbetrieb fortsetzen zu können.

Und das Beste: Trotz des dichten Rasters aus unzähligen kleinen Logos, das ein pixelartiges schwarz-weißes Mosaik erzeugt, bleibt das traditionelle Erscheinungsbild des Vereins erhalten: Der rote diagonale Streifen über die Vorderseite des Trikots ist weiterhin deutlich zu erkennen.

Aber wie konnte es überhaupt zu einer so schweren Finanzkrise beim Traditionsklub aus Lima kommen? Die Antwort ist vielschichtig und beginnt mit einer sportliche Abwärtsspirale. Noch 2017 hatte Deportivo Municipal an der Copa Libertadores teilgenommen, gleichzeitig aber erhebliche Verbindlichkeiten aufgebaut. Die finanziellen Probleme führten unter anderem zu Punktabzügen, die den sportlichen Niedergang zusätzlich verschärften. In der Folge stieg der Klub aus der ersten peruanischen Liga ab und verlor damit wichtige Einnahmequellen wie Fernsehgelder, Sponsoring- und Zuschauereinnahmen. Die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage verschlechterte sich dadurch weiter. Hinzu kamen Probleme bei der Erfüllung der finanziellen und administrativen Voraussetzungen für die Teilnahme am Spielbetrieb, wodurch Deportivo Municipal schließlich auch aus der zweiten Liga ausgeschlossen wurde und in den Amateuerbereich, der in Peru mit der dritten Liga beginnt, wechseln musste. So entstand ein Teufelskreis, der zuletzt ganz konkret existenzbedrohend geworden war.

Deportivo Municipal gehört dabei zu den traditionsreichsten Fußballvereinen Perus. Der 1935 von Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung von Lima gegründete Klub etablierte sichrasch an der Spitze des peruanischen Fußballs und gewann zwischen 1938 und 1950 viermal die nationale Meisterschaft. Damit gehört Municipal bis heute zu den erfolgreichsten Vereinen in der historischen Meisterschaftsrangliste des Landes.

Seine besondere Bedeutung liegt dabei nicht nur in den Titeln. Municipal prägte den peruanischen Fußball vor allem in seiner frühen Entwicklungsphase und wurde wegen seiner erfolgreichen Nachwuchsarbeit und der zahlreichen Spieler, die aus seinen Reihen hervorgingen, mit dem Beinamen „La Academia“ versehen. Auch international spielte der Klub früh eine Rolle und stellte die erster peruanischer Mannschaft, der das Land in internationalen Wettbewerben vertrat. Trotzdem: Der letzte Titel liegt damit inzwischen mehr als sieben Jahrzehnte zurück. Aber auch danach blieb der Traditionsklub wie gesagt immer wieder erfolgreich, allerdings vor allem in der zweiten Liga: 1968, 2006 und 2014 wurde Municipal dort Meister und schaffte jeweils den Aufstieg. 2016 immerhin noch einmal vierter in der ersten Liga.

Wie geht es jetzt weiter? Bis im Mai diesen Jahres war Deportivo Municipal ein klassischer Mitgliederverein unter der Kontrolle seiner Anhänger*innen. Doch die beschlossen nun, ihren Klub in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln und so zu privatisieren. Hauptinvestor soll der peruanische Unternehmer Omar Urteaga werden, der zugesagt hat, in den nächsten zehn Jahren insgesamt umgerechnet rund 20 Millionen Euro zu investieren und dafür 65% am Klub übernehmen soll.

Investorenöffnungen können schiefgehen – aber gerade bei Hauptstadtklubs können sie natürlich auch funktionieren. Der Crowdfoundingweg war trotzdem irgendwie der sympathsichere.

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Von admin