Es ist vielleicht einer der schönsten Sommertransfers der Fußball-Bundesliga – und das, obwohl er auf den ersten Blick regelrecht unscheinbar wirkt. Jano ter Horst wechselt von Zweitliga-Absteiger Preußen Münster zu Bundesliga-Aufsteiger Paderborn. Klingt gewöhnlich. Was also macht diesen Wechsel so interessant?
Das ist vor allem die Person Jano ter Horst, der eben kein gewöhnlicher Fußballprofi ist. Vor zehn Jahren kam er als 13-jähriger in den Nachwuchsbereich der Preußen, durchlief dort alle Jugendmannschaften und führte in seinem zweiten Jahr in der A-Jugend die U19 in der Nachwuchs-Bundesliga sogar als Kapitän auf den Platz. Die logische Folge: Der angebotene Profivertrag. Doch weil Preußen Münster damals in der Regionalliga spielte, lehnte ter Horst eine Profi-Beschäftigung ab. Stattdessen entschied er sich für die fünftklassige U23-Mannschaft und eine Berufsausbildung. Trotzdem trainiert er regelmäßig bei den Profis mit und kommt schon im Oktober 2021, seinem ersten Seniorenjahr, zum Debüt in der ersten Mannschaft – direkt als Stammspieler.
2022 ist Jano ter Horst dann Stammspieler und Führungsspieler von Preußen Münsters zweiter Mannschaft, welche die Saison sensationell auf dem zweiten Platz der Oberliga abschließt. Für ihn aber noch wichtiger: Er schließt seine Berufsausbildung ab. 2023 wagt er darum nach 52 Oberliga-Pflichtspielen im Rücken den Schritt zu den – inzwischen in die Dritte Liga aufgestiegenen – Preußen-Profis. Der start verläuft ungewohnt holprig, erst im September kommt ter Horst zu seinem ersten Einsatz, dafür gleich im DFB-Pokalspiel gegen die Bayern. Trotz saftiger 0:4-Niederlage überzeugt der Innenverteidiger in diesem Spiel und wird in der Folge Stammspieler der Mannschaft, die am Ende in die 2. Bundesliga aufsteigt.
Dort debütiert Jano ter Horst gleich am ersten Spieltag. Und führt seine Mannschaft im ersten Jahr zum souveränen Klassenerhalt. Ein Jahr später gelingt das nicht mehr und ter Horst scheint Preußen Münster nach dem Drittliga-Abstieg entwachsen zu sein. „Mit 14 Jahren bin ich hergekommen“, blickt der Spieler jedenfalls auf seine Zeit in der Friedensstadt zurück, „und der Profibereich war etwas, das weit weg schien. Aus Jugendspielen wurden U23-Partien und aus einem Traum der erste Einsatz bei den Profis.“ Und weiter: „Ich bin extrem dankbar für diese Zeit. Nicht nur für die gemeinsamen Erfolge, sondern für den gesamten Weg mit all seinen Höhen und Tiefen und vor allem für die Menschen, die ich auf diesem Weg kennenlernen durfte.“ Nichtsdestoweniger sei es nun an der Zeit weiterzuziehen: „Nicht jeder Weg endet mit dem Moment, den man sich wünscht. Die Enttäuschung über den Abstieg wird bleiben, genauso wie die Erinnerungen an die gemeinsamen Erfolge und die tollen Menschen.“
Bei Preußen Münster aber nimmt Jano ter Horst niemand seinem Weggang übel – im Gegenteil man ist richtig stolz auf den Weg seines Eigengewächses: „10 Jahre lang trug Jano das Preußentrikot, wurde so zu einer wichtigen Identifikationsfigur und zum Leistungsträger unserer Mannschaft. Wir hätten Jano gerne weiter in unseren Reihen gehabt, freuen uns aber auch darüber, dass wieder ein Spieler aus unserer Jugend den Sprung bis in die höchste Spielklasse schafft. Diesen nächsten Schritt in seiner Karriere hat er sich durch seine Mentalität und seine professionelle Einstellung verdient. Wir wünschen Jano für seine Zukunft alles Gute“, sagt schließlich Preußen-Sportdirektor Jan Uphues den Transfer.
Und beim SC Paderborn freut mich sich über den – im wahrsten Wortsinne – bestens ausgebildeten Neuzugang: „Jano passt mit seinem Profil sehr gut zu unserem Sportclub. Er ist in der Defensive flexibel einsetzbar. Zudem ist er schnell, mannschaftsdienlich und entwicklungsfähig. Jano überzeugt auch durch eine enorme Mentalität und hat sehr gute physische Voraussetzungen. Wir freuen uns sehr auf ihn und sind davon überzeugt, dass er seine Qualitäten auch in der Bundesliga zeigen wird“, so der Sport-Geschäftsführer Sebastian Lange.
Das alles macht diesen Transfer irgendwie schön: Ein Spieler, der seinen eigenen Weg mit klaren Zielen aber auch viel Verantwortungsbewusstsein gegangenen ist, und dafür jetzt mit der Bundesliga belohnt wird und ein ausbildener Verein, der vor Stolz auf diese Geschichte fast platzt. Gut, dass der Fußball nie aufhört, solche Geschichten zu schreiben.
