Und dann war es plötzlich soweit: Grinsend und mit neuer Deutschland-Cap stand Jürgen Klopp gestern zum ersten Mal als neuer Bundestrainer an der Seitenlinie. Das 1:1 gegen die Niederlande bot einiges vielversprechendes, aber auch, dass weiterhin einige Aufgaben vor dem neuen DFB-Coach liegen. War aber ja auch nicht anders zu erwarten. Immerhin: Klopps wichtigste Vorgabe, nämlich eine Mannschaft zu sehen, deren Spieler füreinander durchs Feuer gehen, wirkte erfüllt.

Aber der Bundestrainer will sich in seiner Amtszeit offenbar nicht nur auf den Fußball beschränken. Denn gleich bei seiner ersten Pressekonferenz machte Klopp klar: „Wir müssen an der ganzen Nummer wieder Spaß finden. Ich hoffe nicht, dass ich in Zukunft über politische Dinge sprechen muss. Aber ich möchte uns die Fahne zurückholen. Dass man das Gefühl hat, dass man happy ist und dass man das Glück hat, in diesem wundervollen Land zu leben.“ Was er damit konkret meinte? „Ich möchte Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen. Es erfüllt mich mit Stolz, diesen Job auszuführen. Wenn wir in der Zeit, in der wir uns mit Fußball beschäftigen, ist es dazu da, dass wir ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln und uns besser fühlen. Wir müssen für die Stimmung sorgen. Aber wir brauchen auch Leute, die das annehmen.“

Klopp will, dass, wenn jemand die Fahne schwenkt, niemand denkt: Was ist denn mit dir nicht in Ordnung? „Sondern, dass man einfach nur das Gefühl hat: Du bist happy, du verstehst, dass du Glück hattest, dass du in diesem wundervollen Land geboren, aufgewachsen, zugezogen bist.“ Und er warf die Frage auf: Kann man stolz darauf sein, Deutscher zu sein und gleichzeitig offen, vielfältig, nett und freundlich? Seine Antwort: „Ich bin hundertprozentig sicher: Ja!“ Ein „positiver Patriotismus“ also. Keine ganz neue Debatte.

Ein positives Bild von Deutschland schaffen – diese Aufgabe übernehmen Deutschlands Fußball-Herren nicht zum ersten Mal. Aber ging es bei der Weltmeisterschaft 2006 vor allem darum, zu zeigen, dass unser Land 60 Jahre nach der Befreiung vom Nazi-Faschismus und seiner mörderischen Ideologie weltoffen und gastfreundlich geworden ist, richtet sich die Klopp-Kampagne nach innen. Zu oft ist die politische Debatte davon geprägt, was alles nicht geht, von Kürzungen und – berechtigter – Angst vor dem weiteren Aufstieg der AfD. Klopp will die Worte „Deutschland“ und „Optimismus“ wieder miteinander verbinden.

Für einen Vorstoß erhielt Klopp viel Zuspruch. DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke lobte die Klopp-Äußerungen gestern in der Vorberichtserstattung des Spiels ausdrücklich. Auch Politiker*innen und Ex-Politiker*innen wie Karl-Theordor zu Guttenberg sammelten sich hinter den Worten des Bundestrainer. Unbestritten ist: Klopp meint es richtig und will die Kraft des Fußballs für etwas Gutes nutzen. Integrativ – nicht umsonst bezeichnet sich der Bundestrainer auf seiner Kappe bescheiden als „einer von 83 Millionen“.

Und die Botschaft: Schaut her, wir können gemeinsam etwas gestalten, eine gute Zeit haben, Menschen begeistern, ist ja auch eine ziemlich starke. Aber ob sie aufs Deutsch sein der Nationalmannschaft und ihrer Fans reduziert werden muss? Vielleicht darf man gerade das auch nicht überinterpretieren. Es ist immer noch „nur“ Fußball, Klopps Werkzeug etwas sichtbar zu machen. Und: Die deutsche Nationalmannschaft repräsentiert unsere gesellschaftliche Vielfalt ziemlich gut. Auch das könnte eine wichtige Botschaft sein: Wir erreichen etwas zusammen, weil wir bunt sind.

Wenn es dann noch auf dem Platz etwas geordneter zugeht, als gestern Abend… Dann kann es vielleicht ja wirklich gut werden!

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Von admin