Frauenförderung ist im britischen Schach ein wichtiges Thema – sagt der britische Schachverband. In der höchsten Klasse der 4NCL spielen deswegen jeweils achtköpfige Teams gegeneinander und müssen gemäß des Regelwerks mindestens eine Frau und einen Mann im Kader haben. Denn nur 11% der professionellen Schach-Spieler*innen sind Frauen. Das soll mit der Regel geändert werden.
Die gemeinnützige Organisation She Plays to Win betreibt wiederum das einzige rein weibliche Schachteam Großbritanniens. Und dieses ist gerade eigentlich in die Oberliga aufgestiegen, in der zwölf Vereine aus England, Schottland, Wales und Irland gegeneinander spielen.
Das Drama liegt auf der Hand.
Die Spielerinnen von She Plays to Win weigern sich, eine ihrer Topspielerinnen gegen einen männlichen Schachspieler zu ersetzen. Ein solcher Schritt würde den Teamgeist zerstören und Frauen generell vom Schachsport abhalten, hieß es. „Die Lionesses haben sich den Aufstieg hart erkämpft, doch nun müssen sie als Preis dafür genau das aufgeben, was sie so besonders macht“, schimpft darum Lorin D’Costa, Gründerin von She Plays to Win.
Mike Truran von der 4NCL verteidigt das Regelwerk dagegen: „Seit ihrer Gründung im Jahr 1994 ist die höchste Spielklasse stets ein gemischter Wettbewerb gewesen, bei dem jede Mannschaft aus Männern und Frauen bestehen muss.“
Ein Ende des Streits ist nicht in Sicht. Im schlimmsten Fall könnte das Frauenteam aus der 4NCL suspendiert werden.
Es wäre furchtbar. Denn Gleichberechtigungsregeln sollen Nachteile ausgleichen und so mehr Gerechtigkeit schaffen. Da, wo Projekte Vorbildfunktionen inne haben oder Gleichberechtigung bereits gilt, während sie anderswo offensichtlich noch nicht erkämpft wurde, dürfen sie Vorbildrollen nicht umkehren. She Plays to Win leistet viel für den Schachsport. Das verdient Anerkennung – und nicht, dass eine Regel, die Frauen fördern soll, nun gegen Frauen angewendet wird.
